An den Ufern des Greifensees standen vor wenigen Tagen während kurzer Zeit Bauvisiere und ein Plakat, das für eine moderne Wohnüberbauung in einer Schutzzone warb. Die Bevölkerung geriet in Aufruhr.

Damit habe man eigentlich das Ziel der Aktion erreicht, sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP) am Freitag vor den Medien. "Der Natur- und Landschaftsschutz soll Aufmerksamkeit erhalten." Aber natürlich bedaure er, dass einige Leute schlaflose Nächte hatten. Dies habe man keineswegs beabsichtigt.

Weitere Plakate folgen

Mittlerweile ist dieses Plakat weg. Allerdings werden noch andere aufgestellt. Während drei Wochen im Mai markieren auffällige rote Banner mit 5 Sternen 75 der rund 1000 Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Kanton Zürich. Sie sollen der Bevölkerung den Wert dieser Gebiete aufzeigen und sie bewusst wahrnehmen lassen.

Auf der Jubiläums-Website www.5SterneNatur.zh.ch finden Interessierte eine interaktive Karte mit kurzen, unterhaltsamen Geschichten über Tiere und Pflanzen, die in diesen Gebieten zuhause sind.

Informationen zur Geschichte der Fachstellen und Hinweise auf Veranstaltungen, die zum Entdecken der Natur im Kanton einladen, komplettieren die Seite. Abschluss der Jubiläumswochen bildet die Show des Lichtkünstlers Gerry Hofstetter. Am 17. Mai um 21.30 Uhr wird er die Schönheiten der Natur an der Fassade des Schlosses Greifensee in Szene setzen.

Blick in die Geschichte: Zürcher Pionierarbeit

Im Jahr 1941 leistete die Zürcher Regierung Pionierarbeit: Mitten im Zweiten Weltkrieg und unter den Bedingungen der "Anbauschlacht" stellte sie die Ufer des Greifensees unter Schutz. Damit war das Instrument der Schutzverordnung aus der Taufe gehoben und der Greifensee zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt worden. Wenig später, am 1. Dezember 1942, engagierte der Kanton seinen ersten Beauftragten für den Natur- und Landschaftsschutz.

Die beiden Fachstellen haben in den letzten 75 Jahren einiges erreicht, und das soll erhalten bleiben. "Den rund 1000 kleineren und grösseren geschützten Gebieten gilt es auch künftig Sorge zu tragen, denn sie stehen weiterhin unter Druck", sagte Ursina Wiedmer, Leiterin der Fachstelle Naturschutz, vor den Medien.

Qualitäten bestehender Zonen steigern

Die Gründe dafür seien unter anderem, dass die Siedlungsflächen sich weiter ausdehnten und Infrastrukturbauten mehr Platz beanspruchten. Eine intakte Natur sei aber auch für die Bevölkerung von zentraler Bedeutung.

Laut Kägi geht es beim Natur- und Landschaftsschutz nicht darum, den ganzen Kanton in eine Naturschutzzone zu verwandeln, sondern die Qualitäten der bestehenden Zone zu steigern. Dafür stellt der Kanton jährlich um die 20 Millionen Franken zur Verfügung, eine recht "überschaubare Summe", wie Kägi sagte. Trotzdem erwachse dem Budgetposten immer wieder grosser Widerstand im Parlament.