Kanti Limmattal

Ingenieure zum Anfassen: So will man Gymi-Schüler von Technikberufen begeistern

Guido Santner vom Verein IngCH organisiert die Technik- und Informatikwochen für Kanti-Schüler in der ganzen Schweiz. «Es macht Spass, mit Jugendlichen zu arbeiten und die beiden Welten, die Schulen und die Firmen, zu vereinen», sagt der 47-Jährige.

Guido Santner vom Verein IngCH organisiert die Technik- und Informatikwochen für Kanti-Schüler in der ganzen Schweiz. «Es macht Spass, mit Jugendlichen zu arbeiten und die beiden Welten, die Schulen und die Firmen, zu vereinen», sagt der 47-Jährige.

Guido Santner von IngCH bringt Kanti-Klassen und Ingenieurfirmen zusammen. «Eine sympathische Informatikerin überzeugt mehr als jede Broschüre», ist sich der Elektroingenieur sicher.

Der Fachkräftemangel beschäftigt Unternehmen in der Schweiz. Vor allem Informatiker und Ingenieure sind schwer zu finden. Welche Auswirkungen hat dieses Manko?

Guido Santner: Es ist hinderlich für das Wachstum der Firmen. Im Gespräch mit Informatikbetrieben höre ich häufig, dass sie mehr Aufträge erhalten, als sie bewältigen können. Um möglichst viele Fachkräfte im «War of Talents» anzusprechen, suchen sich Firmen oft attraktive Standorte wie etwa in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs. Einige müssen auch auf ausländische Fachkräfte zurückgreifen.

Es gibt rund 600 Projekte in der Schweiz zur Nachwuchsförderung. Eines davon ist die Technik- und Informatikwoche von IngCH, mit der Sie junge Menschen von Ingenieurberufen überzeugen wollen. Wie erfolgreich sind Sie?


Die Anstrengungen lohnen sich, das zeigen Umfragen nach den Technik- und Informatikwochen. Die Hälfte der Gymi-Schüler sagen, dass sich ihr Bild zum Ingenieurberuf positiv verändert hat und knapp 30 Prozent der Jugendlichen können sich danach ein Ingenieurstudium vorstellen.

Wenn die Aktion so erfolgreich ist, wieso führen Sie diese nur mit 40 Klassen pro Jahr durch?

Das hat mit den finanziellen Mitteln zu tun. Noch so gerne würden wir alle Kanti-Schüler in der Schweiz erreichen, doch das geht derzeit nicht. Das Projekt kostet pro Klasse rund 10 000 Franken und ist für Gymnasien gratis. Unser Verein IngCH übernimmt die Kosten. Er wird von 30 Mitgliedsfirmen getragen und von Institutionen wie Swissmem, dem ETH-Rat, der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften und der Hasler-Stiftung unterstützt.

Um das Interesse an technischen Berufen zu wecken, braucht es aber mehr als ein solches Projekt.

Es wäre wichtig, dass jedes Kind mehrmals im Laufe seiner Schulkarriere mit Technik und Informatik in Berührung kommt. Beispielsweise in der Primarschule mit einem Ausflug ins Technorama in Winterthur, in der Sekundarschule mit einem Besuch in der Lehrlingswerkstatt einer Firma und am Gymnasium mit der Teilnahme an unserer Technik- und Informatikwoche. Motivierte Schülerinnen und Schüler könnten zusätzlich mit einem Förderprogramm wie «Schweizer Jugend forscht» oder einer Wissenschaftsolympiade abgeholt werden. Neben all diesen Projekten sind aber auch die Interessen der Eltern entscheidend.

Wie können Eltern einen Beitrag leisten?

Von Vorteil ist, wenn Eltern sich für diese Themen interessieren und mit den Kinder selbst einmal im Bastelraum werken und zum Beispiel ein Radio oder einen Computer auseinandernehmen. Der Besuch von Ausstellungen, Museen oder Anlässen und speziell das Gespräch mit Expertinnen und Experten können auch helfen. Die Jugendlichen brauchen Vorbilder. Eine sympathische Informatikerin oder ein begeisterter Elternteil überzeugt mehr als jede Broschüre.

Ein weiteres Problem: Der Frauenanteil in den Ingenieur-Berufen ist nach wie vor klein. Weshalb?

Das hat mit den dominanten Rollenbildern in unserer Gesellschaft zu tun. Zudem sind Unternehmenskulturen stark männlich geprägt. Es muss ein Umdenken stattfinden. Frauen sollen Informatikerinnen werden können, genauso wie Männer einem Pflegeberuf nachgehen dürfen. Zudem hat man in Studien herausgefunden, dass man Mädchen inhaltlich packen muss, reine Technik finden sie weniger spannend.

Autor

Sibylle Egloff

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