Ein Rettungssanitäter befand sich am 1. August 2014 nach einem Einsatz auf der Rückfahrt zur Hauptwache. Dabei fiel ihm eine Tramführerin auf, die sich mit der Hand an die Brust fasste, schwer atmete und insgesamt "kein gesundes Bild" zeigte.

Bei der Haltestelle "Kunsthaus" konfrontierte der Sanitäter die Frau. Diese verneinte gesundheitliche Probleme, reagierte aber emotional und brach in Tränen aus. Der Mann informierte die VBZ, welche die Frau eine halbe Stunde darauf ablösen liessen.

Knapp zwei Wochen später stellten die VBZ ihre Angestellte zunächst frei und lösten später das Arbeitsverhältnis gänzlich auf. Begründet wurde dies damit, dass sie ein Tram in fahrunfähigem Zustand gelenkt und damit eine Pflichtverletzung begangen habe.

Gar keine Tramführerin

Das Zürcher Verwaltungsgericht stuft diese Kündigung für rechtswidrig ein und ordnet die Weiterbeschäftigung der Frau an, wie einem am Freitag veröffentlichten, noch nicht rechtskräftigen Urteil zu entnehmen ist. Das Gericht begründet dies mit der offiziellen Funktion der Frau.

Denn diese war zwar einst als Tramführerin bei den VBZ eingestiegen, arbeitete dann aber als Serviceleiterin. Gegen ihren Willen wurde sie ab Herbst 2012 wieder in den Fahrdienst zurückversetzt.

Gegen diese Versetzung legte sie einen Rekurs ein, dem gemäss Verwaltungsgericht aufschiebende Wirkung hätte zukommen sollen. Damit sei sie zum fraglichen Zeitpunkt am 1. August 2014 "nicht als Tramführerin, sondern als Serviceleiterin angestellt" gewesen.

Der Frau werde aber eine Pflichtverletzung vorgeworfen, die spezifisch mit der Tätigkeit als Tramführerin zusammenhänge, hält das Gericht fest. Dies eigne sich nun nicht, "einen Mangel in der Funktion als Serviceleiterin zu begründen". Als Serviceleiterin habe sie keinen Fehler gemacht, meint das Gericht sinngemäss.

Keine Beweis für Krankheit

Aber auch wenn die Frau zum fraglichen Zeitpunkt als Tramführerin angestellt gewesen wäre, hätte das Gericht die Kündigung aufgehoben: "Der Vorwurf, die Frau habe in fahrunfähigem Zustand ein Tram gelenkt, bleibt unbewiesen." Es sei nicht einmal klar, ob überhaupt ein gesundheitliches oder psychisches Problem vorgelegen habe.

Denn die VBZ berufe sich einzig auf Aussagen des Rettungssanitäters. Dessen Bericht "stützt sich nur auf eine Beobachtung der Frau im vorbeifahrenden Tram und das kurze Gespräch an der Haltestelle".

Diese Schilderungen würden zwar durchaus einen entsprechenden Verdacht begründen, schreibt das Gericht. Aber der Gesundheitszustand der serviceleitenden Tramführerin hätte "umgehend von einem Arzt abgeklärt werden müssen, der für die Beurteilung der Fahrfähigkeit ausgebildet ist".

Unter Druck wegen Schikane

Für das Verwaltungsgericht lässt sich auch der Verdacht nicht von der Hand weisen, dass sich die Frau in einer Mobbingsituation befunden habe. Gemäss Urteil hatte sie unter anderem kritisiert, dass ihre Einsatzpläne mehrmals äusserst kurzfristig geändert wurden.

Fehler in der Planung geschehen durchaus, meint das Gericht dazu. "Hier ist allerdings die Häufung von Missverständnissen und Fehlern zu Lasten der Frau augenfällig." Das Gericht spricht auch von "Schikane".

Ob die Frau nun tatsächlich Opfer von Mobbing gewesen sei, kann laut Gericht offenbleiben: Es sei aber nachvollziehbar, dass sie angesichts der Umstände schon seit Längerem Angst um ihre Arbeitsstelle gehabt habe und deshalb am 1. August 2014 derart emotional reagiert habe.