Der Wein begegnet uns in den verschiedenen Geschäften stets fixfertig abgefüllt im Regal. Lockend reiht sich dort Flasche an Flasche. Ein Griff und schon ist man im Besitz eines edlen Tropfens. Freilich weiss jeder, dass zwischen Rebe und Flasche etwas passieren musste. Aber was da genau abläuft – wie genau die Rebe nach und nach zum Wein wird – das wissen die meisten nicht.

Der 15. Hobby-Rebbaukurs von Peter Vogler in Weiningen verspricht Aufklärung. Am eigenen Leibe können die Teilnehmer da erfahren, was alles hinter und in einer Flasche Wein steckt. In einer Reihe von acht bis zwölf Praxislektionen dürfen sie schneiden und anbinden, gipfeln und auslauben und – falls alles gut geht – im darauffolgenden Jahr den eigenen Wein abfüllen. Theorieblöcke gibt es zwar auch, im Zentrum steht aber die Praxis.

Konsequentes Zurückschneiden

Am Samstag verschlug es die ersten zwei Teilnehmer des diesjährigen Kurses in Peter Voglers Rebberg. Vom Endprodukt war da noch nicht viel zu sehen: kein Grün, kein einziges Blättchen, lediglich ein paar knorrige Stämme mit Knospen und Trieben. Vogler ging gleich zur Sache. Seine elektronische Baumschere in Betrieb nehmend, demonstrierte er, welcher Hege und Pflege diese Stöcke bedürfen.

«Das muss knallhart weg, ich bin für einen coupe radicale», sagte Winzermeister Vogler. Flugs zwackte er hier und da einen Trieb ab, bis am Stock nur noch ein einziger übrig blieb. Immerhin sollen zwei Reserve-Knospen pro Stamm stehen bleiben. «Sie sind unsere goldene Versicherung – falls etwas schiefgeht.»

Nach der Anschauungslektion durften die Teilnehmer selbst an die Schere – wobei sie sich mit mechanischen begnügen mussten. Jedem war eine eigene Rebreihe mit etwa 65 Stöcken zugeteilt. Während sie tätig wurden, ging Vogler hin und her und gab Instruktionen. «Die Triebe müssen tief sein, bei starken lassen wir acht, bei schwachen etwa sechs Knospen. Und vergesst nicht, sie von vorne zu biegen, es muss richtig knacken dabei!» Ein Vorgehen nach Schablone sei aber schlecht, jede Rebe müsse individuell behandelt werden, sagte Vogler. Und so trat er immer wieder zu den Teilnehmern und fragte fast schon philosophisch: «Was sagt uns diese Rebe?»

Eva van Meer aus Weiningen hatte eine problematische Reihe erwischt: Stockausschläge überall und ein Busch aus aberranten Trieben erschwerten ihr die Arbeit. Offenbar hatte es ihr Vorgänger beim letzten Kurs mit dem Schneiden nicht so genau genommen. «Nimmt mich Wunder, wer das war, dem gebe ich nur zehn Flaschen Wein», sagte Vogler und lachte.

Schwierige Arbeit am Hang

Trotz der Widrigkeiten schlug sich Eva van Meer tapfer. «Es hat mich schon immer interessiert, was eigentlich hinter diesem Wein steckt», sagte sie. «Da ich selber gerne Gartenarbeit mache, hat mich der Kurs gleich angesprochen.» Freilich gestalte sich das Ganze nun doch etwas schwieriger als erwartet.

Helmi Gerner aus Oberengstringen hatte mit seiner Reihe ein besseres Los gezogen. Viel weniger chaotisch präsentierte sich diese und so schritt er mit der Arbeit zügig voran. «Ich bin an Voglers Weinbaubetrieb vorbeispaziert und so zufällig auf den Kurs aufmerksam geworden». Daraufhin habe er sich gleich angemeldet – «und dies obschon ich in der Bierbranche tätig bin».

Der Hobby-Rebbaukurs von Peter Vogler findet – je nach Wetter – acht bis zwölf Mal auf seinem Weingut in Weiningen statt. Kurzentschlossene können sich noch anmelden und kommenden Samstag mit dem Schneiden der Triebe beginnen. Die Kosten für den gesamten Kurs betragen 350 Franken.