Die 36 Sitze im Schlieremer Parlament sind begehrt – für die anstehenden Wahlen vom 4. März stellen sich 107 Kandidaten zur Verfügung. Dies ist eine gute Nachricht, zeigt sie doch, dass sich wieder mehr Menschen für ein öffentliches Amt begeistern lassen. Zuletzt vor vier Jahren bewarben sich lediglich 91 Kandidatinnen und Kandidaten für einen Sitz in der städtischen Legislative. So liessen sich heuer 16 Prozent mehr Personen rekrutieren als noch 2014.

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Auch stellen sich mehr Frauen zur Verfügung: Machten sie vor vier Jahren noch 36 Prozent (33 Kandidatinnen) aller Wahllisten aus, sind heute gut 38 (41 Kandidatinnen) Prozent weiblich. Ein Blick auf die kürzlich veröffentlichten Wahllisten zeigt: Nicht bei allen Parteien ist der Zulauf gleich stark und der Anteil Frauen gleich hoch.

Erhöhung des Frauenanteils

Besonders ins Auge sticht die SVP, die eine Wahlliste vorlegt, die mutmasslich auf eine Erhöhung des Frauenanteils ausgerichtet ist. Aktuell ist mit Judith Din nur eine der zehn SVP-Mandatsträger weiblich. Auf dem ersten Platz führt sie das Kandidatenfeld an, die unbekannte Manuela Hemmi (neu) folgt auf Platz 3. Hinzu kommt, dass vier der fünf Ersatzplätze mit Frauen besetzt sind. Dies, während drei der wieder antretenden SVP-Gemeinderäte das Pensionsalter in den kommenden vier Jahren erreichen oder bereits erreicht haben. Gut möglich, dass der Frauenanteil in der SVP-Fraktion auf 40 bis 50 Prozent steigt.

Präsident Beat Kilchenmann sagt auf Anfrage, dass man bezüglich Faktoren wie Alter, Bildung und Geschlecht auf eine ausgeglichene Liste geschaut habe. «Dass der Anteil Frauen in der Fraktion in der kommenden Legislatur wohl gesteigert wird, ist durchaus erfreulich und wurde bei der Gestaltung der Liste auch im Hinterkopf behalten.» So hätten sich einige altgediente SVP-Exponenten zurückgenommen, um den jüngeren Mitgliedern eine Chance zu geben, in den Gemeinderat gewählt zu werden. «Hauptsächlich geht es uns jedoch um die Qualifikation und nicht um das Geschlecht. Ziel ist ein Sitzgewinn.» Erfreulich ist aus Sicht der SVP auch die Anzahl Kandidaten. Traten vor vier Jahren noch deren 12 an, sind es dieses Jahr 18.

Anwälte, Juristen, Ökonomen

An der ausschliesslich männlichen FDP-Fraktion wird sich in nächster Zeit wohl wenig ändern. So folgt mit Alessandra Casutt die erste Frau auf dem dritten Ersatzplatz. Zwar mangelt es der FDP an Frauen, dafür trumpft sie mit einer grossen Anzahl von Rechtsanwälten, Juristen und Betriebsökonomen auf. Von den Personen auf den ersten zehn Listenplätzen verfolgen sieben einen dieser drei Berufe. Präsidentin Barbara Angelsberger sagt auf Anfrage, dass sich Akademiker schon seit längerem in ihrer Partei wohlfühlen – nicht nur auf kommunaler Ebene. «Ein Grund könnte die freiheitliche, eigenständige Politik der FDP sein. Dass Studierte nun Spitzenplätze auf unserer Liste belegen, ist reiner Zufall.»

Und bezüglich des tiefen Frauenanteils verweist sie auf die beiden Stadträtinnen, die Kandidatin für das Stadtpräsidium und auf sich selbst als Präsidentin der Ortspartei. «Wir sind weit davon entfernt, unattraktiv für Frauen zu sein.» Ein Gewinn von zwei Sitzen zu den bisherigen sechs sei das Ziel.

SP gewinnt bekannte Gesichter

Mit 20 Kandidaten legen die Sozialdemokraten die längste Gemeinderatsliste vor. Neben den Bisherigen konnte die Parteileitung auch bekannte Gesichter für ihren Wahlkampf gewinnen. Silvia Meier-Jauch, die eine Petition gegen die geplante Swisscom-Antenne im Zelgli-Quartier lancierte, belegt den siebten Platz. Yvonne Brändle-Amolo, Präsidentin der SP Kreisgemeinde und der SP Migranten Kanton Zürich, belegt den elften Platz.

«Hauptziel ist es, weiterhin zwei Stadtratssitze zu haben und mindestens die acht Sitze, die wir heute im Parlament haben, wieder besetzen zu dürfen», sagt Präsident Walter Jucker auf Anfrage. Man sei gut aufgestellt und voller Zuversicht, diese Ziele zu erreichen.

