Dietikon

«Ich hätte die wichtigste Stimme gehabt»: Markus Erni (SVP) tritt heute als Dietiker Ratspräsident ab

Markus Erni, empfängt zum Interview.

Markus Erni, empfängt zum Interview.

Der SVP-Politiker Markus Erni zieht eine positive Bilanz, auch wenn er nicht mitreden durfte. Er bedauert, dass sein Jahr als Dietiker Ratspräsident schon zu Ende geht. Der 49-Jährige spricht von vielen neuen Kontakten, die er knüpfen konnte.

Heute Abend geht Ihr Jahr als Ratspräsident zu Ende. Sagen Sie «schon zu Ende» oder «zum Glück zu Ende»?

Markus Erni: Für mich überwiegt ganz klar das «schon zu Ende». Und ich würde auch noch ein «leider» hinzufügen. Denn die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht. Die Zeit verging wie im Fluge. Ich habe dank des Amtes viele Erfahrungen gemacht und Kontakte zu Dietikerinnen und Dietikern geknüpft.

Sie mussten sich als höchster Dietiker überall zeigen. Hatten Sie da nie genug?

Es gibt viele Termine, aber die sind auch wichtig. Wenn der Ratspräsident bei einer Generalversammlung oder an einem Kleintierzüchteranlass dabei ist, freuen sich die entsprechenden Vereine. Es zeigt ihnen, dass die Politik sie ernst nimmt und ihre Arbeit wertschätzt.

Welcher Anlass war speziell?

Sicher einmalig war die Einladung zur GV des Frauenvereins. Da der sonst auch anwesende Pfarrer gefehlt hat, war ich der einzige Mann im Saal. Ich war sehr angetan von der Schaffenskraft dieses Vereins, der abseits von der öffentlichen Wahrnehmung so viel für die Bevölkerung von Dietikon leistet. Und an der Seniorenweihnacht wurde ich wegen meiner grauen Haarpracht scherzhaft gefragt, ob ich nun als Ratspräsident oder als gewöhnlicher Besucher dabei sei.

Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken, was war der Höhepunkt?

Es gab sehr viele positive und überraschende Erlebnisse. Eines der Highlights, das mir einfällt, war sicher die Einladung des Stadtrates an eine Sitzung. Ich konnte sehen, wie die Stadträte über politische Themen kontrovers diskutiert haben, wie sie einander aber auch zuhören und zu Lösungen gekommen sind. Der Stadtrat betont gegen aussen ja immer, dass die Zusammenarbeit in der Behörde gut funktioniere. Ich konnte mich davon überzeugen, dass das nicht nur eine Worthülse ist.

Gab es negative Erlebnisse?

Nein. Natürlich kamen an Veranstaltungen auch Personen auf mich zu, die sich beispielsweise wegen des Baus der Limmattalbahn ärgerten und mich als sogenannt höchsten Dietiker aufforderten, sofort etwas zu unternehmen. Aber das ist nichts Negatives. Der Austausch mit der Bevölkerung gehört für einen Politiker dazu. Man wird dabei nicht immer nur gelobt.

Ein Nachteil des Amtes als Ratspräsident ist aber, dass er sich bei den Abstimmungen enthalten muss.

Das war für mich kein Problem. Immerhin habe ich theoretisch über die wichtigste Stimme verfügt. Bei einem Unentschieden hätte ich den Stichentscheid gehabt. Fast wäre es dazu gekommen. Mehr gewurmt als das Nicht-Abstimmen-Können hat mich in den letzten zwölf Monaten, dass der Ratspräsident nicht mitreden darf. Ich hätte sicher das eine oder andere Votum pointierter geführt.

Dass im Dietiker Parlament grundsätzlich wenig gestritten wird und oft über die Parteigrenzen Einigkeit herrscht, fällt auf. Gibt es einen Grund für die gute Stimmung?

Es gibt natürlich in den Voten einzelner Politikerinnen und Politikern immer wieder einmal Spitzen gegen andere Parteien oder Andersdenkende. Das gehört zur Politik. Dass es in diesem Jahr aber eher ruhig war, ist darauf zurückzuführen, das es keine wichtigen Geschäfte gab, bei welchen sich die Parteien diametral gegenüberstanden. Die Notwendigkeit der Anträge des Stadtrates war eigentlich meistens unbestritten. In diesem Jahr kam es zudem auch mehrmals vor, dass der Stadtrat die Anliegen von eingegangenen Postulaten und Interpellationen schon umgesetzt hatte, als die Vorstösse in den Ratsaal kamen. Dadurch gibt es weniger Konfliktpotenzial. Ich denke, auch das bringt die Stadt Dietikon weiter.

Sie selber hätten aber, wie Sie sagten, einige Voten doch pointierter gehalten. Welche?

Das sind vergangene Geschäfte, die sind erledigt. Ich werde jetzt aber wieder als gewöhnliches Ratsmitglied tätig sein und mich etwa bei Baugeschäften wieder zu Wort melden. Da wartet zum Beispiel der Kreditantrag zur Zehntenscheune, mit dem ich momentan noch alles andere als glücklich bin. Dann gibt es noch die Kreditabrechnungen zu den Planungen der Kronenliegenschaften und dem Bau des Altersheims Ruggacher, bei welchen es meiner Auffassung nach noch Klärungsbedarf gibt.

Dann politisieren Sie weiter? Viele treten nach dem Ratspräsidium zurück.

Das Präsidium ist sicher der Höhepunkt meiner parlamentarischen Karriere. Ich werde aber die laufende Legislatur, die noch zwei Jahre dauert, zu Ende machen. Dann werde ich 20 Jahre im Gemeinderat sein, das ist eine schöne, runde Zahl.

Kommt dann ein Stadtratsamt in Frage? Immerhin wissen Sie jetzt, wie dessen Sitzungen aussehen.

Die Erneuerungswahlen sind noch weit weg. Die SVP muss sich – wie alle anderen Parteien – überlegen, wie sie antreten will. Da stellt sich beispielsweise die Frauenfrage.

Ihr Grossvater und Ihr Vater hatten sich bereits in Dietikon engagiert, jetzt Sie lange. Warum eigentlich?

Dietikon liegt mir als Bürgerort einfach sehr am Herzen. Die Stadt bietet enorm viel, wie ich gerade auch in diesem Präsidialjahr wieder direkt miterleben konnte. Die traditionellen Anlässe sind beispielsweise toll. Der Chlauseinzug, die Chalä-Chilbi oder die Sichlete. Letztere haben Junge übernommen, die die Tradition weiterführen wollen. Das zeigt doch, dass das Dorf trotz des Wachstums und der Verstädterung lebt.

Das Image von Dietikon ist aber ein anderes.

Die Stadt ist meiner Meinung nach ein ungeschliffener Diamant. Es liegt an uns allen, dass wir mit unserem Engagement zum Feinschliff beitragen, damit wir uns später am Glanz erfreuen können.

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