Weinigen
Plakate umgeworfen: SP-Kandidat Willig zeigt Vandalen an

Nachdem ihre Wahlplakate zwei Mal gefällt wurden, vermutet die SP dahinter politische Motive. «Wenn es so weiter geht, reichen diese nicht». Die SVP-Plakate blieben stehen. Attacken auf ihre Plakate haben in der Gemeinde Tradition.

Florian Niedermann
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Die Plakate der SP fielen, die der SVP nicht.

Die Plakate der SP fielen, die der SVP nicht.

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Wer Anfang Woche durch die Fahrweid fuhr, könnte sich in die Siebzigerjahre zurückversetzt gefühlt haben: An der Niederholzstrasse lagen mehrere Stellwände mit Wahlkampfplakaten der SP am Boden – die der SVP standen unbeschadet am Strassenrand.

Ähnliche Szenen boten sich in Weiningen bereits vor fast 40 Jahren, als der ehemalige Präsident der SP-Kreispartei, der «Rote Max» Bürgis, als zugezogener Linker im Weininger SVP-Stammland polarisierte: Damals wurden SP-Plakate im Vorfeld von Abstimmungen abgerissen oder verunstaltet. Und als Ursula Koch in den Achtzigerjahren für den Nationalrat kandidierte wurden ihre Konterfeis in Weiningen gar mit Hakenkreuzen und Judensternen verschmiert.

Die aktuellen Fälle von zerstörten Wahlplakaten will Sebastian Willig, der bei den Gemeinderatswahlen vom 30. März für die SP kandidiert, jedoch nicht hinnehmen: Gestern erstattete er bei der Kantonspolizei Zürich Anzeige gegen unbekannt. «Ich erwarte nicht, dass die Polizei die Täter findet. Aber ich will damit zeigen, dass ich mir nicht alles gefallen lasse», so Willig.

Das Plakat an der Niederholzstrasse sei in der Nacht gestern nicht zum ersten Mal gefällt worden. Als es vergangenen Samstag erstmals am Boden lag, habe er aber noch vermutet, dass ein Windstoss daran schuld sein könnte, sagt der SP-Kandidat: «Als es nun am Dienstag erneut passierte und die Plakate der SVP daneben beide Male stehen geblieben waren, musste ich davon ausgehen, dass Mutwillen dahinter steckt.»

Dass die SP-Kreispartei den ersten Exekutivsitz seit dem Zusammenschluss der Ortsparteien von Weiningen, Unterengstringen und Geroldswil-Oetwil im Jahr 1987 erobern will, werde in einigen Kreisen womöglich als Provokation wahrgenommen, sagt Willig. Wer die Täter sein könnten, die hinter dem Vandalenakt stehen, wagt er nicht zu mutmassen. «Es sind wohl Personen, die rechts wählen und daher gegen meine Kandidatur sind.» Es müssten aber nicht zwingend SVP-Wähler sein, so Willig.

Der SP gehen die Plakate aus

Seine Plakatwände haben Parteigenossen zwischenzeitlich wieder aufgerichtet. Problematisch ist für den Studenten aber nicht allein der Umstand, dass seine Plakate einem politisch motivierten Vandalenakt zum Opfer gefallen sein könnten. Vielmehr gehen der SP auch bald die Plakate aus: «Wir haben nur zehn Plakate drucken lassen, da wir nicht über ein so hohes Budget wie etwa die SVP oder die FDP verfügen. Wenn es so weiter geht, reichen diese nicht», sagt er. Ausserdem gehörten die Stellwände, auf denen sein Konterfei angebracht ist, nicht der SP-Kreispartei, sondern der Schwesterpartei in Schlieren.

Doch nicht nur die SP musste in Weiningen umgekippte Plakate wieder aufrichten. Auch die Wahlwerbung der FDP lag gestern am Boden. Ortsparteipräsident Martin Geistlich sieht aber keinen Anlass dazu, deswegen Anzeige zu erstatten: «Ich sehe keinen Hinweis auf eine politische Aktion. Es könnte genau so gut der Wind gewesen sein, der die Schilder zu Fall brachte.» Die FDP Weiningen habe aber in der Vergangenheit schon verschiedentlich Plakatwände wieder aufstellen müssen, so Geistlich: «Man muss in der heutigen Zeit als Partei gut auf diese Schilder achten.»