Schlieren

«Ich bin nicht verängstigt» – so geht es der Schlieremer Gemeinderätin Silvia Meier als Corona-Risikopatientin

Silvia Meier hat zahlreiche Gesellschaftsspiele gekauft für den Fall, dass sie und ihre Familie in Quarantäne müssen.

Silvia Meier hat zahlreiche Gesellschaftsspiele gekauft für den Fall, dass sie und ihre Familie in Quarantäne müssen.

Mit ihrer chronischen Erkrankung gilt die Gemeinderätin Silvia Meier als Corona-Risikopatientin. Im Interview führt die 37-jährige aus, wie sie mit dem Corona-Virus umgeht.

Fürchten Sie sich vor dem Corona-Virus?

Silvia Meier: Sämtliche Medien, denen ich in den vergangenen Tagen Interviews gab, würden gerne hören, dass ich verängstigt, hoffnungslos und betrübt bin. Dem ist aber nicht so. Zwar nehme ich den Virus als Risikopatientin sehr ernst, aber ich fürchte mich viel stärker vor den irrationalen Impulshandlungen der Menschen.

Wie meinen Sie das?

Mit den Hamsterkäufen und dem Stehlen von Schutzmasken gefährden gesunde Menschen das Leben von jenen, die den Risikogruppen angehören. So braucht eine Krankenschwester viel dringender eine Gesichtsmaske zur Behandlung eines Patienten, als jemand, der gesund ist.

Gehen Sie noch einkaufen?

Ja, das muss ich. Ich verlasse das Haus jedoch nur, wenn es zwingend notwendig ist. Anfänglich löste ich für den Arbeitsweg ÖV-Tickets für die erste Klasse, da man dort einen grösseren Abstand zu anderen Pendlern halten kann, doch muss ich nun wohl vermehrt zu Hause bleiben.

Sie leiden unter der chronischen Psoriasis-Arthritis, einer speziellen Form von Gelenkentzündung. Warum macht Sie dies zu einer Risikopatientin?

Damit meine Symptome gelindert werden, nehme ich Medikamente ein, die mein Immunsystem herunterfahren. Dies öffnet Grippe- und Corona-Viren Tür und Tor. Viele meiner Bekannten ziehen es in Betracht, ihre Medikamente für einige Wochen abzusetzen. Ich rate davon ab, da es einige Monate dauern kann, bis sie ihre Wirkung verlieren. Wie stark das Virus dann noch verbreitet ist, weiss aktuell niemand. Zudem würde die Wahrscheinlichkeit für einen Schub steigen, wenn man auf seine Medikation verzichtet.

Treffen Sie irgendwelche anderen Vorkehrungen?

Im Rahmen meiner Möglichkeiten tue ich das. So habe ich zahlreiche Gesellschaftsspiele gekauft für den Fall, dass meine Tochter, mein Freund und ich in Quarantäne müssen. Mein Freund gehört ebenfalls zur Risikogruppe, da er Diabetiker ist. Die Schule Schlieren hat vorbildlich reagiert und mir an­geboten, meine Tochter für ­einige Tage zu dispensieren. Dies werde ich aber erst in Anspruch nehmen, wenn Schlieren seinen ersten bestätigten Fall hat und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass meine Tochter uns anstecken könnte. Desinfektionsmittel konnte ich keines mehr kaufen, sodass mir Bekannte einige Flaschen via Post zukommen liessen. Dafür bin ich dankbar.

In Ihrem Umfeld befinden sich viele chronisch Kranke. Wie gehen diese mit der Situation um?

Weil man nichts mehr tun kann, ohne an das Virus zu denken, ist die Stimmung bei Risikopersonen in meinem Umfeld sehr schlecht. Einige haben sogar grosse Angst. Besonders jene mit einer Erkrankung der Atemwege, beispielsweise der chronischen Lungenkrankheit COPD, trauen sich teils kaum mehr aus dem Haus.

Was kann man als Gesunder tun, um zu helfen?

Da chronisch Kranke oft finanziell schlecht dastehen, wollte ich etwas unternehmen. Daher stellte ich für eine Bekannte ein Paket zusammen mit dem Nötigsten wie Teigwaren, Fertigsuppen und Nüssen. Davon filmte ich ein Video und veröffentlichte es auf Facebook mit dem Aufruf, man solle sich mittels persönlicher Nachricht melden, wenn man selber auch ein solches Päckli verschicken oder erhalten möchte.

Wie viele solche Päckli wurden bisher versandt?

Diese Woche ist bereits das 72. auf dem Weg zu einer Empfängerin oder einem Empfänger. Zahlreiche Personen zeigten sich sehr grosszügig. So ist ein T-Shirt-Ladenbesitzer etwa bereit, zahlreiche Kleidungsstücke zu spenden. Die Anzahl Spender, die mich mittels privater Nachricht über die sozialen Medien kontaktiert und so die Adresse einer Person erhalten, die gern ein Päckli erhalten möchten, ist überwältigend.

Und bezüglich des Virus: Zu welchem Verhalten raten Sie Ihrem Umfeld?

Man sollte sicherlich ruhig bleiben und die Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit befolgen. Besonders für jene, die auf die Fasnacht oder einen anderen Grossanlass verzichten mussten, mag das schwer sein. Aber um effektive Prävention leisten zu können, sind wir auf die Solidarität der Jungen und Gesunden angewiesen.

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