Zürich

Jubiläums-Modellflugtag hat einiges zu bieten: «Da wird das Kind im Manne gut bedient»

An der grössten Modellflugveranstaltung der Schweiz, dem 40. Flugtag in Hausen, beteiligt sich auch die Schweizer Luftwaffe. Wie OK-Präsident Christian Ewald und OK-Urgestein Wolfgang Auth im Interview erklären, hat der Jubiläums-Modellflugtag in Hausen am Albis einiges zu bieten.

Düsenjets, Kunstflug-Segler, Helikopter und Doppeldecker: Der Jubiläums-Modellflugtag in Hausen am Albis hat einiges zu bieten, wie OK-Präsident Christian Ewald und OK-Urgestein Wolfgang Auth im Interview erklären. Als spezielles Highlight werden auch das PC-7-Team und das Super-Puma-Display-Team der Luftwaffe auftreten.

Am Jubiläums-Flugtag ist die Luftwaffe dabei. Wie ist es dazu gekommen?

Wolfgang Auth: Wir haben offene Türen eingerannt: Wir wurden schon seit Jahren immer wieder vom Aero-Club und anderen Kreisen angefragt. Schon da dachten wir: Zum 40. machen wir das – als Goodie. Im Sommer 2018 wurde es dann konkreter. Im September muss man jeweils das Gesuch für die nächstjährige Saison eingeben. Und wir haben den Zuschlag bekommen.

Christian Ewald: Für die Display-Teams ist es natürlich von Vorteil, wenn ein Flugplatz da ist. Nicht dass sie landen würden, für das ist die Piste zu kurz, aber die Platzverhältnisse sind natürlich gut.

Wolfgang Auth: Zum Zehn-Jahre-Jubiläum hatten wir uns schon mal erkundigt, ob ein Engagement der Patrouille Suisse möglich wäre. Damals hatte diese grad etwas wenig Auftritte. Dafür hätten allerdings die Anstösser-Gemeinden zustimmen müssen. Rifferswil und Kappel am Albis waren damals dagegen. Aber es hat dann sowieso an beiden Tagen geregnet.

Heute Samstag freuen sich die Aviatikfans aufs PC-7-Team und am Sonntag aufs Super-Puma-Display-Team. Was war die Überlegung dahinter?

Ewald: Wir wollten ein möglichst breites Programm zeigen. Der Formations-Kunstflug und die Helikopter-Show sprechen ein anderes Publikum an – oder die gleichen kommen an beiden Tagen.

Wolfgang Auth, Sie sind schon seit Beginn mit dabei, wie hat sich der Anlass entwickelt?

Auth: Die ursprüngliche Idee war ein Wettbewerb von vorbildgetreuen Modellfliegern. Also Nachbildungen, die ihren Vorbildern in Bauart und Flugverhalten entsprechen. Das war sehr zeitintensiv mit der ganzen Jurierung von Bau und Flug. Wenn der eigentliche Wettbewerb am frühen Nachmittag fertig war, haben wir dann jeweils ein Schaufliegen angehängt – und gemerkt, dass dies beim Publikum viel besser ankommt. So haben wir das Schaufliegen immer mehr ausgebaut. Nach zehn Jahren haben dies dann einige nicht mehr mitgetragen und haben ihre eigene Gruppe gegründet. Wir haben aber auch heute noch vorbildgetreue Modellflieger im Programm – einfach ohne Wettbewerb.

Das 10-Jahre-Jubiläum fiel offenbar ins Wasser, wie sah es nach 20 Jahren aus?

Auth: Auch da hatten wir schlechtes Wetter und konnten nicht fliegen. An diesen ersten beiden runden Geburtstagen haben wir ordentlich rote Zahlen geschrieben. Wenn die Leute nicht kommen, haben wir auch keine Einnahmen, da wir weder Eintritt verlangen noch Sponsoren haben. Das ist diesmal allerdings anders.

Ewald: Ja, wir haben erstmals einen Sponsor an Land gezogen. Der hilft uns, das Schlechtwetterrisiko abzufedern und auch die Darbietungen der Luftwaffe zu finanzieren. Konkret: die Versicherungsprämie. Die Luftwaffe verlangt nichts, aber der Veranstalter muss die Haftpflicht übernehmen. Das sind 4500 Franken.

Zurück zum Rückblick in 10-Jahres-Schritten: Wie sind Sie nach dem Wetterpech zum 10. und 20. Geburtstag das 30-Jahr-Jubliäum angegangen?

Auth: 30 Jahre haben wir nicht besonders gefeiert – und das Wetter war schön.

Und trotzdem wagen Sie dieses Jahr nun wieder ein Jubiläumsprogramm?

Auth: Ja, wir sind zuversichtlich. Auch wenn der Aufwand beträchtlich ist. Wir hatten über die Jahre schon jedes Wetter. Wir haben schon Schnee geschaufelt, durften uns aber auch schon mehrfach über T-Shirt-Wetter freuen.