«GLP füllt Vakuum»

Den grössten Zuwachs auf ihrer Liste verzeichnen die Grünliberalen. Bestand die Liste vor vier Jahren noch aus fünf Kandidaten, fährt die Partei dieses Jahr mit 18 Gemeinderatsanwärtern auf – gleich viele wie SVP und FDP. Präsident und Stadtratskandidat Andreas Kriesi erklärt, dass der Zuwachs zwei Hauptfaktoren habe. «Einerseits zogen einige GLP-Mitglieder nach Schlieren und traten der Ortspartei bei. Andererseits konnten wir einige Neuzuzüger für unsere Anliegen gewinnen», sagt er. Es sei aber auch offensichtlich, dass die Partei ein Vakuum fülle, das in der Stadt existierte. Erklärtes Ziel ist es, mindestens einen zusätzlichen zu den bislang zwei Sitzen im Parlament zu ergattern. «Dann hätten wir Fraktionsstärke und somit Zugang zu Kommissionen.»

Ebenfalls auf mehr Kandidaten kann die CVP dieses Jahr zurückgreifen. Wollten vor vier Jahren noch acht Personen in den Gemeinderat, sind es heuer 13. Mit Olivia Boccali (Platz 11) – sie ist Vizepräsidentin der JCVP des Kantons – ist auch eine Kandidatin dabei, die über die Region hinausstrahlt. CVP-Präsident und Stadtrat Stefano Kunz ist zwar erfreut über die Liste, die seine Partei dieses Jahr präsentieren kann. «Tatsache ist aber, dass harte Knochenarbeit dahintersteckt, die sich teils über Jahre hingezogen hat.» So habe er auch zahlreiche Absagen erhalten. «Die wachsende Erkenntnis, dass es zur Findung von tragfähigen Lösungen eine starke Mitte braucht, hat uns sicher auch geholfen.»

Ziel seiner Partei sei es, die Politik der CVP bei den Wählern bekannt zu machen und zu den bisherigen vier einen zusätzlichen Sitz zu erobern. In Anbetracht der Wählerstärke wäre es vermessen, einen zweiten Sitzgewinn anzustreben, so Kunz weiter.

EVP hat kürzeste Liste

Doch nicht bei jeder Partei stehen Kandidaten Schlange. Wies etwa die EVP-Liste vor vier Jahren noch zehn Kandidaten auf, sind es heute nur noch zwei. «Wir sind derzeit in einer Baisse», sagt Parteipräsident und ehemaliger Stadtrat Robert Welti. Mit dem Rückzug von Gemeinderat Werner Jost habe neben Erwin Scherrer ein zweiter Spitzenkandidat gefehlt. «Oder in anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden, war vielen Mitgliedern zu hoch», so Welti.

Kleinbei gebe die EVP jedoch nicht. So trete man selbstbewusst an und hoffe, dass beide Kandidaten gewählt würden. «Die Grünen, die vor vier Jahren nur mit Dominik Ritzmann antraten, der dann wiedergewählt wurde, dienen als Vorbild», so Welti. Zudem sei es womöglich auch ehrlicher, nur mit jenen Kandidaten anzutreten, die auch wirklich wollen und keine sogenannten Listenfüller aufzustellen.

Für Grünen-Präsident Beat Rüst ist das Ziel klar. «Wir wollen mindestens den 2014 verlorenen zweiten Sitz zurückgewinnen», sagt er auf Anfrage. Dazu lege seine Partei eine Liste mit sechs qualifizierten Kandidaten vor – fünf mehr als noch vor vier Jahren.

"Qualität statt Quantität"

Mit weniger Personen hingegen tritt der Quartierverein an. Wollten vor vier Jahren noch 16 Kandidaten für die Partei ins Parlament, sind es dieses Jahr nur noch 12. «Wir haben uns bewusst entschieden, nicht eine volle Liste einzureichen», sagt Präsident Jürg Naumann auf Anfrage. So halte man sich an das Motto «Qualität statt Quantität». Bezüglich der Zielsetzung bleibt er realistisch. «Zwar wäre ein Sitzgewinn von drei auf vier Mandate schön, doch eher unrealistisch», so Naumann.

Ganz verschwunden aus der Schlieremer Parteilandschaft ist die Eidgenössisch-demokratische Union (EDU). Stellte sie vor vier Jahren noch drei Kandidatinnen, ist heuer keine Gemeinderatsliste eingereicht worden.

Mehr Junge wollen ins Parlament

Nicht nur bezüglich Anzahl und Geschlechterverteilung hat sich beim Kandidatenfeld für die Gesamterneuerungswahl einiges getan. Auch lässt sich sagen, dass die Anwärter für die Legislative jünger wurden. Der Anteil unter 30-Jähriger betrug 2014 gerade 12 Prozent. Mit neu 15 Kandidaten mit Jahrgang 1988 oder jünger klettert diese Quote auf 14 Prozent. Nicht nur stellt die SVP mit vier Kandidierenden in diesem Alterspektrum die meisten Kandidaten, auch die jüngste Kandidatin kommt mit Jahrgang 1999 aus der Volkspartei. Gefolgt von den Sozialdemokraten und den Freisinnigen (je 3 Kandidaten).

Auch die Quote der 30 bis 50-Jährigen kletterte in die Höhe. Betrug sie 2014 noch knapp 36 Prozent, sind es in diesem Jahr gut 42 Prozent. So steigt der Anteil unter 50-Jähriger von 48 auf 56 Prozent, womit die «Jungen» mit einem Satz die Mehrheit in der Schlieremer Politik stellen.