Spielbühne Urdorf

Premiere: «Es bitzeli schwul isch cool»

Szene aus der Premieren-Vorstellung der Spielbühne Urdorf. Bildmitte: Schauspieler Thomas Senn, spielt hier den verzweifelten Bernhard Ryser.

Ein Lacher nach dem anderen: Die Spielbühne Urdorf begeistert ihr Premierenpublikum: «Es war lustig, ohne lächerlich zu sein».

Der Junior-Chef, gespielt von Benjamin Hof, begrüsste das Publikum zur 46. Betriebsversammlung der Firma Scholetta. Damit spielte er auch auf das 46. Theaterstück an, das die Spielbühne Urdorf mit «Es bitzeli schwul isch cool» im Embri-Saal aufführte. Die über 220 Premierenbesucher wurden so ins Stück eingebunden. Die Ansprache des Junior-Chefs war deshalb entsprechend mehrdeutig. Eindeutig wurde er jedoch, als es um den Geschäftsgang der Firma ging: Dieser sei alles andere als rosig. Sparmassnahmen müssten ergriffen werden.

Die beiden Sachbearbeiterinnen der Firma zeigten sich, vor der Bühne sitzend, empört und verliessen die Betriebsversammlung raunend. Der Junior-Chef war davon nicht beeindruckt und verschwand hinter dem Vorhang. Aus den Boxen sang nun Freddie Mercury: «I want to break free» (auf Deutsch: Ich möchte ausbrechen). Der Bühnenvorhang ging auf und ein scheinbar normaler Büroalltag offenbarte sich: Immer noch war Sekretärin Paula Oertli (Sabrina Haller) aufgebracht über die Sparmassnahmen, immer wieder rief sie aus: «Das isch alles so verloge!» Ihre Kollegin Beatrice Dannemann (Svenja Leutwiler) versuchte sie zu beruhigen: «Nimms piano, Paula».

Die ledige Oertli arbeitet schon seit 25 Jahren bei der Firma Scholetta und gehört damit beinahe zum Inventar. Ihr platzte der Kragen, als sie von Dannemann erfuhr, dass man dem Bürokollegen Bernhard Ryser (Thomas Senn) künden wolle. Der arme Ryser leide ohnehin enorm unter der Scheidung von seiner Frau (Jeannine Hohl), so Oertli. Und dieser erfuhr die schlechte Nachricht denn auch von den Kolleginnen. Bevor er eine Überdosis Schlaftabletten einnahm, rief er noch seine Tochter (Alexandra Weber) an, die aber nichts von ihm wissen wollte.

Zum Glück schaute dann aber im richtigen Moment Arbeitskollege Klaus Lehmann (Beat Müller) vorbei. Selbstmord sei doch keine Lösung – er habe eine bessere Idee. Ryser solle sich als Schwuler ausgeben. Die Firma Scholetta könne sich keine Negativschlagzeilen wegen Diskriminierung von Homosexuellen leisten, so Lehmann. Die beiden machten gleich im Büro in eindeutiger Pose ein Selfie. Just da kamen die Kolleginnen herein. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht. Die Ex-Frau war aufgebracht und die Tochter fand den Vater auf einmal wieder cool.

Zuschauer und Darsteller zufrieden

Mit Humor und Überraschungen bahnte sich der von Helmut Schmidt verfasste Drei-Akter «Es bitzeli schwul isch cool» unter der Regie von Peter Gäumann seinen Weg in die Herzen der Zuschauer. Nach der Premiere zeigte sich Vereinspräsident und Schauspieler Walter Riedle zufrieden: «Das Stück ist trotz gewagtem Titel angekommen.» Es sei ein tolles Publikum gewesen. Es habe den Schauspielern Antrieb gegeben und sie getragen. «Hammer!», fand auch Thomas Senn, der Bernhard Ryser spielte. Senn verriet: «Ich habe einen guten Kollegen, der schwul ist. Er hat mich auf die Rolle vorbereitet und gesagt, ich solle die Rolle nicht zu überspitzt spielen, weil so sei es ja auch nicht.»

Zuschauerin Antoinette Rhyn aus Weiningen hielt fest: «Als Kind hatten meine Eltern schwule Freunde, die uns nahe standen und noch heute habe ich im Freundeskreis einige schwule Bekannte. Die Situation für Homosexuelle muss sich verbessern.» Besucher Lutz Neumann aus Kirchdorf war beeindruckt: «Es war lustig, ohne lächerlich zu sein.» Dass so ein Stück aufgeführt werde, zeige eine gewisse Akzeptanz gegenüber Homosexuellen. Er denke, Schwule würden die Aufführung mit Humor nehmen. Hinzu komme, dass das Thema Kündigung älterer Mitarbeitenden ein brisantes sei.

Auch die Urdorfer Gemeindepräsidentin und Gotte der Spielbühne Sandra Rottensteiner fand den Premierenabend gelungen: «Ich bin stolz auf die schauspielerische Leistung der Gruppe.» Sie war nicht die einizige; die Geroldswilerin Lisbeth Attiger lobte die Leistung der Crew ebenfalls.

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