Oberengstringen

Mietvertrag läuft aus: Dem Hilfswerk «Haus für Alle» fehlt die Bleibe

Von links nach rechts: die Gründungsmitglieder Marcel Muther, Verena Christen, Maya Aeschbacher und Stefan Bolz.

Von links nach rechts: die Gründungsmitglieder Marcel Muther, Verena Christen, Maya Aeschbacher und Stefan Bolz.

Seit gut zwei Monaten erhalten Menschen im Haus für Alle Zuflucht und Hilfe. Die Unterstützung der Bevölkerung ist gross, die Zukunft jedoch ungewiss.

Es ist ein regnerisch kalter Nachmittag, der die Menschen zu Hause bleiben lässt, es sind nur wenige Leute in Oberengstringen unterwegs. Wer aber, unabhängig der Witterung, nach Gesellschaft oder Hilfe sucht, findet seit gut zwei Monaten im Hilfswerk Haus für Alle sein Refugium. Die Menschen kommen zusammen. An einem Tisch wird gehämmert, poliert und gesägt, an einem anderen sitzen zwei Frauen zusammen bei einem Puzzle. Es sind Personen aus den verschiedensten Kulturen, die gemeinsam ihre Zeit miteinander verbringen.

Seit dem letzten November ist das Haus für Alle, das von einer Gruppe Freiwilliger gegründet wurde, nun offen für die Bevölkerung. «Das Haus für Alle steht jedem Menschen offen, egal ob alt oder jung, Schweizer oder Asylsuchender», sagt Gründungsmitglied Marcel Muther. Geholfen werde allen Personen, die Unterstützung, einen Rat oder Geborgenheit benötigten. «Natürlich kann bei uns auch einfach einen Kaffee trinken, wenn man nicht alleine zu Hause sein möchte, und etwas Gesellschaft braucht.»

Grosszügige Unterstützung aus der Bevölkerung

Dieses Angebot werde bis anhin gut genutzt, sagt Verena Christen, die das Hilfswerk mitaufgebaut hatte. «Wir haben immer Besucher bei uns, viele kommen regelmässig andere wollen zuerst einmal schauen, um was es hier überhaupt geht.» Die Erwartungen würden aber definitiv erfüllt, meint sie weiter. «Es zeigt uns klar, dass es in der Gemeinde Leute gibt, die froh um Unterstützung sind.»

Doch all dies wäre nicht möglich , ohne die grosszügige Hilfe aus der Bevölkerung, sagt Muther. «Wir haben fast die gesamte Einrichtung von der Bevölkerung geschenkt erhalten.» Auch Bücher aus der Bibliothek oder Backwaren einer lokalen Bäckerei würden ihnen regelmässig geschenkt.

Sprachkurse für Asylsuchende

Im Kontakt mit den Besuchern des Haus für Alle würde man die Dankbarkeit spüren, sagt Muther. «Man merkt, wie froh die Leute manchmal sind, wenn sie wissen, dass jemand hier ist, der ihnen hilft.» Untereinander habe sich so ein sehr herzlicher, fast schon familiärer Umgang etabliert. Man helfe sich gegenseitig, spiele oder spreche auch zusammen. «Viele Menschen wollen einfach Ablenkung und jemanden dem sie vertrauen und mit dem sie gemeinsam Probleme lösen können.»

Gelöst werden im Haus für Alle auch sprachliche Schwierigkeiten. Mit einer eigenen Deutschlehrerin versucht das Hilfswerk, den Asylsuchenden der Gemeinde die deutsche Sprache zu lehren. «Anstatt dass Asylsuchende einfach in ihren Unterkünften sitzen und nichts zu tun haben, können sie sich bei uns handwerklich betätigen und auch unsere Sprache lernen, was zentral für die Integration ist», sagt Mitgründer Stefan Bolz. Flüchtlinge können sich daher in kleinen Klassen zusammen mit einer ehemaligen Lehrerin, die wichtiges Basiswissen in der Sprache aneignen, das auch die Verständigung untereinander im Haus für Alle erleichtern soll.

Doch all dies könnte schon bald vor dem Aus stehen. Der aktuelle Mietvertrag für die Liegenschaft im ehemaligen Kindergarten Risi läuft Ende März aus. Sie wird abgerissen, das Haus für Alle muss einen neuen Standort suchen. «Wir versuchen, so schnell wie möglich etwas Neues zu finden», so Muther. Man habe diesbezüglich auch bereits mit der Gemeinde gesprochen, von der sich das Hilfswerk Unterstützung erhofft, da man sich mit den bescheidenen finanziellen Mitteln nicht in der Lage sehe, selber eine Räumlichkeit zu mieten. «Wir brauchen dringend eine neue Räumlichkeit, davon hängt alles ab. Finden wir keinen neuen Standort, scheitert das Projekt.»

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