Limmattal

Gastronomie in Zeiten von Corona: Mit Kreativität gegen die Krise

Restaurants sind geschlossen, Take-aways dürfen weiter geöffnet bleiben.

Restaurants sind geschlossen, Take-aways dürfen weiter geöffnet bleiben.

Bei Limmattaler Detailhändlern und Gastronomen sind neue Ideen gefragt, um trotz Corona-Virus erfolgreich über die Runden zu kommen.

Der Bundesrat hat beschlossen, dass aufgrund des Corona-Virus die Restaurants, Bars, Clubs und Cafés geschlossen werden. Die Gastro-Verbände rieten ihren Mitgliedern schon am Freitag, Kurzarbeit zu beantragen. Erlaubt ist nur noch, was nicht in einem Lokal stattfindet. Das wären beispielsweise Lieferservices oder Pizzakurierdienste. «Jeder soll sich so verhalten, als hätte er sich mit dem Virus angesteckt und als könnte er weitere Personen anstecken», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit. Limmattaler suchen Lösungen, um der Krise zu trotzen.

Takea-Away statt ­Restaurantbetrieb

In der Pizzeria Tomate in Dietikon dürfen die Gäste seit Montag um Mitternacht keine Pizza mehr im Restaurant essen. Dies hindert die Pizzaioli nicht daran, weiterzuarbeiten. Neu kann man deshalb in der Pizzeria wieder Take-away oder den Lieferservice bestellen. «Dies konnte man bereits vor einem Jahr, danach pausierten wir mit dem Lieferdienst einige Monate. Nun kann man wieder bestellen», sagt Monika Corca. Sie ist Geschäftsführerin der «Tomate». Erste Gäste hätten bereits Pizzen bestellt. Corca hat das Angebot eingeführt, damit sie die Pizzeria nicht ganz schliessen muss und die Verluste nicht allzu hoch ausfallen werden. Trotz Lieferdienst wird sie nicht alle Mitarbeitenden weiter beschäftigen können:Von zehn Mitarbeitenden sollen während des Lockdowns nur noch vier arbeiten.

Koni Seglias vom Restaurant Brüelmatt in Birmensdorf füllte bereits gestern Kurzarbeitsanträge aus. Er und seine Frau möchten aber weiterhin warme Essen zum Mitnehmen anbieten. «Es ist die nächstgelegene Möglichkeit, dieser Krise die Stirn zu bieten und Geld zu erwirtschaften», sagt Seglias. Er habe bereits Take-away-Boxen an Lager, diese könne er nun gut gebrauchen. Doch bis der Service bekannt sei und anlaufe, brauche es Zeit. «Wir dachten nie im Leben daran, dass wir so wirten müssen», sagt er. Für Gestern Mittag konnte der Wirt bereits einige Mahlzeiten an der Theke verkaufen.

Metzgerei und Bäckerei bieten Heimlieferservice an

Lebensmittelläden wie Metzgereien dürfen wie bis anhin offen bleiben. Trotzdem rät der Bundesrat insbesondere älteren Leuten zuhause zu bleiben. Damit sie weiterhin frisches Fleisch beziehen können, führte die Metzgerei Hildebrand einen Heimlieferservice ein. «Unsere Kunden können bis 12 Uhr Fleisch bestellen, dann machen wir dieses bereit und liefern es bis um 18 Uhr aus», sagt Othmar Gut, Stellvertretender Geschäftsführer der Metzgerei Hildebrand in Dietikon. Seine Kunden freuen sich über die neue Einkaufsmöglichkeit: Bislang erhielt er bereits mehr als zehn Bestellungen. «Ab 30 Franken Bestellwert ist die Lieferung gratis», sagt Gut. Nebst dem Lieferservice bietet die Metzgerei neu auch Mittagessen auf Bestellung an. «Man muss sich etwas einfallen lassen», sagt Gut. Dabei gehe es darum, die sechs Angestellten in Dietikon und Berikon zu beschäftigen und den Schaden der wegfallenden Einkünfte wegen der abgesagten Catering-Aufträge etwas aufzufangen. Eine gute Nachricht sei das schöne Wetter: Dank der sonnigen Temperaturen beginnen einige Leute bereits wieder zu grillieren. «Letztes Wochenende lief es sehr gut in unserem Verkauf. Es war wie Weihnachten», sagt Gut. Künftig werde sich diese Verkaufsspitze wohl wieder senken, deshalb ist Gut froh, wenn er bis dahin einige Abnehmer für Hauslieferdienste und Mittagsmenues hat.
Bäckereien sind ebenfalls wie bis anhin geöffnet. Auch wenn die Bestellungen von Cafés aufgrund des nationalen Lockdowns ausfallen, so gehören Bäckereien doch zu den Gewinnern der Krise. «Die Leute kommen momentan zu uns, statt dass sie in die Ballungsgebiete in Zürich gehen. Das ist eine Chance für die Kleinbetriebe», sagt Benjamin Korb. Er ist Geschäftsführer der Bio-Bäckerei Neuhof in Schlieren.
Momentan bäckt Korb gleich viel Brot wie bis anhin. «Das Personal ist gesund und gut ausgelastet», sagt er. Trotzdem überlegt er sich neue Wege, um auch ältere Kunden, die mitunter zur Risikogruppe gehören, zu beliefern. Ende nächster Woche möchte Korb einen Online-Shop auf seiner Website aufschalten. «Dabei hoffen wir auch auf die Solidarität der Einkäufer. So könnten beispielsweise jüngere Anwohner für ihre älteren Nachbarn mitbestellen», sagt Korb. Die gewünschten Produkte sollen den Kunden entweder direkt vor die Haustüre geliefert oder von freiwilligen Helfern in der Filiale in Schlieren abgeholt werden.

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