Spital Limmattal

Helikopter-Streit geht weiter: Lärm-Gutachten soll Rettungsdienst freien Flug verschaffen

Soll zurück auf den Flugplatz im Birrfeld: der Helikopter der Alpine Air Ambulance.

Soll zurück auf den Flugplatz im Birrfeld: der Helikopter der Alpine Air Ambulance.

Die Verantwortlichen des Limmi halten trotz Kritik der Anwohner am Helikopter-Landeplatz auf dem Spital-Dach fest. Sie setzen auf ein Lärmgutachten, um die Heli-Flüge von der Stadt Schlieren absegnen zu lassen.

Der Helikopter-Einsatzstandort der Alpine Air Ambulance (AAA) auf dem Dach des Spitals Limmattal ist umstritten. Seitdem das Limmi Mitte Juli bekannt gab, dass es auch über die Coronazeit hinaus mit dem Rettungsdienst zusammenarbeiten und ihm das Spital-Dach als Landebasis zur Verfügung stellen will, trafen im Limmi unterschiedliche Rückmeldungen ein. Für Kritik sorgt vor allem der Lärm. Anwohnerin Anita Vollenweider setzte deswegen einen Brief auf und sammelt Unterschriften, damit der Helikopter an seinen Standort auf dem Flugplatz Birrfeld zurückkehrt (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Um die Wogen zu glätten, hat das Spital nun die Bewegungen vom und zum Spital auf Flüge reduziert, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Transporten von Patienten stehen. «Es ist keinesfalls die Absicht des Spitals und der AAA, die Bevölkerung der Region mit zusätzlichem Lärm zu verärgern», sagt Spitaldirektor Thomas Brack. Das Hauptanliegen der Kollaboration sei, die Versorgung und die Rettung im Limmattal zu verbessern. Die Hilfsfristen seien mit dem Helikopter in gewissen Situationen viel schneller. Das hätten die Einsätze während der bisherigen Coronazeit gezeigt, betont Brack.

Pro Tag erfolgen maximal vier Helikopter-Flüge

Die Verantwortlichen des Spitals seien sich bewusst, dass die Zusammenarbeit zu einer Erhöhung der Lärmbelastung in der näheren Umgebung führe. «Aufgrund der kleinen Anzahl Flüge von durchschnittlich ein bis zwei Mal pro Tag und zu Spitzenzeiten bis maximal vier bei eingeschränkten Flugzeiten und nur tagsüber haben wir den Nutzen für die Patienten jedoch höher gewichtet», sagt Brack. Zudem sei man verpflichtet, die Aufgaben als Spital und Zweckverband zu erfüllen. «Dazu gehören die gute Versorgung im Spital, aber auch ein optimales Rettungswesen.»

An der Zusammenarbeit mit der AAA will man deshalb festhalten. Der jetzige Zustand sowie jener vor der Coronazeit mit nur vereinzelten Heli-Flügen könnte daher von kurzer Dauer sein. Der Spitaldirektor will noch diese Woche ein unabhängiges Lärmgutachten in Auftrag geben. «Mit dem Gutachten schaffen wir die Basis für ein neues Gesuch bei der Stadt Schlieren und können künftig die Diskussion faktenbasiert führen», so Brack. Für den Betrieb des Landeplatzes benötigte das Limmi nämlich eine separate Baubewilligung. Diese wurde im Rahmen des Neubaus bei der Stadt Schlieren eingeholt. «Zum damaligen Zeitpunkt ging man davon aus, dass rund zwölf Anflüge pro Jahr stattfinden. Auf der Basis dieser Anzahl wurde die Bewilligung erteilt», erklärt Brack. Darin sei aber auch festgehalten, dass sich an den entsprechenden Auflagen bezüglich des Lärmschutzes auch bei 30 Anflügen pro Monat nichts ändere.

Ziel des Spitals ist es nun, gestützt auf das neue Lärmgutachten und unter Berücksichtigung der eingeschränkten Flugzeiten und Anzahl Anflüge, bei der Stadt ein neues Gesuch für den Landeplatz einzureichen. «Dies ermöglicht einen ordentlichen demokratischen und politischen Prozess, in dem sich die Anwohner einbringen können», sagt Brack. Wichtig sei, dass man Klarheit schaffe und die Gesetze einhalte, damit die Situation nicht eskaliere. «Es wäre schön, wenn dadurch auch ein Dialog mit der Anwohnerschaft, die sich am Lärm stört, entstehen würde.»

Anwohner-Wünsche beim Flugregime berücksichtigen

Brack kann sich nämlich gut vorstellen, dass man auf die einen oder anderen Wünsche der Spitalquartierbewohner beim Flugregime eingehen könnte. «Wenn es zum Beispiel an einem bestimmten Wochentag leiser sein soll, könnte das vielleicht berücksichtig werden.» Der Dialog könne zudem auch dazu dienen, falsche Annahmen aus der Welt zu schaffen, so Brack. Ihm sei während des Austauschs mit Anwohnern aufgefallen, dass bezüglich der Helikopter-Einsätze einige Fehlinformationen existieren würden. «Es ist zum Beispiel nicht so, dass das Spital den Heli aufbietet, sondern dass die Einsatzzentrale des Kantons entscheidet, welche Rettungsmittel eingesetzt werden.»

Auch dass das Limmi gar keine Coronapatienten versorgt habe, wie kürzlich in einem Leserbrief im Zusammenhang mit dem Helikopter-Lärm in der «Limmattaler Zeitung» behauptet wurde, sei falsch. «Wir möchten klarstellen, dass das Limmi bislang 53 behandelte Fälle hatte», sagt Brack.

Anwohnerin Anita Vollenweider zeigt sich wenig erfreut über das Vorgehen des Spitals. «Es ist für meine Unterschriftensammlung nicht dienlich, dass der Helikopter derzeit nicht mehr fliegt. So haben Anwohner das Gefühl, dass das Lärmproblem behoben wurde», sagt Vollenweider. 70 Unterschriften habe sie deshalb bisher erst erhalten. «Das mögliche Gesuch verunsichert. Ich frage mich, ob die Stadt es ablehnt und sich hinter uns Anwohner stellt?» Die zusätzlichen Flüge seien für sie nicht medizinisch begründbar, die Anwohner wünschten sich den alten Zustand zurück.

Für Vollenweider ist klar: «Wenn das Gesuch bewilligt wird, werden wir Anwohner das nicht akzeptieren. Wir sind ein Wohnquartier neben dem Spital, aber sicherlich keine Helikopterbasis-Stelle.»

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