Studiengebühren

Kantonsrat lehnt Erhöhung der Studiengebühren ab: Es würden weniger Studierende nach Zürich kommen

Eine einseitige Erhöhung der Studiengebühren wäre für Zürich schlecht, finden Kantons- und Regierungsrat.

Eine einseitige Erhöhung der Studiengebühren wäre für Zürich schlecht, finden Kantons- und Regierungsrat.

Die SVP blieb mit ihrer Forderung, die Semestergebühren um 500 Franken zu erhöhen, ziemlich allein. Dennoch ist die Diskussion zwischen verschiedenen Parteien gross.

720 Franken pro Semester muss ein Student oder eine Studentin derzeit hinblättern, um an der Universität Zürich oder an einer der Zürcher Fachhochschulen zu studieren. Damit bewegen sich die Semestergebühren im Rahmen dessen, was an den meisten Hochschulen in der Schweiz üblich ist.

Doch der Studientarif ist in vielen Fächern längst nicht kostendeckend. So koste die Ausbildung eines Tiermediziners an der Uni rund 700'000 Franken, rechneten Hans Peter Häring (EDU, Wettswil am Albis) und Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) in einer vor drei Jahren im Kantonsrat eingereichten Motion vor. Sie forderten daher, die Gebühren pro Halbjahr um 500 Franken zu erhöhen – und nannten dies eine «Angleichung an die Realität».

Der Zürcher Regierungsrat lehnte dies ab. Es würde dazu führen, dass weniger Studierende nach Zürich kämen und Zürcher Studierende in andere Kantone auswichen, hielt er in seiner Stellungnahme fest. Die Folge wären aus Zürcher Sicht weniger Einnahmen und höhere Kosten. Denn, so der Regierungsrat weiter: Andere Kantone bezahlen für ihre nach Zürich kommenden Studierenden insgesamt rund 226 Millionen Franken im Jahr. Und: Würden Zürcher Studierende in andere, günstigere Kantone ausweichen, müsste der Kanton Zürich ebenso dafür bezahlen.

«Es kann nicht der Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich dienen, wenn die fähigen Köpfe in andere Kantone abwandern», sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) gestern im Kantonsrat. Dies fanden auch alle Parteien ausser der SVP und vereinzelten Vertretern der EDU.

SVP-Kantonsrat Burtscher wies vergebens darauf hin, dass Berufsleute nach der Lehre bereits Steuern bezahlen und damit die Ausbildung der Akademiker mitfinanzieren würden. «Höhere Studiengebühren bedeuten mehr Eigenverantwortung», sagte Burtscher. Die SVP wäre offen gewesen, über das Ausmass der Gebührenerhöhung mit sich reden zu lassen. Doch die Gegenseite habe sich darauf nicht einlassen wollen. Dabei würden die anderen Hochschulkantone laut Burtscher nur darauf warten, dass sich der Kanton Zürich punkto Studiengebühren bewege, um dann nachziehen zu können.

Die Gegenseite, das waren im Kantonsrat diesmal FDP, CVP, GLP, EVP, Grüne, SP und AL. «Wer glaubt, 500 Franken mehr pro Semester seien nicht viel, lebt in einer anderen Realität», sagte Sylvie Matter (SP, Zürich). «Mit dieser Erhöhung würden wir die Verschuldung der Studierenden in die Höhe treiben.» Sie wies darauf hin, dass Vollstipendien für Studierende aus bescheidenen Verhältnissen nur bis zum 25. Lebensjahr erhältlich seien. Danach gebe es die Möglichkeit, Studiendarlehen aufzunehmen.

Gebührentourismus verhindern

Alexander Jäger (FDP, Zürich) warnte davor, dass die Zürcher Hochschulen mit weniger Geld auskommen müssten, wenn Studierende vermehrt in andere Kantone auswichen und weniger Studierende aus anderen Kantonen nach Zürich kämen. Um einen Gebührentourismus zu verhindern, müsse eine Tariferhöhung in allen Hochschulkantonen erfolgen. «Die Studiendauer zu beschränken, wäre sinnvoller», meinte Christa Stünzi (GLP, Horgen). Dies hätte grösseren Einfluss auf die Kosten. Anders argumentierte Daniel Heierli (Grüne, Zürich): «Schulen sind eine ureigene Aufgabe des Staates. Sie sollten nicht selbsttragend sein. Sie sind eine Investition, die sich lohnt – und wie!» Der Kantonsrat wischte Burtschers Vorstoss mit 124:44 Stimmen vom Tisch.

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