Tragisches Unglück im einem Cevi-Pfingstlager: Weil die Bremse an einer selbstgebauten Seilbahn versagte, prallte ein 8-jähriges Mädchen praktisch ungebremst in einen Baum und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Wenige Stunden später starb das Kind im Spital. Der Unfall ereignete sich im Rahmen eines Pfingstlagers der christlichen Kinder- und Jugendorganisation Cevi.

Das betroffene Pfingstlager der Cevi in Oetwil an der Limmat ZH war bei Jugend und Sport (J&S) beim Bundesamt für Sport (Baspo) angemeldet. Das bedeutet, dass mehrere Lagerleiter mindestens eine Grundausbildung für solche selbst gebauten Seilbahnen absolviert haben, wie Baspo-Sprecher Christoph Lauener gegenüber az bestätigt.

Wie viele der 13 Leiter diese tatsächlich absolviert haben, konnte Lauener nicht sagen. Ob die Leiter in Oetwil die Ausbildungselemente genaustens beachtet haben, ist noch nicht bekannt. Die Ermittlungen sind im Gange. «Werden Mängel auszumachen sein, werden wir bestimmt reagieren», so Lauener. Er betont jedoch, dass vorerst kein Handlungsbedarf bestehe. So sei dies der erste dem Baspo bekannte Fall.

Bekannt ist ausserdem: Die selbst gebaute Seilbahn in Oetwil, die 100 Meter lang und über 40 Meter Höhenunterschied führte, ist eine grössere, temporäre Anlage. Das Problem hingegen: Temporäre Anlagen unterstehen nicht der europäischen Norm, die explizit strenge Sicherheitsvorkehrungen festlegt. Temporär werden als solche taxiert, die weniger als sieben Tage am Stück in Betrieb sind.

In der J&S-Ausbildung wird die notwendige Technik mit der verbundenen Sicherheit eines Seilbahn-Baus trainiert und das Material detailliert kennen gelernt. «Diese Kaderausbildungen taugen wirklich etwas und sind anspruchsvoll», betont Lauener.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Ausbildung ist das richtige Einschätzen der Situationen vor Ort. «Leiter müssen in der Lage sein, optimale Einschätzungen zu treffen, ob die Kinder, die vielfach in unterschiedlichem Alter sind, die Seilbahn ohne grössere Probleme bestreiten können», so Lauener.

Sicherheit in Ausbildungen noch stärker gewichten

Weitere Lager fanden über das Pfingstwochenende bei den Organisationen Jungwacht Blauring und der Pfadi statt. Ob auch bei ihnen solche Seilbahnen gebaut wurden, ist nicht bekannt. Die Organisationen prüfen nun, ob ein internes Bauverbot solcher Anlagen infrage kommt. «Wir werden das bestimmt in den nächsten Tagen besprechen", sagt Roman Oester von der Jungwacht Blauring gegenüber der az. Auch bei den Ausbildungen will man noch stärker auf das Thema Sicherheit eingehen. (sha)