«Die Chancen in Indonesien nicht zu nutzen, ist, wie wenn man vor 15 Jahren China ignoriert hätte», sagte Wolfgang Schanzenbach. Er ist Leiter des Swiss Business Hub Indonesien. Die Zeit sei reif, der Markt stabil, erklärte er. Es war nur eines von vielen positiven Statements, die am Treffen vom Asia Desk Schlieren und Start Smart Schlieren zu Indonesien gemacht wurden. Die Referenten machten den Teilnehmern klar, dass die asiatische Inselgruppe mehr als die Feriendestination Bali ist.

Andreas Geistlich, Präsident von Start Smart Schlieren, gab in der Begrüssung unumwunden zu, dass er «nichts über Indonesien weiss». Es ging ihm damit wohl ähnlich wie den meisten der 30 Zuhörerinnen und Zuhörer, die am Anlass teilnahmen. Anders als beim Panel über Asien, bei dem der Raum aus allen Nähten geplatzt war, blieben dieses Mal noch einige Stühle frei.

Grund für den Schwerpunkt Indonesien war, dass vor drei Monaten der damalige Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit der EFTA in Jakarta ein Freihandelsabkommen mit dem Staat unterzeichnete. Der Vortrag sollte den Zuhörern nun die Möglichkeiten und Risiken des aufstrebenden Marktes aufzeigen. Der angekündete indonesische Botschafter war krankheitshalber verhindert.

Doch die Referenten wurden von Moderator Felix Aepli, CEO vom Asia Desk Schlieren, immer wieder mit einem Augenzwinkern als Botschafter Indonesiens betitelt. Man spürte ihre Begeisterung für das Land im Publikum.

Viertgrösste Bevölkerung

Aepli gab den Zuhörern einen kurzen Überblick über Indonesien. Welches, an der Bevölkerung gemessen, das viertgrösste Land ist. Das Bruttosozialprodukt steht im internationalen Vergleich an zwölfter Stelle. Doch das Land verzeichnete in den letzten fünf Jahren ein jährliches Wachstum von rund fünf Prozent.

Die USA, das Land, das an der Spitze steht, hatte in derselben Zeit ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 2,4 Prozent. Dies zeigen Zahlen des Internationalen Währungsfonds. Auch ohne Zahlen war sich Aepli sicher: «Wenn ich in Asien bin, spüre ich das Wachstum förmlich», schloss er seine Rede.

Wolfgang Schanzenbach, Leiter des Swiss Business Hub Indonesien, gab den Zuhörern konkrete Tipps, wie sie im indonesischen Markt Fuss fassen können. Er sagte: «Konzentrieren Sie sich beim Markteinstieg auf die Insel Java.» Überdies erklärte er, dass 90 Prozent des lokalen Markts an medizintechnischen Produkten nach Indonesien importiert werden müssen. Das sei sozusagen eine Einladung an die Medtech Firmen.

Man merkt es im Flughafen

Wie ein solcher Wechsel genau vonstattengehen kann, erklärte Simon Lehmann, CEO der Bruno Lehmann AG. Er zog mit seinem Familienunternehmen, das mechanische Bauteile herstellt, von den grünen Hügeln in Trub im Emmental in die Neun-Millionen-Stadt Jakarta. «Man merkt, ob man investieren soll, wenn man aus dem Flugzeug steigt», sagt er.

Als er in Jakarta ausgestiegen sei, habe er sogleich eine tropfende Klimaanlage angetroffen. Danach sei er 40 Minuten bei der Passkontrolle angestanden und daraufhin nochmals 40 Minuten bei der Gepäckausgabe. Als er schliesslich seinen Chauffeur kaum gefunden habe, sei er sich sicher gewesen, dass Indonesien der richtige Ort sei. Hier könne er noch etwas verbessern.

In der aschliessenden Debatte, bei der nebst Aepli, Schanzenbach und Lehmann auch Peter Vogt, ehemaliges Konzernleitungsmitglied der Nestle Group, Jesse Ng von der Swiss Asian Chamber of Commerce, David Ehnimb, CEO der Spanset Group und Markus Eberhard, Geschäftsführer der Fine Solutions AG, dabei waren, kamen auch die Schwierigkeiten zur Sprache. Es ging dabei um Unsicherheit in den Gesetzen, Korruption und auch die Religion.

Im Gegenzug dazu wurden die «indonesischen Botschafter» nicht müde, die Vorzüge des Landes zu loben. Da Ïndonesien kleiner sei als China, sei es auch einfacher, erste Investitionen zu tätigen. Die Leute seien flexibel, offen und lernbegierig. «Ich habe Leute angestellt, die konnten kein Wort englisch sprechen und heute kommuniziere ich täglich mit ihnen in Englisch», sagte Lehmann.

Markus Eberhard macht Zollberatung für Unternehmen, die nach Indonesien expandieren. Er sagte: Aufgrund des Freihandelsabkommens sei die Schweiz, was den Zoll angehe, gegenüber der EU momentan im Vorteil. Auch die Stabilität wurde immer wieder hervorgehoben. «Ich bin überzeugt, die Situation in Indonesien hält», sagte Peter Vogt.

Zum Schluss kam Aepli nochmals auf Andreas Geistlich zurück, ob er nun moviert sei, in Indonesien zu investieren? «Ich bin interessiert», gab dieser zurück.