Urdorf

Imkerin aus Leidenschaft: Sie schwärmt für ihre Honigbienen

Seit 20 Jahren ist Brigitte Hilfiker leidenschaftliche Imkerin. Nun gibt sie ihr Wissen in der Kirche weiter.

Seit 20 Jahren ist Brigitte Hilfiker leidenschaftliche Imkerin. Nun gibt sie ihr Wissen in der Kirche weiter.

Brigitte Hilfiker betreut 25 Bienenvölker im Limmattal. Nun unterstützt die 62-Jährige die reformierte Kirche Urdorf bei der Durchführung der Ausstellung «Bienenwunder».

Wabenförmige Stellwände schmücken den Vorplatz der Neuen Reformierten Kirche Urdorf. «Bienenwunder» steht in grossen gelben Lettern in einem Rundbogen vor dem Eingang zum Gotteshaus. «Ich habe Freude an den liebevollen Details. Die Fühler über den Waben dienen abends als Leuchten, das macht das Ganze heimelig», sagt Brigitte Hilfiker, während sie durch die neu eröffnete Wanderausstellung der Stiftung Zürcher Kerzenziehen spaziert, die bis zum 20. September in Urdorf gastiert. Hilfiker ist seit mehr als 20 Jahren leidenschaftliche Imkerin und unterstützt die reformierte Kirche mit ihrem Fachwissen. Die Urdorferin begleitet diverse Veranstaltungen, die die Kirchenpflege zusätzlich zur Ausstellung auf die Beine gestellt hat.

Im Zentrum dieser Anlässe steht das Leben der Honig- und Wildbienen. Heute Abend findet ein erster solcher Event statt. Die Kirche zeigt um 19.30 Uhr den Dokumentarfilm «More Than Honey». Hilfiker begleitet die Vorführung und beantwortet im Anschluss Fragen. Doch nicht nur das: Am 2. September wird die 62-Jährige einen Kinderanlass durchführen und mit den Kleinen mit Bienenprodukten basteln. Am 3. September informiert sie über die Bienenhaltung und am 10. September zeigt sie nach Hansueli Thomas’ Vortrag zum Thema Wachs, wie man Kerzen herstellt.

Hilfiker freut sich darauf. «Es ist schön, dass ich Menschen von meinem Hobby erzählen und dadurch mehr Verständnis schaffen und Wissen vermitteln kann.» Ihr gefalle die Ausstellung. «Die Texte auf den zwölf Tafeln sind kurz und prägnant. Die Themenwahl finde ich gelungen», sagt Hilfiker, die als Vizepräsidentin des Vereins Zürcher Bienenfreunde amtet und zugleich Mitglied im Natur- und Vogelschutzverein Urdorf ist.

Sie pflegt drei Bienenhäuser

Vor einer Stellwand mit der Überschrift Bienenhaus bleibt Hilfiker stehen. «Mit einem solchen Weissenseifener Hängekorb habe ich vor 20 Jahren mit dem Imkern angefangen», sagt sie und zeigt auf die Bienenbeute auf dem Bild. Zu Beginn habe sie damit ein Bienenvolk im Garten ansiedeln wollen. «Im Freilichtmuseum Ballenberg fertigte ich extra einen solchen Korb. Doch ich hatte damals noch nicht so viel Ahnung. Die Bienen sind im ersten Winter leider eingegangen», erzählt Hilfiker. Sie beschloss, Imkerkurse zu besuchen, und lernte dort viele erfahrene Bienenfreunde kennen, die ihr Bienenhausstandorte und Bienenvölker vermittelten. Heute kümmert sich Hilfiker um drei Bienenhäuser in Urdorf, Schlieren und Unterengstringen mit insgesamt 25 Völkern. «Ein Bienenvolk besteht im Winter aus 5000 bis 7000 Tieren und kann im Sommer sogar bis zu 30'000 Exemplare zählen», erklärt Hilfiker.
Die Imkerbetriebsprüferin und -grundkursleiterin erntet jedes Jahr Honig. Ausser 2019: «Der Frühling war viel zu kalt. Bienen fliegen ab einer Temperatur von 10 Grad, Pflanzen produzieren ab 12 Grad Nektar. Es gab nicht mal ein Kilo Honig, daher liess ich es ganz sein.»