Ewald: Es ist immer wieder erstaunlich: Auch wenn es vorher geregnet hat: Sobald es trocken wird, haben wir einen vollen Platz. Die Zuschauer wissen auch: Es braucht nicht absoluten Sonnenschein.

Auth: Wenn es trocken ist, wir gute Sicht haben und es nicht zu viel windet, dann wird geflogen. Oft ist es sogar von Vorteil, wenn die Wetterprognose nicht zu gut ist. Wenn dann die Sonne durchkommt, kommen auch die Daheimgebliebenen.

Sie haben den grossen Aufwand erwähnt. Wir läuft die Planung für den Anlass ab?

Ewald: Wir sind zu acht im OK. Übers Jahr verteilt haben wir fünf Sitzungen. Das ist wenig, aber wir haben den Vorteil, dass wir es jedes Jahr mit den selben Leuten machen. Im September steigt dann der Aufwand. Wolfgang Auth stellt dann in der ganzen Region die Werbetafeln auf. Am Flugtag selber sind 120 bis 130 Helfer im Einsatz, 80 bis 90 pro Tag.

Die kümmern sich um das Wohl von Tausenden Besuchern. Im Publikum sind jeweils alle Generationen vertreten.

Ewald: Bei schönem Wetter kamen schon über 10 000. Der Flugtag soll ein Familienanlass sein, an dem man einen Halbtag verbringen kann, ohne dass das Portemonnaie danach leer ist. Das ist mir persönlich wichtig. Als Familie kann man nicht mehr viel machen, ohne dass gleich 100 Franken weg wären.

Was sind die Highlights im Modellflug-Programm?

Ewald: Das grösste Highlight ist eine Concorde im Massstab 1:6. Sie ist zehn Meter lang, rund 150 Kilogramm schwer und hat erst gerade die Luft-Taufe hinter sich. Ein Deutscher hat sie selber geplant und gebaut. Ab 30 Kilogramm muss man in der Schweiz auch Modellflugzeuge vom Bundesamt für Zivilluftfahrt abnehmen lassen. Im Test werden unter anderem mehrere hundert Kilogramm Sandsäcke auf die Flügel gepackt. Schliesslich wirkt im Kurvenflug auch ein Vielfaches der Erdanziehung auf die Flügel. Mit so einem grossen Modellflugzeug muss man auch ein Logbuch führen. Insgesamt ist das ein enormer Zeit- und Kosten-Aufwand.

Wie stellen Sie das Programm zusammen?

Ewald: Im Frühsommer machen wir die Ausschreibung. Aus den Rückmeldungen stellen wir dann ein interessantes Programm zusammen. Mit dabei ist auch das Team Schaerer, das auf Weltniveau Modellsegler-Kunstflug im Verband zeigt. Untermalt wird diese Show mit Musik und Rauchanlagen machen die Segler sichtbar.

Auth: Wir wollen allen etwas zeigen. Einige sehen gerne Doppeldecker, andere lieber Helikopter oder Jets.

Und auf welche Flieger freuen Sie sich persönlich?

Ewald: Ich bin ein Fan der motorlosen Fliegerei und freue mich darum besonders auf die Segler. Allerdings faszinieren mich auch die Jets. Da wird das Kind im Manne gut bedient. Und die Jet-Piloten kommen auch gerne nach Hausen, weil das Gelände ideal ist. Eine 700-Meter-Piste und so viel Platz, das haben sonst nicht viele Modellflugtage.

Auth: Die Piloten kommen aber nicht nur wegen der tollen Anlage, sie schätzen auch unsere gute Organisation. Dazu gehört am Samstagabend das traditionelle Käsefondue, bei dem sie zusammensitzen und Erfahrungen austauschen können.

Ewald: Es ist immer wieder erstaunlich, welche Strecken die Piloten auf sich nehmen. Einige fahren mit dem Wohnmobil 800 Kilometer.

Ein grosses Thema ist auch die Sicherheit. Wie werden sie dieser gerecht?

Auth: Für die Piloten ist es natürlich schön, vor so viel Publikum zu zeigen, was sie können. Wir wählen bewusst Leute aus, die sich damit auskennen. Zudem haben wir strenge Sicherheitsauflagen – und die setzen wir auch rigoros um. So darf nicht gegen die Zuschauer geflogen werden. Und wir erlauben nichts, das noch nicht erprobt ist. Das Sicherheitskonzept wird zudem jedes Jahr wieder überarbeitet.

Nicht nur für die Sicherheit braucht es ein Konzept, sondern auch für den Verkehr.

Auth: Ja, da ist uns wichtig, dass die Leute möglichst mit dem öV kommen oder zumindest Fahrgemeinschaften bilden. Die Parkplätze sind irgendwann voll und je nach Witterung lassen sich Felder und Wiesen nicht als zusätzliche Flächen nutzen. Teilweise wurden schon Autos an der Strasse bis nach Kappel parkiert. Die laufen dann weit mehr als die 900 Meter von der Postauto-Haltestelle Grindeln.

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