Auf dem See eine Schifffahrt zu unternehmen, ist Entschleunigung pur. Der Blick zum Wasser lässt auch die gestresstesten Mitreisenden zur Ruhe kommen. Könnte man meinen.

In der vergangenen Woche war das aber nicht der Fall, wie Passagiere berichteten. An einem Montag überbordete das schlechte Benehmen einiger Jugendlicher. Sie fuhren mit dem Schiff von Wollishofen mit. Sofort begannen sie Passagiere und auch das Personal anzupöbeln. Dieses bereitete dann aber dem Spuk ein schnelles Ende, wie Wiebke Sander, Mediensprecherin der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, sagt. «Unsere Mitarbeiter haben kurzen Prozess gemacht und die Jugendlichen an der nächsten Station in Kilchberg von Bord gewiesen.»

Das ist offenbar kein neues Phänomen. Einige Schiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) wurden vor allem im vergangenen Sommer von Jugendlichen überfallartig in Beschlag genommen, wie erst jetzt bekannt wurde. In Wollishofen stürmten letztes Jahr am Schiffssteg ganze Horden junger Männer an Bord, wie Zeugen berichten. Ihr Ziel war es, vom Heck oder Dach gleich wieder ins Wasser zu springen. Auch soll es dort zu Attacken durch mit Wasser gefüllte Ballons, die auf das Schiff geworfen wurden, gekommen sein.

Kein Halt in Wollishofen

ZSG-Sprecherin Wiebke Sander kann nur einen Teil dieser Vorkommnisse bestätigen. «Wollishofen ist ein Brennpunkt. Dort gibt es immer wieder Ärger wegen Schwimmern im Wasser bei der Anlegestation und auch, weil vom Steg aus Jugendliche immer wieder mal aufs Dach des Schiffs klettern.» Im Vorjahr konnte die Station deshalb einige Male nicht bedient werden. In diesem Sommer sei es noch nicht nötig gewesen, zu dieser drastischen Massnahme zu greifen. «Wollishofen wird angefahren», sagt sie. Zum Glück für die Fahrgäste. Wie aber hat es das Schifffahrtsunternehmen geschafft, dass die Probleme mit Jugendlichen in
diesem Jahr entschärft werden konnten?

Einerseits, sagt Sander, spiele das Wetter eine Rolle. Zwar ist es in diesem Sommer immer mal wieder sehr heiss – aber es ist nicht durchgehend schönes Wetter. Andererseits habe man im letzten Jahr verstärkt auch mit der Polizei zusammengearbeitet, um die Jugendlichen auf die Gefahren hinzuweisen. Das habe offenbar geholfen. «Wir stehen im Kontakt mit der Polizei, sie war auch schon mal undercover auf dem Schiff.» Auch eine Begleitung durch ein Polizeiboot sei bereits vorgekommen. Anzeigen hat die ZSG aber weder in diesem noch im letzten Jahr erstattet.

Die Stadtpolizei Zürich ist in diesem Sommer vereinzelt alarmiert worden, weil im Hafen von Wollishofen der Schiffsverkehr gestört werde, wie es auf Anfrage heisst. Die Polizei konnte dann aber vor Ort keine Vorkommnisse feststellen, die ein Einschreiten nötig gemacht hätten, heisst es weiter. Fahrgäste die sich nicht benehmen, mögen zwar stören, sind aber auch eine echte Gefahr – etwa, weil sie über Bord fallen könnten. Bei grösseren Eventrundfahrten, etwa Partybooten wie am Wochenende an der Street Parade, setzt man bei der ZSG deshalb auch auf Securitys.

«Wie in einem Strandbad»

Zahlenmässig das grösste Problem für die ZSG sind im Sommer aber vor allem die normalen Badegäste und Freizeitsportler auf dem Zürichsee. «Die Schwimmerinnen und Schwimmer beschäftigen uns jedes Jahr», sagt Sander. «Auch Stand-up-Paddler und Boote kommen uns immer wieder in die Quere.» Ein Insider der ZSG berichtet von oft schwierigsten Verhältnissen, wenn Stationen angefahren werden. «Da glaube ich manchmal, dass ich mit dem Schiff direkt in ein Strandbad fahre, so viele Leute sind rund um den Steg im Wasser.» Vor allem Kilchberg sei prekär, weil sich nahe der Anlegestelle eine Badewiese befindet. Thalwil hingegen sei sicher, da es dort beim Schiffssteg keine bequeme Stelle zum Verlassen des Wassers gibt.

Für Sander ist aber auch klar: Die meisten Schwimmer wüssten, dass sie sich nicht in der Nähe von Schiffen oder deren Fahrtrouten aufhalten sollten. Ausnahmen gebe es aber immer wieder. Auch diese gelte es zu sensibilisieren. «Denn am meisten bringen sie sich selbst in Gefahr.»