2020 scheint jedoch vielversprechend. «Dieses Jahr ist ein Bombenjahr. Wir erwarten einen überdurchschnittlich hohen Ertrag.» Die Honigernte ist laut Hilfiker bei Imkerinnen und Imkern aber umstritten. «Die Bienen brauchen den Honig als Nahrungsvorsorge. Doch der Waldhonig im Sommer enthält viele Mineralien und mehr Fruktose als Glukose. Damit sind die Tiere für den Winter weniger gut gerüstet. Deshalb füttern viele Imker sie mit Zuckerwasser», sagt Hilfiker. Sie spricht sich für eine massvolle Nutzung des Honigs aus. «Es ist ähnlich wie beim Melken von Kühen. Die Tiere müssen Milch abgeben, damit sie keine Schmerzen haben und damit neue Milch produziert wird. So in etwa ist es bei den Bienen. Indem man die Waben voller Honig rausnimmt, schafft man Platz für neuen.» Hilfiker würde jedoch nie mehr als einmal im Frühling und im Sommer Honig ernten. Der Rest sei für die Tiere, sagt sie.

Hilfiker persönlich mundet besonders der milde Frühlingshonig. «Weil er mehr Glukose als Fruktose enthält, wird der Blütenhonig fest.» Doch es gebe auch viele Personen, die den geschmacklich intensiveren und flüssigen Waldhonig im Sommer bevorzugen würden. In ländlicheren Gebieten wie in Urdorf variiere der Geschmack des Honigs jedes Jahr. «Es kommt auf die Zusammensetzung des Nektars an und darauf, welche Blüten den Bienen zur Verfügung stehen», sagt Hilfiker. Daher sei es auch nicht möglich, den gleichen Honig wie im Vorjahr zu produzieren. Glück habe sie in all den Jahren gehabt, dass sich ihre Bienen nie vergiftet haben. «Die konventionelle Landwirtschaft setzt auf Insektizide, was für Bienen tödlich sein kann. Deshalb dürfen Bauern tagsüber während der Bienenflugzeit nicht spritzen», sagt Hilfiker. Es freue sie, dass die Ausstellung auf dieses Problem aufmerksam mache und zeige, wie wichtig Bienen bei der Bestäubung von Blütenpflanzen sind.

Mystisch summender Bienenstock wirkt beruhigend

Für Hilfiker ist es das Schönste, wenn sie vor dem summenden Bienenstock stehen kann. «Das Geräusch hat etwas Mystisches für mich, es wirkt beruhigend.» Auch der Lebenszyklus von der Ammenbiene zur Baubiene über die Wächterbiene bis zur Sammelbiene fasziniere sie. Wie viele Male sie schon gestochen worden sei, könne sie nicht sagen. «Sicher sehr oft. Aber nie, weil die Bienen aggressiv sind, sondern, weil ich sie irgendwo im Ellenbogen oder in der Kniekehle eingeklemmt habe.» Bienen würden sich verteidigen, jedoch nie ohne Grund angreifen. Der beste Tipp, sich vor Stichen zu schützen, sei lange Kleidung zu tragen und nicht herumzufuchteln. «Ich ziehe immer einen Imkeranzug mit Schleier an und trage Handschuhe. Einige Kollegen würden auf Letztere verzichten, doch ich arbeite lieber in Vollmontur», sagt Hilfiker. Und wenn es trotz allen Vorkehrungen doch zu einem Stich kommt, ist sie gut ausgerüstet. «Ich schwöre auf einen elektronischen Stichheiler, der die Stelle auf 51 Grad erhitzt und so das Eiweiss im Bienengift zerfallen lässt.»

Die ersten Reaktionen auf die Ausstellung, die am Montag startete, seien bisher durchweg positiv, sagt Hilfiker. «Ein Besucher hat mir bereits angeboten, mich beim Imkern zu unterstützen, weil er sich so dafür interessiert.» Sie hofft, dass künftig noch mehr Bienenfreunde Ausbildungen und Kurse besuchen. «Es ist wichtig, dass man als Imker Bescheid weiss und im Falle von Krankheiten richtig vorgeht.» Bienenschädlinge wie die Varroamilbe würden sich durch die Flugtätigkeit der Tiere schnell von einem Volk auf das andere ausbreiten. Das gelte es zu verhindern, um die Bienen nicht zu schwächen, sagt Hilfiker. «Damit wir Menschen das Bienenwunder für immer erleben dürfen.»

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