Fastenzeit

Für 60 Leute in Dietikon gibt es bis Ostern keine feste Nahrung

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Die «Schicksalsgemeinde» traf sich zum Beginn der ökumenischen Fastenwoche im Pfarreizentrum St. Agatha, um daraus mehr als ein Verzicht auf feste Nahrung zu machen

«Mir wird das Brot am meisten fehlen, und allgemein etwas Festes zwischen den Zähnen», sagt Manuela Spori, eine Fastende, die sich dieses Jahr schon zum 17. Mal der Fastengruppe anschliesst. Sie ist erfahren und kennt die Prozedur, trotzdem begegne sie der Fastenwoche jedes Mal mit neuen Befürchtungen und Erwartungen, und damit ist Spori nicht die Einzige. Jeder und jede der rund 60 Teilnehmenden lässt sich an diesem Abend im Pfarreizentrum St. Agatha wieder von neuem beraten, welche der drei Fastenmethoden die beste sein könnte. Neben dem bekannten Tee- und Saftfasten nach Buchinger gibt es noch die F.-X.-Mayr-Kur, die ähnlich wirkt wie das Saftfasten, jedoch noch stärker auf die «Sanierung des Darmes» ausgerichtet ist. Als dritte Methode empfiehlt der Leiter des Fastenteams, Dieter Pestalozzi, das Basefasten, in dem man sich 1 bis 2 Wochen ausschliesslich von Gemüse, Kräutern und Früchten ernährt.

«Energie schöpfen und Seele baumeln lassen»

«Dieses Jahr sind zu den regelmässig Fastenden 14 Neue dazugestossen, zwei davon versuchen den Verzicht auf Genussmittel, Fleisch oder gar auf feste Nahrung zum ersten Mal», sagt Pestalozzi vor versammelter Fastengruppe. «Wir begeben uns in dieser Woche auf eine gemeinsame körperliche, seelische und soziale Entdeckungsreise, deswegen nenne ich diese Gruppe auch Schicksalsgemeinde», ergänzt der Leiter des Fastenteams. Die Teilnehmenden werden in Gruppen aufgeteilt, je nachdem, ob sie in dieser Woche gemeinsam mit Bibeltexten meditieren oder das Fastenwandern praktizieren. Pestalozzi gibt seiner Schicksalsgemeinde viele Ratschläge und Anleitungen mit auf den Weg, gleichzeitig warnt er aber auch: «Jeder von euch sollte genau wissen, wieso er fastet und die Verantwortung für sich selber wahrnehmen.» Manuela Spori hatte vor 17 Jahren – bei ihrer ersten Fastenkur – aus Abenteuerlust begonnen: «Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren, und es hat sich sehr gut angefühlt», sagt die 56-Jährige. Nach jeder Fastenwoche fühle sie sich wie neugeboren. Inzwischen nimmt sie ihre Motivation aus spirituellen und religiösen Überzeugungen: «In dieser Woche werde ich meine Seele baumeln lassen, und neue Energien schöpfen.»

«Bewusster leben»

Manuela Spori geht ganz offen mit dem Fasten um, schliesslich konnte sie so auch ihren anfangs kritischen Mann davon überzeugen, selber mitzumachen. «Viele nehmen das Fasten auch als Anstoss für eine Gewichtsreduktion, das ist jedoch falsch», sagt die Weiningerin. Alles, was man in dieser Woche an Gewicht verliere, würde man schliesslich gleich wieder zunehmen. «Es geht darum, die eigenen Essgewohnheiten zu überdenken und bewusster zu leben. Der persönliche Wille muss sehr stark sein», erklärt die 56-Jährige. Diese Meinung dürften auch die anderen der Fastengruppe teilen. Schliesslich sei die Fastenwoche nicht nur ein Verzicht auf Nahrung, sondern auch eine seelische Auseinandersetzung.

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