Nein, als städtische Visitenkarte taugt die Promenade am General-Guisan-Quai derzeit nicht. Die Aussicht auf See und Berge ist zwar immer noch grandios, aber der Ort ist eine einzige graubraune Grossbaustelle: auf der einen Seite der Strasse der Totalumbau des Kongresshauses, flankiert von der riesigen Baugrube eines neuen Bürogebäudes. Auf der andern Seite der Strasse befindet sich die seit letztem Herbst abgeholzte Uferpromenade, wo ebenfalls Erdhaufen, Gräben, Baumaschinen und Gitter das Bild prägen.

Bäume aus dem Aargau

Immerhin tut sich hier etwas. Grün Stadt Zürich hat wie angekündigt mit der Wiederaufforstung der Promenade begonnen. Derzeit karren Lastwagen junge Rosskastanien und sogenannte «kolchische» Ahorne aus einer Zucht im Aargau heran. Die 50 neuen Bäume werden nun nach und nach an den vorbereiteten Stellen eingepflanzt.

Wenn alles fertig ist, sind vier Baumreihen zu sehen, wie Axel Fischer von Grün Stadt Zürich gestern vor Ort erklärte: Je eine Reihe Rosskastanien säumen das Seeufer und die Strasse. In den beiden Reihen dazwischen stehen die Ahorne. Die Wahl dieser Sorte begründete Fischer mit der Historie: Solche Ahorne gab es schon früher im angrenzenden Arboretum.

In Gitterrosten

Die bereits gepflanzten Bäumchen stehen noch etwas fragil in der Mitte von grossen Gitterrosten. Sie sollen verhindern, dass die Erde um die Bäume zu stark zusammengepresst wird. Das passiert dann, wenn Fahrzeuge darauf abgestellt werden, was bei den vielen örtlichen Veranstaltungen oft vorkommt. Gepresste Erde schwächt die Wurzeln und macht die Bäume anfällig für Krankheiten.

Die Jungbäume sind in eine Spezialerde eingepflanzt – sogenanntes Baumsubstrat. Die vorhandene Erde im Uferbereich ist von minderer Qualität. Es handelt sich um eine Aufschüttung, bestehend zum einen aus Material vom Gotthard, das im 19. Jahrhundert hierher gebracht wurde. Zum anderen deponierte auch die Stadt Zürich hier ihr Abbruchmaterial. «Heute würde man von Sonderabfall sprechen», sagte Fischer.

Korbförmige Krone züchten

Damit die neuen Bäume ein schönes Gesamtbild abgeben, reicht es nicht, sie aufzustellen. Nötig sei auch eine «Baumerziehung», sagte Fischer. Gemeint ist damit ein «Erziehungsschnitt», der im Juni stattfinden soll. Das Zuschneiden der Triebe hat den Zweck, den Jungbäumen eine korbförmige Krone zu verpassen.

Bis die Bäume Schatten spenden wie ihre alten Vorgänger, vergehen laut Fischer noch mindestens fünf Jahre. Vorerst benötigen sie sogar selber einen Sonnenschutz. Diesen erhalten sie in Form von weisser Farbe, die auf ihre Stämme gepinselt wird. Sie soll wie Sonnencreme das Licht reflektieren. «Denn auch Bäume können einen Sonnenbrand bekommen», führte ein Baumfachmann aus. Sämtliche Stadtbäume – nicht nur in Zürich – bräuchten einen Sonnenschutz. Denn anders als ihre Artgenossen im Wald stünden sie nicht im Schatten, sondern meist in der prallen Sonne. Statt weiss leuchten die Stämme aber noch gelb. Es handelt sich um die Grundierung für die nachfolgende weisse Farbe.

Auslöser des Kahlschlags an der Uferpromenade war ein umgestürzter Trompetenbaum im März 2017. Die Stadt liess in der Folge die Bäume untersuchen und testete ihre Standfestigkeit. Die Untersuchung ergab die Diagnose Pilzbefall. Aus Sicherheitsgründen liess die Stadt alle Bäume fällen. Sie waren rund 100 Jahre alt. Ein so hohes Alter erhofft sich Fischer auch für den Nachwuchs.