Im Limmattaler Wald sind die Folgen des heissen und trockenen Sommers 2018 noch immer sichtbar. «Die Hauptbaumarten leiden stark», sagt der Dietiker Revierförster Felix Holenstein. Es seien nicht ganze Bestände gefährdet, aber es sei im Wald doch auffällig, wie viele Bäume dürr werden. Und auch wenn das laufende Jahr noch nicht extrem verlaufen sei und es mehrmals geregnet habe, «leiden die Bäume noch immer nach». Es würden auch in diesem Jahr und wohl auch in den folgenden noch weitere Bäume absterben.

Förster Daniel Dahmen, der für das Staatswaldgebiet Katzensee zuständig ist und damit auch für die Gemeinden Weinigen, Geroldswil und Oetwil verantwortlich ist, spricht von viel Schadholz, das als Folge des vergangenen Sommers angefallen ist. Der Borkenkäfer konnte sich dank der warmen Temperaturen stark vermehren. Zudem waren viele Bäume wegen der Trockenheit geschwächt, sodass sie anfälliger waren. «In der zweiten Hälfte des Jahres 2018 mussten wir viele befallene Bäume fällen», sagt Dahmen. «Dies geht nun in diesem Jahr nahtlos weiter.» Bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt müsse intensiv Schadholz aus dem Wald entfernt werden.

Die Symptome werden bekämpft

Während ein Landwirt jedes Jahr reagieren und etwas Neues aussäen kann, bleiben den Förstern und Waldbesitzern nicht viele Handlungsmöglichkeiten: «Wir handeln mit einer Perspektive von 80, 100 Jahren», sagt Holenstein. Da sei eine Reaktion schwierig, zumal diese angesichts der ungewissen Entwicklungen auch rasch in eine Überreaktion übergehen könne. «Im Moment bekämpfen wir einfach die Symptome», sagt Holenstein. Dürre Bäume werden aus Sicherheitsgründen gefällt, von Insekten befallene werden möglichst rasch entfernt. «So können wir zumindest das Ausmass der Schädigung beschränken.»

In den Limmattaler Wäldern wird praktisch kein Nadelholz mehr regulär geerntet. Die sogenannte Zwangsnutzung – das Fällen von abgestorbenen oder befallenen Bäumen – hat dazu geführt, dass der Nadelholzmarkt übersättigt ist. Bäume in Topqualität liessen sich zwar immer verkaufen, sagt Dahmen. «Aber was Bauholz oder Industrieholz betrifft, da sind die Lager der Sägereien überfüllt.»

Von einer «Holzschwemme» spricht deshalb Markus Brunner, Direktor von Wald Schweiz, dem Verband der Schweizer Waldeigentümer. Ausgelöst wurde diese durch den Sturm Burglind im Januar 2018, dem folgenden Hitze- und Dürresommer sowie dem Borkenkäfer. Die Holzpreise fielen daraufhin in den Keller. «Dadurch fehlen den Forstbetrieben noch mehr finanzielle Mittel, um unsere Wälder sorgfältig an die grossen Veränderungen anzupassen», sagt Brunner.

Die Frage der Sicherheit

Dies sieht auch Holenstein als Problem: Statt über den Winter das Holz nach Plan und geordnet ernten zu können, müssten die Forstmitarbeiter derzeit den einzelnen Bäumen nachrennen. «Das Fällen einzelner befallener oder abgestorbener Bäume ist mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden», sagt der Dietiker Förster. So sei unter anderem der Sicherheitsaufwand grösser, wenn ein Baum mit einer dürren Krone gefällt werde. Zudem müssen die Maschinen hin und her durch die Wälder transportiert werden. «Ich weiss nicht, wie lange die Waldeigentümer diesen Aufwand noch tragen können.» Mittelfristig könnte dies bedeuten, dass der Aufenthalt im Wald sowohl für die Besucher als auch die Forstarbeiter gefährlicher werde. «Noch können wir aber die gefährlichen Bäume entfernen.»

Die Bäume, die im Limmattaler Wald wie im gesamten Mittelland nun zwangsweise gefällt werden mussten und müssen, werden mangels Abnehmern vorerst zwischengelagert, wie Dahmen vom Staatswald Katzensee erklärt. Die Fichten, die von der Borkenkäferart Buchdrucker bedroht sind, werden dabei insbesondere auf Wiesen gestapelt – in einer Entfernung von mindestens 500 Metern zu einem bestehenden Waldbestand. So soll verhindert werden, dass sich die Buchdrucker, die sich unter den Rinden der geschlagenen Bäume eingenistet haben, wieder im Wald verbreiten.