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Körperkontakt: Von den drei Küsschen zur Begrüssung bis hin zu Social Distancing

Es ist üblich, gute Bekannte mit drei Küsschen auf die Wange zu begrüssen. Dies geht in Zeiten der Coronakrise nicht mehr. PS: Das Bild ist vor der Coronakrise entstanden, also bitte nicht nachahmen. ;-)

Es ist üblich, gute Bekannte mit drei Küsschen auf die Wange zu begrüssen. Dies geht in Zeiten der Coronakrise nicht mehr. PS: Das Bild ist vor der Coronakrise entstanden, also bitte nicht nachahmen. ;-)

Nicht eins, nicht zwei, sondern drei: In der Schweiz begrüssen oder verabschieden wir uns mit drei Küsschen auf die Wange. Dies geht in Zeiten der Coronakrise nicht mehr. Der Schlieremer Martin von Aesch erzählt in der zweiten Folge seiner neuen Kolumne, wie er mit der Situation umgeht.

Es war wohl in den 1980-Jahren, als es mit dieser Küsserei losging. Zur Begrüssung, aber auch beim Abschiednehmen, immer wurde geküsst. Die eidgenössische Eigenheit: nicht zweimal, wie sonst überall, sondern gleich dreimal. Nicht dass ich etwas gegen Körperkontakt hätte, überhaupt nicht, nur war der eigentlich einer einzigen Person vorbehalten. Um ehrlich zu sein: Diese Mode, die, wie ich damals glaubte, bald wieder verschwindet, ging mir eindeutig zu weit.

Natürlich merkte ich sehr bald, dass verschiedene Kusstechniken angewandt wurden. Die einen, die auf Distanz bleiben wollten, also die, die links-rechts-links ihre Küsse in die Luft hauchten, waren mir am liebsten. Die andern aber, also die, die in den Nahkampf gingen, waren mir äusserst suspekt. Erst links schmatzend auf die Wange, dann rechts auf den Mundwinkel und zum Schluss – wumms – in die Mitte. Und dies alles mit einem leicht feuchten Anstrich.

Natürlich merkte ich sehr schnell, dass ich mich dieser Gepflogenheit nicht widersetzen durfte. Man hätte mich wohl für ziemlich prüde gehalten. So habe ich dann halt auf den Handschlag mit ausgestrecktem Arm verzichtet und mich meinem Schicksal ergeben.

Nicht dass Sie nun denken, ich hätte beim Küssen leiden müssen. Überhaupt nicht. Und falls doch, höchstens zehn Jahre. Aber von da an gingen mir die Begrüssungszärtlichkeiten eigentlich recht flott von der Hand.

Und nun? Wie sieht das Ganze heute aus? Per Dekret des Bundesrates ist jeder Körperkontakt zu vermeiden. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, dass aufs Händeschütteln und Küssen im öffentlichen Raum eine Busse ausgesetzt wird. Denn wegen der erheblichen Ansteckungsgefahr könnte es der letzte Kuss gewesen sein.

Für mich ist das eine schwierige Situation. Da gewöhne ich mich während Jahren an etwas, was mir eigentlich gegen den Strich geht, und dann wird es verboten.

Und überhaupt: Wie schön wäre es, jemanden wieder einmal mit grosser Herzlichkeit zu begrüssen. Ich vermisse es. Und nicht nur, weil es jetzt untersagt ist.

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