«Die J-Fägete wandelt sich, aber die Zahl elf in unserer Gruppe bleibt, so rückt jeweils nur ein neues Mitglied nach, wenn einer aussteigen möchte», sagt Willi Vogel vom 11er Club, der die jährliche Fasnachtsgaudi organisiert. Viele der Besucher würden zwar jedes Jahr am selben Ort sitzen, aber dennoch sei deutlich ein Wandel im Gange: «Die Jungen feiern anders», fasst Vogel zusammen. «Sie kommen viel später und sitzen weniger. Früher wurde immer bis spät in die Nacht auf den Bänken geschaukelt.» Das käme gar nicht mehr vor.

Schlagersong "Pure Lust am Leben"

Das Schlager-Trio Vollgas Kompanie mit dem Song "Pure Lust am Leben"

Beim Programm hält die J-Fägete aber an der Tradition fest: Jeweils zwei Guggenmusiken aus Dietikon und zwei aus der Umgebung sorgen neben dem Schlager-Trio Vollgas Kompanie und den Guggi-Häxe für Stimmung. Aber trotz wandelnder Feiergepflogenheiten: Getreu dem Motto des Schlagersongs «Die Lebenslust kann mir keiner nehmen» kam bereits bei der ersten Gugge Gyre-sümpfer aus Widen mächtig Partylaune auf.

Auftritt der Gyre-sümpfer Widen

Auftritt der Gyre-sümpfer aus Widen

Die Guggi-Häxe dekorieren und schminken alle Besucher

«Wir dekorieren, schminken und parfümieren die Besucher, dabei wird keine Rücksicht genommen, ob jemand kostümiert ist oder nicht», sagt Stefanie Salm. In Acht nehmen müssen sich somit alle im Raum, wenn traditionsgemäss die Oberhexe Zentiara (Stefanie Salm) oder Tibantina (Florian Hunsperger) und weitere Mitglieder der Guggi-Häxe Dietikon durch die Reihen tanzen. «Ein paar von uns waren heute bereits in Luzern an der Fasnacht, jene die nicht arbeiten mussten», erzählt Salm. Und am Abend treffe man sich in der geschmückten Turnhalle. Unentbehrlich gehören die in Dietikon verwurzelten Guggi-Häxe als Kontrast zu den Auftritten der Guggenmusik zum festen Programm.

Stefanie Salm und Florian Hunsperger.

Stefanie Salm und Florian Hunsperger.

Ohne Pauke, aber nie ohne Kostüm

Die gemütliche Stimmung und die Tanzmusik mache die J-Fägete aus, sagt Jorge Gombor aus Berikon. Den Ort so speziell machen für ihn aber erst die eigenen Kollegen. «Für jemanden wie mich, der vor zwei Jahren eine Guggenmusik verliess, ist die Kostümierung natürlich unentbehrlich und gehört einfach dazu», sagt er. Er sehe, dass diese Tradition auch bei jungen Menschen in letzten Jahren wieder vermehrt aufkomme. Zusammen mit seinen Freunden feierte er den Abend somit ohne eigenen Auftritt an der Pauke.

Jorge Gombor (42, zweiter von rechts)

Jorge Gombor (42, zweiter von rechts)

Verkleiden seit 15 Jahren

«Wir gehören noch zur alten Garde der Fasnächtler und verkleiden uns jedes Jahr anders», sagt Monika aus Dietikon, die in diesem Jahr in einem Wespenkostüm erschien. Seit 15 Jahren geht sie zusammen mit Isabella zur J-Fägete. Auch die beiden bemerken einen Wandel. «Es ist nicht mehr dasselbe und die Tradition der Fasnacht scheint mir bei den Jungen nicht mehr so verwurzelt», meint Monika und Isabella ergänzt: «Vielleicht ist auch generell immer und überall einfach zu viel los». Früher sei es hier auch in den frühen Stunden voll gewesen. Dass dem nicht mehr ganz so ist, sei eigentlich Schade.

Monika (links) und Isabelle (rechts).

Monika (links) und Isabelle (rechts).

Auch ohne Verkleidung mit viel Elan dabei

Nach den eigenen Proben mit der Stadtjugendmusik Dietikon ging es für den 22-jährigen Jérémy Scheurer direkt zur J-Fägete. «Wir haben in den vergangenen Jahren etwa am Hudi-Ball schon mehrfach Preise gewonnen für eine spezielle Kostümierung», erzählt er. Eigentlich gehöre es schlicht dazu, so bliebe ihm die Probe und der direkte Umzug zur Turnhalle als einzige Ausrede für die normale Strassenbekleidung. Unter seinen Freunden fiel dies aber nicht auf und auch seinem Spass tat dies keinen Abbruch. «Es ist ein cooles Fest, um die Fasnacht zu feiern.» Wenn auch mit montiertem Gehörschutz, denn schliesslich werde es an diesem Abend mehrmals sehr laut.

Jérémy Scheurer (22, ganz rechts) mit Freunden.

Jérémy Scheurer (22, ganz rechts) mit Freunden.

Schon seit 10 Uhr morgens am Musizieren

«Der schmutzige Donnerstag ist wie Weihnachten für einen Fasnächtler und der ganze Tag somit ein Highlight», sagt Marcel Hagenbuch nach seinem Auftritt mit der Guggenmusik Gyre-sümpfer aus Widen. «Wir haben heute um 10 Uhr begonnen und schliessen mit der J-Fägete ab.» Seit drei Jahren hat Dominic Meier die musikalische Leitung inne. Man komme für einmal aus dem Alltag heraus an der Fasnacht und es habe eben nicht nur mit Alkohol zu tun, betont er. «Unser Ziel ist erreicht, wenn wir die Leute mitreissen können und sie mitgehen – dabei geht es nicht nur um eine grosse Show, wichtiger ist die Musik», so Meier. In der Tat sorgten sie mit einem farbenfrohen und bewegungsreichen Auftritt für Partystimmung.

Dominic Meier (26, links) und Marcel Hagenbuch (34)

Dominic Meier (26, links) und Marcel Hagenbuch (34)

Immer als Familie erkennbar

Man verpasse schlicht den Spass, wenn man sich die J-Fägete entgehen lasse, heisst es von den Frauen der Familie Wirz aus Bergdietikon, die ebenfalls jedes Jahr erscheinen, sofern es der Kalender zulässt. Man könne sie als Fasnachtskinder bezeichnen, denn wenn die Daten passen, sind sie immer dabei und laufen in der Gruppe mit demselben Kostüm herum. In diesem Jahr erschienen die jungen Damen verkleidet als Schokobons in ihren roten Tütüs. Bevor sie eintraten, trafen sie schon die ersten bekannten Gesichter – man kennt sich.

Michelle, Fabienne, Jeannine und Ania Wirz (von links).

Michelle, Fabienne, Jeannine und Ania Wirz (von links).

Der Mitorganisator

Seit 2014 im 11-er Club Dietikon mit dabei ist René Roth, der an der diesjährigen J-Fägete den Einlass übernahm. «Wir organisieren auch andere Feiern unter dem Jahr – so etwa Geburtstage», erzählt Roth. Das sei ein Talent der Klubmitglieder. Eine J-Fägete gäbe es eben nirgendwo anders in dieser Form, das mache den Anlass so speziell. «Aber um die Fasnacht zu feiern, gibt es natürlich viele Orte», meint er. Statt einer Ganzkostümierung sind die Klubmitglieder jeweils im Gesicht identisch geschminkt.

René Roth

René Roth