Zwänzgerle
Niederdorfer Osterbrauch: Wer trifft, bekommt Ei und Geld

Neben dem Eiertütschen, der Osternest- oder Schoggihasen-Suche gibt es noch andere Osterriten – das Zürcher Niederdorf hat seinen ganz eigenen Brauch. Mittlerweile ist er auch in andere Stadtquartiere vorgedrungen.

Lina Giusto
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Aufnahme aus dem Jahr 1972: Das Zwänzgerle findet seit über 50 Jahren am Ostermontag bei den Arkaden am Limmatquai in Zürich statt.

Aufnahme aus dem Jahr 1972: Das Zwänzgerle findet seit über 50 Jahren am Ostermontag bei den Arkaden am Limmatquai in Zürich statt.

Keystone

Das Zürcher Niederdorf hat an Ostern seinen ganz eigenen Brauch: das Zwänzgerle oder auch «drirüere». Für den Laien ist das alternative Eiertütschen hier erklärt.

Am Ostermontag versammeln sich Kinder und Erwachsene am Rüdenplatz oder Unter den Bögen beim Rathaus, rechts von der Limmat im Zürcher Niederdorf. Die Kinder – ausgerüstet mit gekochten Ostereiern – halten den Erwachsenen dieses hin. Diese wiederum versuchen ein Zwänzgi auf das Ei zu werfen, und zwar so, dass es darin stecken bleibt. Daher stammt auch der Zweitname des Brauches der auf Hochdeutsch für «reinwerfen» steht. Gelingt es, dass das Zwänzgi stecken bleibt, gehört Ei und Geld dem Werfer. Prallt das Geldstück jedoch am Ei ab oder geht beim Wurf gar daneben – was wohl am häufigsten der Fall sein wird – gehört das Geldstück dem Kind. Man munkelt, der Brauch sei erfunden worden, damit die Kinder ihr Taschengeld aufbessern können.

Steckt das Zwänzgi drin, bekommt der Werfer Geld und Ei.

Steckt das Zwänzgi drin, bekommt der Werfer Geld und Ei.

Keystone

Niederdorf-Brauch weitet sich aus

Wiederbelebt hat diesen Brauch der Quartierverein 1 rechts der Limmat in den 60er-Jahren. Der Brauch aber wurzelt im 18. Jahrhundert und hat laut «Alt-Züri»-Blog tatsächlich seinen Ursprung im Niederdorf. Während des Zweiten Weltkrieges jedoch hat man aus Rationierungsgründen auf die «Essensverschwendung» verzichtet. Heute ist er wieder ein beliebter Anlass wie Peter Rothenhäusler, Präsident des Quartiervereins 1 rechts der Limmat sagt: «Die Besucher geben sich bei den mitgebrachten Eiern auch sichtlich viel Mühe. Das ist schön zu sehen.»

Nachdem der Brauch vor über 50 Jahren wieder aufgenommen wurde, ist er auch in andere Stadtquartiere vorgedrungen. So ist Nachzulesen, dass seit den 70er-Jahren auch im Industriequartier an der Limmat das Zwänzgerle praktiziert wird. Seit etwa 1981 soll es ein ebensolches Zusammenkommen auf dem Marktplatz in Oerlikon geben.

Der zum Brauch passende Ostereiermarkt findet seit 1975 bei den Rathaus-Bögen statt. Spontane Teilnehmer können sich also dort mit gekochten Ostereiern ausrüsten. Das Zwänzgerle soll den Angaben des «Alt-Züri»-Blogs aber mittlerweile auch in anderen Zürcher Gemeinden, wie Erlenbach praktiziert werden.

Das Zwänzgerle findet am Ostermontag von 10 bis 12 Uhr auf dem Rüdenplatz in Zürich statt.

Regionale Osterbräuche

Das Eierfärben und anschliessende Tütschen, das Schmücken des Osterstrauchs und der Oster-Brunch sind schweizweit verbreitete Bräuche. Es gibt aber auch regionale Besonderheiten.

Clefele in Schwyz (SZ): Schulkinder klappern zu Ostern mit kleinen Brettchen, die mit Fingerkerben versehen sind.

Osterprozession in Mendrisio (TI): Bei dieser Prozession wird der Gang Christi nach Golgatha dargestellt, wobei rund 200 Personen die Römer und Juden darstellen, die bei der Kreuzigung Christi eine Rolle gespielt haben. Dieser Brauch stammt aus dem Jahr 1600.

Pleureuses von Romont (FR): Dieser Brauch stammt aus dem 15. Jahrhundert. Wenn die Lesung der Passionsgeschichte bei der Trauer um Jesus angelangt, setzt ein Zug von schwarz verhüllten Frauen in Bewegung, die auf roten Kissen die Marterwerkzeuge Dornenkrone, Geissel, Nägel, Hammer, Zange tragen. Voran schreiten die Jungfrau Maria und der Büsser mit einem Kreuz.

Surrexit-Singen in Estavayer-le-Lac (FR): Um Mitternacht verkünden Männer mit Blechblasinstrumenten die Osterbotschaft musikalisch. Zuerst spielen sie vor der Kirche, dann auf dem Friedhof und anschliessend im ganzen Dorf.

Brunnenschmücken in Nyon (VD): Der blumige Brauch ist etwa 30 Jahre alt. Die heutigen Organisatoren wissen jedoch nicht, woher dieser stammt.

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