Freizeit
Neues Nutzungskonzept: Sex im Freien auf Zürcher Werdinsel nicht mehr erwünscht

Naturschützer, Hündeler und Quartiervereine haben sich mit Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) nach zähem Ringen auf ein Nutzungskonzept für den beliebten Naherholungsraum geeinigt. Die wichtigsten Punkte betreffen die Badivergrösserung, den Nacktbereich sowie die Leinenpflicht.

Thomas Schraner
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FKK ist auf der Werdinsel weiterhin erlaubt. Neben dem gemischten Bereich soll es in Zukunft eine explizite Nacktbade-Zone geben. (Archivbild)

FKK ist auf der Werdinsel weiterhin erlaubt. Neben dem gemischten Bereich soll es in Zukunft eine explizite Nacktbade-Zone geben. (Archivbild)

Alex Rudolf

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, scheint die halbe Stadt auf die kleine Werdinsel an der Limmat zu drängen. Schon auf den Zufahrtswegen kommen sich Velofahrer, Autofahrer, Hündeler und Mütter mit Kindern regelmässig in die Quere. Es gab schon Prügeleien. Auf der Insel selbst herrscht in der Badesaison Platznot. Tagsüber bilden sich vor den Ein- und Ausstiegen zur Flussbadi Kolonnen.

Auf der Inselspitze flussabwärts haben Nacktbadende schon seit vielen Jahren ihr angestammtes Revier. Mit ihnen hatten die Anwohner nie Probleme. Für Unruhe sorgten in den letzten Jahren aber Leute, die im Gebüsch Freiluft-Sex praktizierten. Nach grossen Schlagzeilen hat sich diese Szene beruhigt. Weil die Stadtbevölkerung wächst und die Werdinsel immer beliebter geworden ist, haben die andern Nutzungskonflikte zugenommen.

Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) hat deshalb schon vor Jahren einen runden Tisch mit den wichtigsten Nutzergruppen ins Leben gerufen. Ziel war es, sich auf ein Nutzungskonzept zu einigen. Dieses liegt nun endlich vor. «Es war unglaublich schwierig, zu einem Kompromiss zu kommen», sagte Leutenegger an der gestrigen Präsentation. «Oft habe ich nicht mehr ans Gelingen geglaubt.»

Die drei wichtigsten Punkte:

Badivergrösserung: Die Badistrecke am Limmatkanal wird um rund 50 Meter verlängert. Die engen Platzverhältnisse seien zum Sicherheitsproblem geworden, sagte Leutenegger. So bildeten sich im Fluss vor dem Ausstieg Warteschlangen von Schwimmenden. Die Verlängerung schafft nun mehr Platz im Wasser und am Ufer. Für das Vorhaben, das laut Leutenegger rund zwei Millionen Franken kosten dürfte, müssen rund 50 kleinere und grössere Bäume gefällt werden. Das Badepersonal müsse jederzeit freie Sicht auf den Fluss und von überall her Zutritt haben – wegen den Notfällen. Leutenegger stellte für die gefällten Bäume einheimische Ersatzbepflanzung in Aussicht.

Hündeler: Weil der Fischerweg und die Werdinsel auch bei Hündelern sehr beliebt sind, häuften sich die Konflikten mit Badegästen. Vor allem Kinder und Eltern fühlten sich von den frei laufenden Hunden bedroht. Neu gilt deshalb eine Hunde-Leinenpflicht zwischen April und September auf der Insel. Auf dem Fischerweg (linkes Limmatufer) ist die Leinenpflicht ganzjährig. Sie gilt aber nicht für Uferböschung zwischen Fischerweg und Limmat. Dort dürfen sich die Hunde frei bewegen, ausgenommen in einem besonders wertvollen Naturschutzteil. Leutenegger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich im benachbarten Auenwald und auf der Werdinsel wild lebende Tiere aufhalten, die durch nicht angeleinte Hunde gestört werden.

Nacktbereich: Nudisten nehmen den Inselspitz schon seit Jahrzehnten in Anspruch. Seit 2015 ist der zulässige Bereich entsprechend ausgeschildert. Dort darf man nackt sein, muss aber nicht. Um die «Spannerproblematik» (Gaffer in Badhosen) zu entschärfen soll laut Leutenegger der Nacktbereich von April bis September mit FKK signalisiert werden. Nackte sollen also unter sich sein können. Unerwünscht ist ein anderes Phänomen, das ebenfalls auf dem Inselspitz, im Bereich eines Wäldchens, mehrfach Anstoss erregte: kopulierende Paare. Leutenegger wies darauf hin, dass Sex in der Öffentlichkeit verboten ist. Wer sich belästigt fühlt, kann Anzeige erstatten. Um die Hemmschwelle zu erhöhen, sollen nun die Uferbepflanzung und das Wäldchen beim Kanal bis auf eine Höhe von 2 Metern ausgelichtet werden, sodass der ganze Bereich vom Weg her einsehbar wird.

 Genau geregelt ist, wo man ohne Badehose baden darf.

Genau geregelt ist, wo man ohne Badehose baden darf.

zvg/Stadt Zürich

Zum Nutzungskonzept gehört auch eine Verkleinerung des Gartenareals auf der Insel, sodass Badende mehr Platz erhalten. Vorgesehen sind zudem zusätzliche Veloständer in der Hochsaison. Verbessert werden soll ausserdem die Signalisation der kostenpflichtigen Parkplätze. Die Umsetzung all der Massnahmen beginnt laut Leutenegger nächstes Jahr. Teilweise müssten aber noch rechtliche Fristen abgewartet werden. Der Kredit für die Badiverlängerung muss vor den Gemeinderat, sofern er die Grenze von 2 Millionen Franken übersteigt. Der genaue Betrag ist noch nicht bekannt.

Beteiligte sind im Boot

Benjamin Kämpfen, Vertreter des Natur- und Vogelschutzes, äusserste sich nach der Präsentation zufrieden: «Es ist ein guter Kompromiss, sofern er denn umgesetzt wird.» Mühe mache ihm aber die Verlängerung der Badi, weil dafür Bäume weichen müssen. Zudem drohe die Gefahr, dass die vergrösserte Badi noch mehr Leute anlocke. Der Natur- und Vogelschutz habe sich sehr kompromissbereit gezeigt, sagte Kämpfen, was Leutenegger bestätigte. Die Vertreter der Quartiervereine Höngg und Grünau, Alexander Jäger und Dalibor Malina, lobten den Kompromiss ebenfalls.

Jäger macht sich aber Sorgen wegen der grösseren Badi. Mehr Suchverkehr und noch mehr falsch parkierte Autos könnten die Folge sein. Positiv wertet er, dass der traditionelle Nacktbadebereich weiter bestehen kann. Der Präsident der Hundepartei, Walter Ogi, bekannte sich als einziger nur widerwillig zum Kompromiss. Er beklagte sich über die angebliche Kriminalisierung der Hündeler.

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