Der Kantonsrat hat Sie ins Dreiergremium der ZKB-Bankpräsidenten gewählt, obwohl Sie erst ein Jahr im nebenamtlichen Bankrat sitzen. FDP-Fraktionschefin Beatrix Frey-Eigenmann zweifelt an Ihrer Qualifikation, wobei sie sich auf einen Einwand der Finanzmarktaufsicht (Finma) stützt. Was entgegnen Sie?

Roger Liebi: Ich kann den Vorwurf der FDP-Fraktionschefin nicht nachvollziehen. Die Finma verlangt in ihrem Schreiben zwar Erfahrung in einem grösseren Verwaltungsrat, sagt aber nicht, wie lange jemand solche Erfahrungen gemacht haben soll. Ich arbeite seit einem Jahr im Bankrat und bringe strategische Erfahrungen von verschiedenen Banken und auf verschiedenen Ebenen mit.

Wie interpretieren Sie es, dass der Kantonsrat FDP-Bankratspräsident Jörg Müller-Ganz am wenigsten Stimmen gab?

Die FDP-Fraktionschefin hat ein klassisches Eigentor geschossen. So jedenfalls lauten die Rückmeldungen, die ich erhalten habe. Ich persönlich halte das Vorgehen von Frau Frey-Eigenmann für nicht so geschickt. Ich selber bin zufrieden mit meinem zweitbesten Resultat. Allerdings spielt es keine Rolle, ob jemand 135 oder 170 Stimmen macht. Wichtig ist, dass man gute Arbeit für das Unternehmen leistet.

Was bringen Sie ein?

Da ich seit 30 Jahren im Banking tätig bin, kenne ich alle Bereiche. Ich weiss, wie es ist am Schalter zu stehen oder für internationale Privatkunden zuständig zu sein. Die letzten drei Jahre war ich selbstständiger Headhunter für hohe Kaderleute. Hier bringe ich Erfahrungen mit, die wichtig sind auch für die ZKB, da es immer wieder Geschäftsleitungsfunktionen zu besetzen gilt.

Was passiert jetzt mit Ihrer EinMann-Firma?

Ich gebe sie auf.

Die ZKB ist eine Parlamentsbank. Und dieses Parlament hat kürzlich den Klimanotstand ausgerufen. Sie gehören der SVP an, deren Spitze den Klimawandel kleinredet. Welche Haltung vertreten Sie persönlich?

Dass es den Klimawandel gibt, ist klar. Klimaveränderungen gab es aber schon immer. Entscheidend ist, wie man darauf reagiert. Die Reaktionen sollten nicht überschiessen. So wie es die ZKB macht, finde ich es gut. Sie gewährt zum Beispiel Umweltdarlehen – eine gute Sache.

SVP-Nationalrat Roger Köppel bringt den CO2-Ausstoss der Schweiz mit der hohen Zuwanderung in Verbindung. Und Sie?

Hier habe ich keine Differenz mit Nationalrat Köppel. Wenn immer mehr Leute kommen, steigt logischerweise auch der CO2-Ausstoss der Schweiz. Aber das hat doch nichts mit meinem ZKB-Amt zu tun.

Doch, Sie werden kaum derjenige sein, der ökologische Anliegen einbringt.

Warum nicht, wenn es gilt, Unternehmen zu unterstützen, die ökologisch produzieren und gut wirtschaften.

Als Bankpräsident sind Sie nun Grossverdiener mit einem Jahresgehalt von rund 340 000 Franken. Als SVP-Parteipräsident und Sympathisant des Bundes für Steuerzahler kürzten Sie dem Zürcher Stadtrat einst den Lohn auf 220 000 Franken und zogen gegen hohe Abgangsentschädigungen zu Felde. Das passt schlecht zusammen.

Ich persönlich kämpfte damals nicht gegen hohe Löhne, sondern gegen hohe Abgangsentschädigungen. Und das würde ich auch heute noch so machen.

Zurzeit laufen die Diskussionen über den Rahmenvertrag mit der EU heiss. Ihre Partei bekämpft ihn und behauptet, er gefährde die Staatsgarantie der ZKB. Was sagen Sie als Bankpräsident?

Ob der Rahmenvertrag eine Gefahr für die Staatsgarantie ist, kann ich nicht sagen. Aber ich kann sagen, dass die ZKB auch ohne Staatsgarantie auskommen könnte. Sie hätte dann von den Ratingagenturen vielleicht nicht mehr ein Triple A, aber immer noch ein AA plus. Was auch immer herauskommt beim Rahmenvertrag, unser Unternehmen muss mit dem etwas machen, was ist. Das Rahmenabkommen hat Vor- und Nachteile.

Sie halten sich auffällig zurück in ihren Einschätzungen. Dabei waren Sie als Politiker, etwa als Stadtparteipräsident der SVP, bekannt für scharfe Voten. Wie schwer fällt es Ihnen, die Rolle des Politikers abzulegen?

Nicht schwer, denn jetzt bin ich nicht mehr Politiker, sondern für die ZKB mitverantwortlich. Ich werde mich aber auch hier politisch einbringen, indem ich etwa bei der Finma und anderswo um Verständnis dafür werbe, dass die ZKB eine Parlamentsbank ist und diese so strukturiert ist, wie sie es nun mal ist: Mit einem Dreierpräsidium an der Spitze, das die drei grossen Parteien repräsentiert.