Unterengstringen
Maturand Christoph Hans wirft einen düsteren Blick auf Facebook und Co.

Nach monatelanger Arbeit ist es endlich so weit: Der 19-jährige Christoph Hans, Maturand an der Kanti Limmattal (KSL), stellt im Zürcher Kino Riffraff seine Abschlussarbeit vor: Ein Film, welcher einen kritischen Blick auf Soziale Medien wirft.

David Hunziker
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Christoph Hans (links) hat den Film gedreht, Remo Thommen die Premiere organisiert

Christoph Hans (links) hat den Film gedreht, Remo Thommen die Premiere organisiert

David Hunziker

Zur Weltpremiere seins Films hat er zusammen mit Remo Thommen (19) geladen. Thommen konnte durch seine Ausbildung bei dem Filmverleih Ascot Elite ebenfalls im Rah-
men seiner Abschlussarbeit einen solchen Anlass organisieren. Die beiden Unterengstringer ergänzten sich perfekt.
Die Premiere am Samstag bildete den krönenden Abschluss eines Projekts, das nicht von Anfang an so gross hätte werden sollen, wie Wolfgang Braml, Christoph Hans' Betreuer und Musiklehrer an der KSL, erzählt. Christoph Hans könne sich wie kein Zweiter in eine Sache vertiefen, und so sei der Film immer länger und aufwändiger geworden. «Ihm ist eine der herausragendsten Arbeiten der letzten zehn Jahre an unserer Schule gelungen», schwärmt Braml.
Eigene Erfahrungen verarbeitet
«Dystopia» spielt in einer übertechnisierten und vom Internet dominierten nahen Zukunft. Aron, gespielt vom ausgebildeten Schauspieler Nils Habermacher, hat jeden Winkel seines Lebens auf diese Technologien ausgerichtet. Meist sieht er die Welt durch seine Kontaktlinsen, die sein Sichtfeld ständig mit Informationen versorgen und ihn mit virtuellen Realitäten verbinden. In einem Tram trifft Aron auf Nora (Andrea Zwicky), die ein Leben ausserhalb des Internets führt. Nicht einmal Arons kleiner Bruder (Pascal Kassold) findet mehr über sie heraus. Nora entführt Aron für kurze Zeit in ihre Welt, doch die Liebesgeschichte nimmt ein abruptes Ende, als sich die beiden schon bald nicht mehr verstehen.
Sein Blick auf die Informationstechnologie sei inzwischen nicht mehr ganz so düster wie vor einem Jahr, als er die Geschichte geschrieben habe, meint Christoph Hans. Vor wenigen Wochen hat er seinen Facebook-Boykott aufgelöst und sich gar ein iPhone gekauft. Auch bei der Machart von «Dystopia» legt Christoph Hans Wert auf Technologie. Zahlreiche Szenen hat er mit grossem Aufwand am Computer animiert. Ebenfalls am Computer entstanden Musik und Soundeffekte.
«Ich finde es trotzdem wichtig, dass man für diese Dinge sensibilisiert ist», betont Christoph Hans. Er habe mit dem Film auch eigene Erfahrungen verarbeitet. «Während der Premiere habe ich daher immer gehofft, dass die Leute meinen Film richtig verstehen.» Auch für die Darstellerin Andrea Zwicky, welche im zweiten Jahr in Zürich Schauspiel studiert, war die Premiere ein aufregendes Erlebnis. «Ich würde sofort wieder einen Film mit ihm drehen. Die Zusammenarbeit auf dem Set war toll», erzählt sie.
Ob er nun Film studieren wird, weiss Christoph Hans noch nicht. «Im Sommer beginne ich ein Zwischenjahr und dann sehe ich weiter», meint er. Eines weiss er aber schon jetzt: «Ich würde sehr gern wieder einen Film drehen, dieses Mal aber nur Regie führen. Der ganze Rest ist mir einfach zu anstrengend.»

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