Dietikon

Mehr Abfallverwertung im Limmattal: Das Parlament sagt Ja dazu

Die Limeco will direkt neben dem heutigen Standort eine neue, grössere Kehrichtverwertungsanlage erstellen.

Das Dietiker Parlament gibt der Limeco seinen Segen, damit die Betreiberin der Limmattaler Kehrichtverbrennungsanlage ein benachbartes Grundstück kaufen kann. Darauf soll eine grössere Anlage entstehen. Ein Antrag, der forderte, die Stadt Dietikon solle das Land selber kaufen, blieb chancenlos.

Obwohl die Schlussabstimmung am Donnerstagabend schliesslich ein eindeutiges Resultat hervorbrachte, wurde die Diskussion davor teilweise ziemlich emotional geführt. Doch am Ende stand fest: Das Dietiker Parlament gibt der Limeco mit 31 zu 1 Stimmen ihren Segen, damit diese als Betreiberin der Limmattaler Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) für 90 Millionen Franken das benachbarte Areal kaufen kann. Auf dem Areal, auf dem Coop heute eine Verteilzentrale betreibt, soll etwa 2030, wenn die alte KVA ausgemustert werden muss, eine neue entstehen – für rund 285 Millionen Franken.

Damit einher geht auch ein Ausbau: Während die aktuelle Anlage rund 90'000 Tonnen Abfall pro Jahr verbrennen kann, soll die neue deutlich mehr schaffen. Der Dietiker Stadtrat spricht von 120'000 Tonnen, die Limeco hingegen will eine KVA für 160'000 Tonnen – mit dieser Kapazität wird die Anlage auch im kantonalen Richtplan geführt.

«Optimaler geht es fast nicht.»

Prinzipiell war das Geschäft im Parlament unbestritten. Da die meisten in der KVA verbrannten Abfälle im Limmattal generiert werden, sollten diese auch am gleichen Ort entsorgt werden, sagte Gabriele Olivieri im Namen der CVP.

Auch die SVP bezeichnete den Landverkauf als «gute Sache» und eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommen werde. Dass die neue Anlage direkt neben der alten gebaut werden könne, sei ideal, sagte Anton Felber: «Optimaler geht es fast nicht.» Auch der Preis für das Land sei fair.

«In jeder Hinsicht ein Gewinn»

Das Ziel der Grünen sei, dass das heutige KVA-Areal irgendwann der Natur zurückgegeben werde, sagte Catalina Wolf-Miranda. Schliesslich befinde es sich mitten im Naturschutzgebiet. Der Limeco-Landkauf ergebe für die Grünen «absolut Sinn» und werde unterstützt, so Wolf-Miranda. Olivier Barthe (FDP) bezeichnete Fernwärme als etwas Wunderbares. Man müsse ihr Sorge tragen. Der Landkauf sei in jeder Hinsicht ein Gewinn, so Barthe. Das sah auch die EVP/GLP-Fraktion so, die sich ebenfalls für den Kauf aussprach.

Doch nur so harmonisch, wie das Abstimmungsresultat vermuten lässt, verlief die Diskussion im Parlament nicht. Etwas Aufregung verursachte Ernst Joss (AL), der einen Rückweisungsantrag stellte. Der Stadtrat solle sich darum bemühen, dass Dietikon das Land selber kaufe und die nötigen Teile dann der Limeco im Baurecht überlasse, forderte er. Unterstützung bekam er vom Rest der SP/AL-Fraktion. «Wir wollen, dass das Land uns gehört. Gerade bei Bauten der öffentlichen Hand dürfen wir das Heft nicht aus der Hand geben», sagte Anton Kiwic (SP). Ansonsten sei man auf den Goodwill der Limeco angewiesen, damit Dietikon mit dem Teil des Landes, das für die KVA nicht gebraucht werde, etwas Sinnvolles anstellen könne.

Wenig Unterstützung für Rückweisungsantrag

Von der SVP wurde der Vorschlag scharf kritisiert. Es sei ironisch, sagte Markus Erni, dass die SP, die sonst für Solidarität weible und den Kapitalismus überwinden wolle, nun «in bester Kapitalistenmanier» Baurechtszinsen einstecken wolle und sich unsolidarisch gegenüber den anderen Trägergemeinden der Limeco zeige. Er bezeichnete den Zeitpunkt als schlecht und das Vorgehen als «Russisches Roulette mit fünf Kugeln.»

Die Grünen bezeichneten den Rückweisungsantrag als «unsinnig». Man solle die Limeco ihre Arbeit machen lassen, sagte Lucas Neff. Zudem habe die Stadt das nötige Geld für den Kauf gar nicht: «Es wäre ein finanzielles Desaster.» Auch die FDP lehnte den Antrag ab und bezeichnete die Kapitallast für Dietikon als Hinderungsgrund. Zudem dränge die Zeit.

Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) betonte, die Limeco sei öffentliche Hand. Sie gehöre den Gemeinden. «Die Limeco muss in unserem Auftrag ihre Aufgaben erfüllen können.» Der Rückweisungsantrag wurde schliesslich mit 26 zu 6 Stimmen abgelehnt.

Das Stimmvolk der Limeco-Trägergemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf, Oberengstringen, Unterengstringen, Geroldswil, Weiningen und Oetwil wird am 10. Juni über den Landkauf befinden. Mindestens die Hälfte der Gemeinden sowie eine der Städte muss zustimmen, damit der Kauf über die Bühne geht.

Autorin

Bettina Hamilton-Irvine

Bettina Hamilton-Irvine

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