Dietikon

«Ich bin immer noch neugierig»: Gabriele Olivieri freut sich auf sein Amtsjahr

«Wenn wir uns nur streiten, kommt es für Dietikon nicht gut», sagt Gabriele Olivieri.

«Wenn wir uns nur streiten, kommt es für Dietikon nicht gut», sagt Gabriele Olivieri.

Mit 29 von 31 Stimmen wurde Gabriele Olivieri (CVP) letzte Woche zum neuen Dietiker Gemeinderatspräsident gewählt. Der 64-Jährige erzählt im Interview, auf was er sich in seinem Jahr als Gemeinderatspräsident freut.

Sie sind seit knapp einer Woche Gemeinderatspräsident. Wie fühlt es sich an, höchster Dietiker zu sein?

Gabriele Olivieri: Es ist ein schönes Gefühl, so etwas erreicht zu haben. Ich habe bis jetzt schon eine Menge Gratulationen erhalten. Viele davon per Mail wegen der aktuellen Situation mit dem Corona-Virus. Ich bin gespannt, was noch alles auf mich zukommen wird. Etwa, ob wir wegen des Corona-Virus so weiter arbeiten können wie bisher.

Und auf was freuen Sie sich in ihrem Präsidialjahr besonders?

Auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Gemeinderat. Ich bin jetzt schon lange dabei und kenne die Abläufe. Aber wie es ist, die Sitzungen zu leiten, weiss ich noch nicht. Für mich wird es spannend sein zu sehen, ob ich alles richtig einfädle, damit wir ohne Zwischenfälle arbeiten können.

In ihrer Rede nach der Wahl zum Gemeinderatspräsidenten haben Sie gesagt, dass Sie darauf setzen, dass man im Rat anständig miteinander umgeht.

Genau. Ich habe aber auch gesagt, dass im Gemeinderat eine gute Atmosphäre herrscht. Es kann jedoch nie schaden, wenn man auf einen anständigen Umgang miteinander hinweist. Das ist für mich das Allerwichtigste, um vorwärts zu kommen. Wenn wir uns nur streiten, kommt es für Dietikon nicht gut.

Ein anderes ihrer Ziele ist es, Eingebürgerte zu ermutigen, sich vermehrt im lokalen politischen Leben einzubringen. Wie wollen Sie das erreichen?

Als erstes gehe ich selber als Beispiel voran. Als jemand, der im Ausland geboren wurde und eine Fremdsprache sprach, als er in die Schweiz kam. Dann will ich sicher auch mit den Kollegen des Integrationsforums, wo ich auch dabei bin, eng zusammenarbeiten und so die verschiedenen Sprachgruppen besser kennen lernen. In der italienischsprachigen Bevölkerung habe ich schon viele Kontakte.

Woran liegt es, dass viele Eingebürgerte Hemmungen haben, sich politisch zu engagieren?

Bei der ersten Generation ist die Sprache sicher das grösste Hindernis. Dann kommt hinzu, dass man wenig Bezug zur Lokalpolitik hat, wenn man in der Familie gar nicht über Politik diskutiert oder nur über jene aus dem Heimatland. Viele Leute wissen daher nicht im Detail, wie unsere direkte Demokratie funktioniert.

Dabei gibt es viele Themen, die uns alle angehen, etwa im Schul­bereich.

Genau. Dass wir über den Bau eines Schulhauses abstimmen können, das ist nicht überall auf der Welt möglich. Vielerorts wird einfach von oben her bestimmt. Das werde ich versuchen, den Leuten zu vermitteln.

Sie selber sind vermutlich der erste Dietiker Gemeinderatspräsident, der im Ausland geboren und mit einer Fremdsprache eingeschult wurde. 2001 wurden Sie eingebürgert und 2003 rückten Sie in den Gemeinderat nach. Wie wurde ihr Interesse für die Lokalpolitik geweckt?

Ich war schon vor meiner Einbürgerung politisch interessiert. Die lokale Politik habe ich schon damals in der Zeitung verfolgt. Zudem habe ich auch viele Anlässe besucht und so unterschiedliche Leute kennen gelernt. Als ich dann eingebürgert war, wurde ich schon bald gefragt, ob ich nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle.

Anlässe in Dietikon zu besuchen wäre auch ein guter Rat an die Leute. So lernen sie ihre Stadt noch besser kennen?

Auf jeden Fall. Auch wenn man nicht abstimmen oder wählen kann, sind Anlässe spannend. Gerade in Dietikon leben schon lange viele Ausländer. Da wird man nicht komisch angeschaut, wenn man ein Fest besucht. Im Gegenteil, hier sind die Anlässe offen für alle. Wir haben viele engagierte Vereine, in denen viele Leute, auch Ausländer, aktiv mit dabei sind. Vielleicht kann man den ein oder anderen dazu motivieren, den Schritt zu wagen und sich auch politisch zu engagieren. Ich würde mich aber auch freuen, wenn noch mehr Frauen politisch aktiv wären. Im Dietiker Stadtrat sitzt keine Frau. Das ist schade.

Sie haben den Schritt in die Politik gewagt. Haben Sie ihn nie bereut?

Nein, ich habe es nie bereut, mich politisch zu engagieren. Auch heute noch interessiere ich mich dafür, was um mich herum geschieht.

Als Gemeinderatspräsident werden Sie zu vielen verschiedenen Anlässen eingeladen, um das politische Dietikon zu repräsentieren. Liegen ihnen solche Aufgaben?

Ich freue mich darauf, weil ich gerne unter Leute gehe. Ich bin immer noch neugierig und werde viele Leute treffen, die das Leben in Dietikon mitgestalten. Zudem habe ich, wie etwa bei der Eröffnung des neuen EKZ-Kraftwerks letzte Woche, die Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken. Das finde ich spannend.

Ist es wichtig, sich eine gewisse Neugierde zu erhalten, um so lange Politik zu machen wie sie?

Ich glaube schon. Sich auf Neues einzulassen gehört dazu. Auch damit man wach bleibt.

Sie treten nun ein neues Amt an, obschon Sie sich nicht darum gerissen haben, wie Sie in ihrer Antrittsrede sagten.

Ich kenne den parlamentarischen Betrieb in der Fraktion oder der Kommission schon lange. Die Arbeit im Gemeinderatsbüro kenne ich bislang noch nicht. Kommt hinzu, dass wir eine kleine Fraktion mit vielen neue Leuten sind. Deshalb haben meine Kollegen mich angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mich für das Amt zur Verfügung zu stellen.

Sie sind nun schon seit beinahe 17 Jahren im Parlament. Wie hat es sich in dieser Zeit verändert?

Früher war noch eine viel stärkere Blockbildung vorhanden. Seit den Wahlen vor zwei Jahren hat sich das geändert. Auch weil fast alle Parteien im Stadtrat vertreten sind. Das finde ich positiv. Deshalb rechne ich auch mit einem ruhigen Jahr als Gemeinderatspräsident.

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