Schlieren
2,2-Millionen-Schirm soll den Gasometer vor der Witterung schützen

Weil das Wahrzeichen Schlierens undicht ist, droht Rost es zu zerstören. Nun gibt der Regierungsrat bekannt, dass er die Kosten von über 2 Millionen Franken übernehmen wird.

Alex Rudolf
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Das rund 35 Meter hohe Schlieremer Wahrzeichen wurde im Jahr 1898 erstellt und leidet unter der Witterung.

Das rund 35 Meter hohe Schlieremer Wahrzeichen wurde im Jahr 1898 erstellt und leidet unter der Witterung.

Severin Bigler

Der Zürcher Regierungsrat machte der Stadt Schlieren ohne deren Wissen ein Weihnachtsgeschenk. Denn in seiner Sitzung vom 23. Dezember sprach er einen Kredit in der Höhe von 2,2 Millionen Franken. Kürzlich wurde der Beschluss veröffentlicht. Mit diesem Geld kann der schützende Schirm für den ­Gasometer gebaut werden, der das Schlieremer Wahrzeichen vor Regen und somit vor der eindringenden Feuchtigkeit schützen soll (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Einzig eine Beschwerde gegen diesen Beschluss beim Verwaltungsgericht könnte den Schirm am 35 Meter hohen Wahrzeichen noch verzögern oder verhindern.

«Da die Submissionsverfahren bereits abgeschlossen sind, können wir schon im Frühling mit den Arbeiten beginnen, wenn es keine Einsprachen gibt», sagt der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Er sitzt im Stiftungsrat der Stiftung Gasometer Schlieren, die das historische Bauwerk unterhält.

Das im Jahr 1898 eröffnete und 1974 stillgelegte Gaswerk in Schlieren wies ursprünglich vier solcher Gasometer auf. Jener, der noch steht, ist der kleinste und sorgte in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen. 1997 wurde er in das Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung aufgenommen und 2001 gar unter Schutz gestellt. «Er zeigt die hohe Ingenieurbaukunst und den technischen Fortschritt dieser Zeit und ist somit das Wahrzeichen des Gaswerks Schlieren», schreibt der Regierungsrat in seinem Beschluss. Weiter komme dem Gasometer die Qualität einer unverwechselbaren und einzigartigen Landmarke zu, die wohl weit über den Kanton hinaus Bekanntheit geniesse. Im Detail handle es sich um einen sogenannten Teleskopgasbehälter. Jener in Schlieren sei der letzte erhaltene seiner Art schweizweit. Im deutschsprachigen Raum seien nur in den Berliner Gaswerken Schöneberg und Marienhof noch solche historischen Exemplare erhalten geblieben.

Ursprünglich sollte der Gasometer als dynamisches Denkmal erhalten bleiben. Man wollte also seine Funktionsweise demonstrieren können. Doch dieser Betrieb war nur von kurzer Dauer. Nach Abschluss der Sanierung 2005 vergingen nur zwei Jahre bis man merkte, dass Regenwasser ins Bauwerk eindringt. Ein zweiter, erfolgloser Versuch, den Gasometer zu sanieren, erfolgte 2009. Doch als Probleme mit der Ablagerung von Salzkristallen auftauchten, entschied die Stiftung 2017 definitiv, den Gasometer nicht als dynamisches Denkmal zu erhalten. Nachdem der Kanton bereits rund sechs Millionen Franken für die Sanierung ausgegeben hatte, war die Rede vom letzten Rettungsversuch.

Vertrag mit Stiftung wird um 25 Jahre verlängert

Die Planungskosten für das Schirmdach wurden von der Stiftung getragen, doch, so schreibt der Regierungsrat, würde die Umsetzung des Projekts das Stiftungsvermögen von 1,1 Millionen Franken bei weitem übersteigen. An den Gesamtkosten von rund 2,2 Millionen Franken dürfte sich voraussichtlich auch der Bund mit rund 25 Prozent beteiligen. Gesprochen werde dieses Geld jedoch erst, wenn die Rahmenbedingungen für die Bundesbeiträge im Bereich Denkmalpflege vereinbart seien.

Weiter entschied der Regierungsrat, den Baurechtsvertrag mit der Stiftung Gasometer Schlieren, der im Jahr 2026 ausläuft, um weitere 25 Jahre zu verlängern. Hätte er dies nicht getan, müsste in der Folge der Kanton für den Unterhalt aufkommen und sich um den Betrieb, die Vermittlung und die Belebung des national bedeutenden Industriedenkmals kümmern.

Für Bärtschiger ist dies ein grosser Erfolg. Doch eigentlich hätte bereits viel früher mit den Arbeiten begonnen werden sollen. So fand die Baueingabe bereits im Januar 2019 statt. Aufgrund der Submissionen und der schwierigen Geldsuche habe sich das Vorhaben verzögert, so Bärtschiger. «Doch nun sind wir startklar, wenn die Beschwerdefrist abgelaufen ist.»