Urdorf

Krämpfe in den Händen vom schnellen Spielen: Dave Ruosch verwandelt das Klavier in ein Jazz-Orchester

Dave Ruosch

Dave Ruosch

Dave Ruosch, Jazz- und Blues-Pianist.

Jazz- und Blues-Pianist Dave Ruosch spielt am dritten «Stride and Boogie Summit Urdorf» am 4. September. Er und Organisator Hans Karrer freuen sich auf den Anlass, der sich zwei speziellen Solo-Klavierstilen widmet.

Dave Ruosch fährt über die Tasten und stimmt das Stück «Riffs» des bekannten amerikanischen Pianisten James P. Johnson an. «Er klingt gut. Ein robuster Flügel, der nicht so schnell verstimmt ist», sagt Ruosch zu Hans Karrer, der im Takt der Musik in die Hände klatscht. Das Herz des Leiters der Schulverwaltung Urdorf schlägt fürs Klavierspiel. Deshalb kann es sich der 63-Jährige auch nicht nehmen lassen, seinem Besuch, dem Jazz- und Bluespianisten Dave Ruosch, die neuste Instrumenten-Anschaffung der Schule im Singsaal an der Bahnhofstrasse zu zeigen.

Am 4. September wird Ruosch am «Stride and Boogie Summit Urdorf» auftreten. Karrer organisiert den Anlass bereits zum dritten Mal im Singsaal Moosmatt. «Dave ist Stammgast und kommt immer, bis ins Jahr 2023 ist er für den Summit gebucht», sagt Karrer. Ruosch sowie Boogie-Woogie- und Jazz-Pianist Chris Conz, der am Anlass mit seinen Trio-Kollegen Mario von Holten und Arno Schulz auch stets mit von der Partie ist, gehörten zum Besten, was die Schweiz an Stride- und Boogie-Woogie-Pianisten zu bieten habe, schwärmt der Schulverwalter. Verpflichten konnte Karrer für den Summit zudem den Deutschen Boogie-Pianisten Jörg Hegemann, das Uitiker Klavier-Talent Maurice Imhof sowie Saxophonist Duke Seidmann.

Fleissig arbeiten ist der einzige Trick

«Das Raue des Boogie mischt sich mit dem Schöngeistigen des Stride. Das ist das, was mir an diesem Anlass so gefällt», sagt Ruosch. Normalerweise würden die beiden Klavierstile nur einzeln gespielt und nicht vereint, so der Hochschuldozent. Trotz klassischer Ausbildung am Konservatorium Zürich wusste der Zürcher bereits in jungen Jahren, dass es ihn in die Jazz- und Blues-Richtung zieht. «Während meines Studiums spielte ich als Rockabilly-Schlagzeuger. Die klassische Musik liebe ich auch sehr, nur der Swing hat mir gefehlt. Eine fundierte musikalische Ausbildung war es alleweil», erzählt Ruosch. Heute spielt er nicht nur an Musikveranstaltungen und Festivals wie an den Arosa Jazz Tagen, sondern bildet auch einen grossen Teil des Piano-Nachwuchses der Schweiz aus. «Wenn mich Schüler in der Klavierstunde nach Tricks fragen, sage ich ihnen immer, dass es keine gibt. Der einzige Trick ist, dass man fleissig arbeiten muss und gleichzeitig die Freude an der Musik ins Zentrum stellt.»

Er selbst müsse für den Auftritt am 4. September auch noch üben. «Gewisse Stücke sind so schnell und wild, dass man vom Spielen einen Krampf in den Händen bekommt», sagt Ruosch. Verständlich, wenn der Pianist am Flügel die Klänge eines ganzen Orchesters erzeugen soll. Das ist nämlich das Prinzip des Solo-Klavierstils Stride aus der Frühzeit des Jazz.

Die Stimmung wurde wegen des Virus getrübt

«Stride ist sozusagen, wenn man eine ganze Jazzband mit dem Klavier spielt», sagt Ruosch und tippt auf die Tasten. Tiefe Töne folgen, dann erklingen verschiedene Melodien. «Das ist der Bass, dann kommt die Gitarre dazu, danach die Bläser», erklärt Ruosch während er weiterspielt. Karrer hält das Ständchen mit dem Handy auf Video fest.Er freut sich sehr auf den Anlass in vier Wochen. Zumal dieser eigentlich bereits am 19. Juli hätte stattfinden sollen. Doch Corona bedingt wurde er verschoben. «Die Stimmung war wegen des Virus getrübt. Ich habe eine Umfrage beim Publikum gemacht und 90 Prozent bevorzugten ein Verschiebedatum», sagt Karrer. Da die meisten bereit gewesen seien, das erworbene Ticket bis dahin zu behalten und das Geld nicht zurückzufordern, sagte Karrer den Summit im Juli ab.

Bereits 195 der 220 Tickets sind unterdessen verkauft. «Die Leute freuen sich, wieder Live-Musik zu hören. Die Interaktion fehlt online», sagt Ruosch. Das Schutzkonzept für den Anlass steht bereits. «Der Singsaal Moosmatt wird vor dem Konzert desinfiziert. Es gibt im Vorfeld keinen Apéro, nur abgepackte Sandwiches und Getränkeflaschen. Auf einen Wein- und Getränkeausschank wird verzichtet», sagt Karrer. Jede und jeder müsse die Hände desinfizieren, Masken würden abgegeben. Den Singsaal dürfen die Gäste nicht alle aufs Mal betreten. «Wir werden sie Reihe für Reihe reinbitten», sagt Karrer. Er hat keine Angst, dass der Anlass aufgrund der steigenden Infektionszahlen wieder abgesagt werden muss. «Und wenn, dann ist es halt so. Wir müssen uns arrangieren», sagt Karrer.

Dave Ruosch (links) freut sich auf Hans Karrers «Stride and Boogie Summit» am 4. September.

Stammgast in Urdorf

Dave Ruosch (links) freut sich auf Hans Karrers «Stride and Boogie Summit» am 4. September.

Falls die Veranstaltungsgrösse auf 100 Personen pro Anlass runtergeschraubt werde, könnten die Musiker ja zwei Mal spielen, einmal um 18 und einmal um 20 Uhr zum Beispiel, sagt Ruosch. «Dann wäre der Anlass trotzdem durchführbar. Wir Künstler sind in der Coronakrise ja froh um jeden Auftritt, auch wenn wir doppelt arbeiten müssen», sagt der Pianist und lacht.

Im Herbst folgt bereits das nächste Konzert

Karrer kommt dieses Jahr trotz Pandemie seinem Ziel, den Stride und Boogie-Woogie bekannter zu machen und die Solo-Klavierstile einem jüngeren Publikum näher zu bringen, ein Stück näher. Er stellt nämlich bereits im Herbst den nächsten Event auf die Beine und holt am 27. November den bekannten Deutschen Boogie-Pianisten und Komiker Martin Schmitt nach Urdorf. Und auch im Thurgau, wo Karrer lebt, plant er Projekte. «Diese wunderbare melodische Musik verdient es einfach, gehört zu werden. Sie macht glücklich geht direkt in die Seele.»

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