Schlieren

Nach Lärmbeschwerden der Nachbarschaft: Stadt will einen verträglichen Mix für die «Pischte 52» finden

Walter Sommerhalder und Ursula Bähr wandten sich mit einem Brief an die Stadt.

Walter Sommerhalder und Ursula Bähr wandten sich mit einem Brief an die Stadt.

Die Stadt Schlieren will das Thema Lärm mit den Anwohnern der stillgelegten Badenerstrasse in regelmässigen Gesprächsrunden angehen. Die Betroffenen bleiben skeptisch.

Auf der Brache der Badenerstrasse im Schlieremer Zentrum soll keine Partymeile entstehen. Das betont der Stadtrat in seiner Antwort an die rund 40 Anwohnerinnen und Anwohner der Badenerstrasse 3 und 5 sowie der Brunngasse 8. Diese hatten Ende Oktober einen Beschwerdebrief samt Unterschriften beim Stadtrat eingereicht, in dem sie das Vorgehen der Stadt und des Kümmerers der «Pischte 52», Daniel Dormann, bemängelten.

Die Anwohner stören sich am übermässigen Lärm, der von den diversen Veranstaltungen auf der stillgelegten Strasse ausgeht und daran, dass sich die Stadt dafür nicht verantwortlich fühlt. Sie verlangen, dass der Stadtrat Rücksicht auf sie nimmt und ab sofort für die Einhaltung der rechtlichen Ordnung sorgt.

Anliegen unabhängig von Anlässen äussern

In einem Schreiben an die Anwohner vom 17. November, das dieser Zeitung vorliegt, geht der Stadtrat auf die Kritik ein. «Wir können Ihnen versichern, dass wir der Lärmthematik und der damit verbundenen Kommunikation weiterhin hohe Beachtung schenken werden», schreibt er. Man habe entschieden, dass regelmässige Gesprächsrunden mit den Anwohnern stattfinden würden, um so vermehrt das Gespräch zu suchen, damit Anliegen auch unabhängig von konkreten Anlässen auf der «Pischte 52» angebracht werden könnten.

Rund 8500 Quadratmeter gross ist die Brache, die 2019 einen grossen Teil des Schlierefäschts beherbergte. Weil der Strassenverlauf im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn verlegt wurde, wird dieser Abschnitt für den Verkehr nicht mehr gebraucht. Um herauszufinden, wie das Gebiet künftig genutzt werden kann, hat die Stadt im Frühsommer ein Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung gestartet.

Abgeleitet vom Aussehen des Strassenstücks und der Postleitzahl der Stadt heisst das Projekt «Pischte 52». Die Einwohnerinnen und Einwohner können dafür Projektideen einreichen. Bisher wurden schon einige Ideen realisiert. So wurde die «Pischte 52» beispielsweise im Sommer in einen Sandstrand – inklusive Pools, Open-Air-Kino und Food-Festival – verwandelt oder wurde im September zum Austragungsort des Herbstmarkts.

Der Stadtrat betont in der Antwort, dass er an diesem Vorhaben festhalten will. Der dreijährige Versuchsbetrieb auf der «Pischte 52» müsse seinen Zweck erfüllen können. «Verschiedenste Veranstaltungen, Projekte und Events sollen ausprobiert werden können, um für die zukünftige Nutzung der Grünen Mitte einen geeigneten und verträglichen Mix zu finden», heisst es. Damit sei ein für alle Schlieremerinnen und Schlieremer attraktiver Stadtpark gemeint, der aktiv genutzt werde und Identität stifte.

Der Kritik der Anwohner, dass es teilweise gar keine Bewilligung für die Anlässe gebe und dass weder die Polizei noch sie über Veranstaltungen informiert würden, begegnet der Stadtrat so: «Es ist richtig, dass kleinere einmalige Events ohne Bewilligung durchgeführt werden dürfen. Für grössere, allenfalls kritische Anlässe liegen jedoch immer Bewilligungen vor.» Ihm Rahmen der Beratung und Vorbereitung würden die Veranstalter konsequent auf die Einhaltung der Vorgaben bezüglich Abfall und Lärmbelastung aufmerksam gemacht. Zudem würden die unmittelbar angrenzenden Liegenschaften im Rahmen der Möglichkeiten frühzeitig mittels Flyer über Anlässe informiert. Wenn Lärmüberschreitungen erfolgten, liege das in der Verantwortung der Veranstalter, schreibt der Stadtrat.

«Wir hoffen, dass das nicht nur eine Alibiübung ist»

Die Anwohner zeigen sich enttäuscht über die Antwort. «Laut Stadtrat ist bisher alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Doch dann hätten wir uns bestimmt nicht beschwert», sagt Walter Sommerhalder im Namen der Nachbarschaft. Die Hinweise zur Lärmbelastung und die Erteilung von Bewilligungen nützten nichts, wenn sich die Veranstalter nicht daran halten würden. Es sei nicht nur an der Polizei, sondern auch an der Stadt, für die Befolgung der Regeln zu sorgen.

Sommerhalder und seine Nachbarn begrüssen die Idee des Stadtrats, Gesprächsrunden durchzuführen. «Wir hoffen, dass das nicht nur eine Alibiübung ist», sagt er. Die Nerven der Anwohner seien nämlich am Anschlag. «Eine dreijährige Chilbi neben der Haustüre wünscht sich niemand.»

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