Klettern ist ein beliebter und herausfordernder Sport. Der einzige Haken ist, dass man immer jemanden braucht, der einen an der Wand sichert, während man sich den farbigen Griffen entlang die graue Hallenwand hochhangelt.

Um einen Partner zu finden, gründete Eric Zürcher, ein begeisterter Kletterer, eine Whatsapp-Gruppe für Kletterer. Damit immer möglichst viele mitklettern können, fragte er immer wieder Leute im Kletterzentrum Gaswerk an, ob sie dabei sein möchten. «Ich sprach jeweils einfach andere Kletterinnen und Kletterer in der Halle oder an der Bushaltestelle vor der Halle an, ob sie gerne in die Whatsapp-Gruppe für Kletterer kommen möchten», sagt Zürcher.

Ziel der Gruppe ist, dass an möglichst jedem Wochentag jemand in Schlieren vor Ort ist, damit man jederzeit die Wand erklimmen und trainieren kann.

Ein Kletterpartner oder eine Kletterpartnerin ist als Mitglied der Gruppe immer vorhanden.

Ein Kletterpartner oder eine Kletterpartnerin ist als Mitglied der Gruppe immer vorhanden.

Vor einem Jahr wurde diese Gruppe grösser und bunter: Denn dann schloss sie sich mit der Klettergruppe von «Outdoor Sports for Gays» zusammen. Letztere gehört zu einem Verein sportbegeisterter Schwulen, Lesben und deren Freunden, die verschiedene Bergsportarten betreiben. Diese Gruppe besteht bereits seit 15 Jahren. «Das Klettern ist der einzige Sport, den wir auch drinnen machen», sagt Philipp Boos. Er kam vor zwei Jahren zu «Outdoor Sports for Gays» dazu und leitet die Klettergruppe gemeinsam mit Zürcher, momentan haben sie rund 18 Teilnehmende, die regelmässig mitmachen.

Boos wurde durch eine Standaktion am damaligen Zurich Pride Festival auf den Verein aufmerksam. Auch dieses Jahr war die Gruppe mit einem Stand am Festival vertreten. «Es interessieren sich viele für unser Angebot. Doch von denen, die sich für unseren Newsletter anmelden, kommen jeweils nur wenige wirklich zum Klettern», sagt Boos.

Eine Abschottung ist nicht das Ziel

Obwohl auch noch heute das Ziel sei, dass schwule, lesbische, trans-, bisexuelle und queere Menschen, kurz LGBTQ, unter Gleichgesinnten Sport treiben können, sei das Angebot längst nicht mehr so exklusiv. «Wir wollen uns ja nicht abschotten», sagt Boos. Es sei auch nicht mehr zeitgemäss, sich völlig abzugrenzen. Deshalb hat sich seine Gruppe mit einer konventionellen Klettergruppe zusammengetan.

Geändert habe sich beim Sport dadurch nicht viel. Boos ist es wichtig, dass in der Gruppe keine Monokultur herrscht. «Es soll normal sein. Deshalb muss man auch anfangen, es so zu leben, und darum ist es auch egal, ob man schwul ist oder nicht.» Politisch ist die Gruppe nicht aktiv. «Wir machen das bewusst nicht, weil wir uns auf den Bergsport konzentrieren wollen», sagt Boos. Die Hauptsache sei, so viel wie möglich draussen zu sein und das Hobby mit anderen Leuten zu teilen.

Auch wenn es ein Minimum an körperlicher Fitness gibt, die man als Voraussetzung mitbringen muss, ist der Verein offen für Anfänger sowie Fortgeschrittene.

Auch wenn es ein Minimum an körperlicher Fitness gibt, die man als Voraussetzung mitbringen muss, ist der Verein offen für Anfänger sowie Fortgeschrittene.

Einzig der Name «Outdoor Sports for Gays» und dessen Zweck «Verein für begeisterte LGBTQ-Berg- und -Outdoorsportler aus der ganzen Schweiz» bleibe. Das habe historische Gründe und sei auch auf der Website www.gaypeak.ch so festgehalten.

«Ich weiss nicht einmal, wer welche Orientierung hat»

In der Praxis scheint dieser Zweck für die Gruppe keine Rolle mehr zu spielen. «Ich weiss nicht einmal, wer genau welche Orientierung hat», sagt Urs Meili, ein Gruppenmitglied. Es gehe einfach darum, Spass zu haben. Früher sei die Abgrenzung gegenüber anderen noch viel stärker gewesen, aber das sei heute nicht mehr der Fall. Er selbst bezeichnet sich als bisexuell und ist Vater eines Sohnes. Mit ihm geht er ebenfalls oft klettern. Daneben ist er jede Woche zwei- bis dreimal in der Kletterhalle. «Ich gehe dafür nicht ins Fitness.»

Auch wenn es ein Minimum an körperlicher Fitness gibt, die man als Voraussetzung mitbringen muss, sei der Verein offen für Anfänger sowie Fortgeschrittene. «Das ist das Schöne. Hier wird man gefördert, ohne dass man zu sehr unter Erfolgsdruck gerät», sagt Isabelle Haury, eine weitere Kletterin. Sie geht ebenfalls mehrmals in der Woche in die Kletterhalle. Seit sie in der Gruppe dabei ist, habe sie keine Ausrede mehr, daheimzubleiben. Ein Kletterpartner oder eine Kletterpartnerin sei ja immer vorhanden.