Feinschleifen

Maurizio Papini schleift Messer und Scheren auf einer 60-jährigen Maschine

Maurizio Papini denkt noch nicht an die Rente.

Maurizio Papini denkt noch nicht an die Rente.

Der Schlieremer Maurizio Papini hat sich mit seiner Feinschleiferei in Geroldswil einen Traum erfüllt. Während andere bereits an ihre Rente denken, schlägt er den Weg der Selbständigkeit ein.

Als Maurizio Papini mit 16 Jahren aus Italien in die Schweiz kam, wollte er eine Lehre absolvieren. Sein Vater war allerdings dagegen. «Ich wollte Messerschmied werden. Aber mein Vater meinte, ich verdiene damit zu wenig Geld», sagt der Schlieremer. Mit 21 Jahren absolvierte er schliesslich eine einjährige Ausbildung zum Feinschleifer. «Messer zu schmieden habe ich dabei zwar nicht gelernt, doch das Schleifen hat mir sehr gut gefallen.» Aus finanziellen Gründen trieb es ihn jedoch in eine andere Richtung.

Jahrelang arbeitete er in der Logistikbranche. Doch das Feinschleifen liess ihn nicht los. Neben seiner Arbeit eröffnete er eine Werkstatt in Urdorf. «Jeweils an den Wochenenden habe ich für Freunde und Bekannte Messer geschliffen», sagt der 61-Jährige. Ein Schicksalsschlag bewegte ihn schliesslich dazu, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen: «Krankheitsbedingt verlor ich meinen Job.» Seine Frau habe ihn dazu ermutigt, sein eigenes Geschäft zu eröffnen.

«Jedes Messer kann geschliffen werden»

Vor drei Jahren gründete Papini in Geroldswil die Feinschleiferei Papini. «Meine Freunde machten sich bereits Gedanken um ihre Rente, und ich startete noch einmal durch.» Mit seinem Geschäft hat sich Papini einen Traum erfüllt, denn er betätigt sich gerne handwerklich. Zudem mag er es, anderen Menschen zu helfen. Alles auf das Schleifen von Messern und Scheren zu setzen war ihm aber zu riskant. Deshalb hat er sich zusätzlich auf Rasenmäher spezialisiert.

Der gebürtige Italiener will weg von der Wegwerfgesellschaft. «Ich sage immer, man muss nichts wegwerfen. Jedes Messer kann geschliffen werden.» Er glaubt, dass ein Umdenken stattfinden müsse. Viele Leute würden ihre teuren Messer wegwerfen und sich qualitativ minderwertige Ware kaufen. «Es lohnt sich, ein teures Messer schleifen zu lassen.»

Ob rostig, verkratzt oder mit abgebrochener Spitze – Papini verhilft Messern, Scheren, Silberbesteck, Gartenscheren und Rasenmäherblättern zu neuem Leben. Auch bei beschädigten Griffen kann er weiterhelfen. Nur von Messern mit zerbrochener Klinge lässt er die Finger: «Es ist ein viel zu grosser Aufwand, die Klinge zusammenzuschweissen. Das würde sich nicht lohnen.» Zu seiner Kundschaft gehört neben diversen Gärtnereibetrieben und der Gemeinde Geroldswil auch das Spital Limmattal. Die Küche des Spitals bringe ihm jeweils die Küchenmesser vorbei.

Seine Schleifmaschine ist 400 Kilogramm schwer

Papini schleift die Klingen auf einem rotierenden Stein, der mit Wasser gekühlt wird. Dazu verwendet er eine 60 Jahre alte Maschine, die er «Grossmutter» nennt. Rund 400 Kilogramm bringt diese auf die Waage. «Ein richtiger Messerschleifer schleift mit so einer Maschine», sagt Papini. Das Ergebnis werde besser als mit Bandmaschinen.

Schleifen ist seine Leidenschaft. Doch ab 18 Uhr ist Feierabend. Als Ausgleich ist Maurizio Papini viel mit seinem Hund Urax oder mit dem Fahrrad unterwegs. Denn er sei ein Naturmensch.

Verwandte Themen:

Autor

Manuel Reisinger

Meistgesehen

Artboard 1