Bergdietikon
Motorrad-Klau à la Hollywood: Schulden lösten Töff-Streit aus

Der Hintergrund der mysteriösen Aktion, bei der am Samstag auf dem Bergdietiker Herrenberg mehrere Männer ein Weltrekord-Motorrad entwendeten ist geklärt. Jetzt spricht der Mann, der die mysteriöse Motorrad-Aktion organisiert hat.

Bettina Hamilton-Irvine
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Offensichtlich ging es dabei um Geld, das der Besitzer der 200000 Franken teuren Hochgeschwindigkeitsmaschine einer Motorradwerkstatt schuldete. Der Inhaber der Werkstatt wollte mit der spektakulären Aktion Druck machen, um an sein Geld zu gelangen. Unterdessen haben sich die beiden Parteien jedoch geeinigt und das Motorrad ist wieder in den Händen seines Besitzers.

Filmreife Szene

Zuvor hatten sich die Umstände der Geschichte ziemlich rätselhaft präsentiert. So staunten die Gäste auf dem Herrenberg am Samstagnachmittag nicht schlecht, als ihnen plötzlich eine Szene wie aus dem Film geboten wurde.

Sie waren gekommen, um das «Naked Bullet»-Motorrad zu bestaunen, mit dem der Klotener Hochgeschwindigkeitsfahrer Markus Saegesser auf den Salzseen von Bonneville im US-Bundesstaat Utah schon mehrere Weltrekorde aufgestellt hatte. Plötzlich fuhr ein weisser Transporter auf dem Parkplatz des Gasthauses Herrenberg vor, zehn muskulöse Männer in schwarzen Gilets luden den Töff vor den Augen der verdutzten Gäste in den Wagen und fuhren davon.

Wie sich jetzt herausgestellt hat, ging es dabei um Geldforderungen im fünfstelligen Bereich, die der Erbauer des Motorrades gestellt hatte: Remo Bernasconi, Inhaber der Firma CCCP oder Coni’s Custom Chopper Project.

Der Mann, der die Blitzaktion auf dem Herrenberg organisiert hat, sagte gestern gegenüber der az Limmattaler Zeitung, er habe den Töff in seiner Werkstatt im luzernischen Malters von Grund auf neu gebaut und dafür insgesamt Kosten von etwa 85000 Franken gehabt. Es sei abgemacht gewesen, dass ein Grossteil davon als Sponsoring verbucht werde. Jedoch hätte Saegesser 16000 Franken übernehmen sollen – was er nicht getan habe: «Er wollte mich mit 3000 Franken abspeisen», sagt Bernasconi. Da habe er beschlossen, den Töff zu holen, damit Bewegung in die Sache käme.

Saegesser stellt die Geschichte anders dar: Es sei abgemacht gewesen, dass die Arbeit kostenlos gemacht werde und er nur für Ersatzteile aufkommen müsse. Von so einem hohen Betrag sei nie die Rede gewesen und die Firma CCCP habe auch nie über ihre Ausgaben informiert. Als dann im Dezember 2011 Rechnung gestellt worden sei, habe er Bernasconi ausrichten lassen, er müsse den Rechtsweg einschlagen.

«Dafür kann ich ruhig schlafen»

Am Samstagabend um 23 Uhr haben sich die beiden Männer dann auf dem Posten der Aargauer Kantonspolizei in Baden darauf geeinigt, dass Saegesser Bernasconi 10000 Franken bezahlt und dafür das Motorrad wieder bekommt, wie beide bestätigen. Er habe das Geld bereits überwiesen, sagte Saegesser gestern. Damit könne er leben: «Es kostet mich zwar eine Stange Geld, dafür kann ich ruhig schlafen.» Auf eine Strafanzeige hat Saegesser verzichtet. Auch Bernasconi akzeptiert die Situation, wenn er auch bedauert, einige Tausend Franken abschreiben zu müssen. Doch er ist überzeugt: «Ohne die Aktion hätte ich das Geld nie mehr gesehen.»

Bernasconi betont ausserdem, es seien dabei keine Wildwest-Methoden angewendet worden: «Niemand wurde bedroht. Es ging vielmehr darum, sicherzustellen, dass niemandem etwas geschieht.» Zudem habe er nie vorgehabt, den Töff zu behalten – und da Teile davon theoretisch noch ihm gehörten, könne die Aktion auch nicht als Diebstahl gelten.

Kein Handlungsbedarf für Polizei

Die von Saegesser alarmierte Polizei sah dies offenbar anders. «In Littau, einem Dorf vor Malters, warteten sie mit Nagelbrettern und Maschinengewehren auf mich», erzählt Bernasconi. Da er jedoch mit der Polizei gerechnet habe, habe er Unterlagen auf sich getragen, die seine finanziellen Forderungen belegten.

Nach der Einigung der beiden Männer wird die Kantonspolizei Aargau die Sache nicht weiter verfolgen, wie Sprecher Roland Pfister gestern sagte. Der Vorfall sei kein Diebstahl, sondern eine Sachentziehung. Dabei gelte: Wenn der Geschädigte wie in diesem Fall auf eine Strafanzeige verzichte, gebe es für die Polizei keinen weiteren Handlungsbedarf.

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