Verkehr

Immer mehr Velounfälle in Zürich – was kann man dagegen tun?

Beispiel Bahnhof Altstetten: Wegen der Zunahme an Velounfällen werden Unfallschwerpunkte umgestaltet.

Beispiel Bahnhof Altstetten: Wegen der Zunahme an Velounfällen werden Unfallschwerpunkte umgestaltet.

2018 haben vor allem die E-Bike-Unfälle erneut stark zugenommen – nicht nur wegen des Wetters.

In der Bahnhofunterführung Zürich Altstetten montierte die Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr kürzlich ein riesiges Leuchtplakat. Es zeigt Velofahrern, dass hier eine scharfe Rechtskurve unter den Gleisen hindurchführt. Offenbar hatten Velofahrer oft die Kurve nicht gekriegt und waren in die Wand geknallt, wie Wernher Brucks von der Dienstabteilung Verkehr gestern am Rande der Medienkonferenz zur Verkehrsunfallstatistik 2018 sagte.

Die kantonale Statistik zeigt einen anhaltenden Trend auf: Die Zahl der E-Bike-Unfälle steigt stark an. Im Vergleich zum letzten Fünfjahresdurchschnitt hat sie sich mehr als verdoppelt. 2018 ereigneten sich im Kanton Zürich 334 E-Bike-Unfälle, 81 mehr als im Jahr zuvor; davon waren 265 Unfälle mit Personenschaden.

Zum Vergleich: Die Zahl der Autounfälle sank von 12 469 (2017) auf 11 976 (2018), wobei es auch weniger Unfälle mit Verletzten (2168) gab als in den drei vorangehenden Jahren. «Die Personenwagenfahrer profitieren von den laufend verbesserten technischen Systemen», sagte Frank Schwammberger, Chef Verkehrspolizei bei der Kantonspolizei Zürich.

Während Autofahren tendenziell sicherer wird, tragen vor allem die rasant zunehmenden E-Bike-Unfälle dazu bei, dass es auf den Zürcher Strassen letztes Jahr mehr Verletzte gab. Ein Faktor war dabei laut Schwammberger auch das schöne Wetter, das insgesamt zu mehr Fahrradverkehr führte. Doch die E- Bike-Unfälle nahmen viel stärker zu als jene mit herkömmlichen Fahrrädern. Letztere stiegen im vergangenen Jahr von 1267 auf 1353.

Veränderte Mobilität

Verkehrspolizeichef Schwammberger sprach deshalb von einem veränderten Mobilitätsverhalten: «Sowohl in der Freizeit als auch auf dem Arbeitsweg werden vermehrt Zweiräder statt Personenwagen oder der öffentliche Verkehr benützt.» Eine zentrale Rolle spiele dabei der ungebrochene E-Bike-Boom.

Während vor wenigen Jahren noch vor allem Senioren-Unfälle mit E-Bikes in der Unfallstatistik auffielen, trifft es jetzt vermehrt auch 45- bis 60-jährige E-Biker. Dies deute darauf hin, dass das E-Bike sich als Fahrzeug für den Arbeitsweg etabliert habe.

Der Verkehrssicherheitsexperte der Stadt Zürich bestätigte dies: «Es wird eindeutig mehr Velo gefahren», so Brucks. An den Einfallstrassen Zürichs liessen sich im Pendlerverkehr immer mehr E-Bikes beobachten. Brucks sagte weiter: «Wir haben wahrscheinlich eine Infrastruktur, die dem nicht ganz gewachsen ist.»

Was dabei besonders ins Gewicht fällt: E-Bikes sind schwerer und schneller als herkömmliche Velos. Darauf müssen sich nicht nur die Verkehrsteilnehmenden einstellen. Auch an den Velowegen und Strassen braucht es offenbar Anpassungen, wie Nachfragen an der Medienkonferenz ergaben.

Entsprechend bessern die Verkehrsexperten von Stadt und Kanton Zürich an einschlägigen Unfallschwerpunkten nach; zunächst mit provisorischen Markierungen, dann mit baulichen Massnahmen. Neben der Unterführung beim Bahnhof Altstetten nannte Brucks ein weiteres Stadtzürcher Beispiel: die Ecke Dörflistrasse/Schwamendingenstrasse, an der Velofahrende, die bergab in Richtung Hallenstadion rollen, von rechtsabbiegenden Autos geschnitten werden. Insgesamt gebe es derzeit in Zürich rund 30 Unfallherde, die im Rahmen des Projekts «Velo Sicuro» sicherer gemacht werden.

Die Kantonspolizei analysiert laut Schwammberger alle zwei Wochen das Unfallgeschehen, um bei Unfallschwerpunkten rasch zu reagieren – zum Beispiel mit Kurvenleitpfeilen. Oft gehe es darum, Markierungen besser sichtbar zu machen, sagte Sandro Ineichen, Verkehrsanalyst der Kantonspolizei, auf Anfrage. Zudem gelte es zu berücksichtigen, dass schnellere Velos einen anderen Kurvenradius haben.

Der anhaltende E-Bike-Boom wirft auch die Frage nach einer Fahrkurspflicht, Fahrprüfungen oder Helmpflicht auf. Verkehrspolizeichef Schwammberger sagte dazu, das sei Sache der Politik. Und fügte an: «Es liegt auf der Hand, dass Kurse eine gute Sache wären.»

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