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Flaschengeist und Maskenbildnerin: Sie singt nach Gehör

Plakatieren gehört für Diana Schärer auch zu ihrer Gesangs-Leidenschaft dazu.

Diana Schärer reisst mit ihren 27 Jahren den Altersdurchschnitt im «Vocal Cord» nach unten. Denn sie gehört zu den Jüngsten im Chor aus dem Säuliamt. Doch das stört sie nicht: «Es tut mir einfach gut, zu singen», sagt die Dietikerin.

Bereits in der Oberstufe sang Schärer in einem Chor. Als sie in die Lehre kam, verschob sich die Musik vom Singen ins Zuhören. Ihr Lieblingslied ist «Que Sera Sera» von Doris Day. Ansonsten hört sie am liebsten Hits aus den 1990er- und 1950er-Jahren. «Was ich auf keinen Fall mag, ist Hardrock. Ich höre eher fröhliche Musik.» Doch nach ihrer dreijährigen KV-Lehre vermisste Schärer das Singen: So sah sie sich nach einem Chor um. «Ich googelte und stiess dabei auf ‹Vocal Cord›.»

Da sie den Dirigenten bereits kannte, musste sie zu ihrer Erleichterung nicht vorsingen. Dass sie keine Noten lesen kann, stellte kein Hindernis dar. Im «Vocal Cord» spielt der Dirigent die Stücke jeweils auf dem Klavier vor, Schärer merkt sich die Töne und singt sie anschliessend nach Gehör.

Eine der Spezialitäten dieses Chors ist, dass die Frauen in drei Gruppen eingeteilt werden. Je nach Lied singen sie in einer anderen Stimmlage: So können sie hohe und tiefe Töne üben. «Ich persönlich singe am liebsten Sopran», sagt Schärer.

Jährlich eine Eigenproduktion

«Vocal Cord» beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Singen. Seit vielen Jahren kreiert der Chor jedes Jahr ein Musical in Eigenproduktion. Das wurde zuviel: «Neu haben wir uns auf einen Zweijahrestakt geeinigt, dazwischen werden wir Konzerte geben», sagt Schärer, die auch im Vorstand des Chores mitwirkt.

Auch wenn ihre ursprüngliche Begeisterung dem Singen gilt, kann sie sich mittlerweile nicht mehr vorstellen, nur zu singen und «steif dazustehen», wie sie sagt. Die Inszenierungen bilden eine willkommene Abwechslung.

Im aktuellen Musical «Die letzte Geschichte aus 1001 Nacht» spielt Schärer einen Flaschengeist.

Im aktuellen Musical «Die letzte Geschichte aus 1001 Nacht» spielt Schärer einen Flaschengeist.

Im aktuellen Musical «Die letzte Geschichte aus 1001 Nacht» spielt Schärer einen Flaschengeist. «Es ist eine Erzählerrolle, was dazu führte, dass ich viel auswendig lernen musste.» In den Wochen vor den Probewochenenden hiess das für sie, dass sie dreimal pro Woche abends Text büffelte. «Doch am Ende entschädigen die Zuschauer und die Aufführung im März und April die Mühen der Proben», sagt sie.

Nebst dieser Knochenarbeit widmet sich Schärer auch den Masken der Schauspieler. In diesem Metier hat sie Erfahrung: Für die St. Niklaus Gesellschaft schminkt sie die Chläuse um Weihnachten. Dieses Wissen kann sie nun in einem anderen Kontext anwenden. Einfach geht es beim Musical nicht darum, in der Kälte gut auszusehen, sondern dass die Gesichter der Schauspieler auf der Bühne nicht vor Schweiss glänzen.

«Es gehört einfach dazu»

Nebst der Arbeit und dem Singen bleibt Schärer nicht mehr viel Zeit für andere Hobbys. Denn das Singen im Chor verpflichtet beispielsweise auch dazu, Sponsoren zu suchen. Eine Tätigkeit, die Schärer nicht so viel Spass macht wie die Musik: «Ich frage die Leute nicht gerne nach Geld.» Doch es gehöre zwangsläufig dazu, da der Chor zu einem grossen Teil über Spenden finanziert werde.

Professionellere Institutionen haben grössere Budgets. Das fiel Schärer zum Beispiel auf, als sie «Wicked» in London schaute. «Es war schön, die professionellen Masken und Kostüme zu sehen», sagt sie. Doch im gleichen Moment sei ihr auch bewusst geworden, wie angenehm die Gleichheit unter den Sängern von «Vocal Cord» sei. «Die Leitung achtet stark darauf, dass in den meisten Fällen alle auf der Bühne stehen», sagt Schärer. So gibt es zwar wenig Soloparts, dafür merkt jeder, wie wichtig er ist.

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