Gemeinderat Zürich
Exoten im Wahlkampf: Was die Einzelkämpfer im Rat wollen

Für die 125 Sitze im Gemeinderat kandidieren am 4. März insgesamt 1054 Personen. Neben den Kleinparteien steigen auch zwei Exoten in den Ring für die Wahl in das Stadtzürcher Parlament.

Lina Giusto
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Blick in den Gemeinderatssaal: Insgesamt 1054 Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich für die 125 Sitze im Zürcher Stadtparlament zur Wahl.

Blick in den Gemeinderatssaal: Insgesamt 1054 Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich für die 125 Sitze im Zürcher Stadtparlament zur Wahl.

Keystone

Für die 125 Sitze im Zürcher Gemeinderat stellen sich am 4. März insgesamt 1054 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Dabei treten fünf Parteien und Gruppierungen bei den Wahlen an, die in der laufenden Legislatur nicht im Gemeinderat vertreten sind. Neben Kleinparteien wie der EDU, der EVP und der Partei der Arbeit (PdA) sind darunter auch Einzelkämpfer mit den illustren Namen «Der Unabhängige» und die «Vernunftliste».

Jan Zeyer steht auf der "Vernunftsliste".

Jan Zeyer steht auf der "Vernunftsliste".

zvg

Hinter der Liste der Vernunft für den Wahlkreis 9 steht der 26-jährige Hypnosetherapeut Jan Zeyer. Der Entscheid, sich zur Wahl zu stellen, sei «kurzfristig» gefallen, wie er sagt. Dass er keiner Partei beitritt, erklärt sein politisches Motiv: «Etwas frischen Wind täte dem Zürcher Gemeinderat gut», so Zeyer. Wie er sagt, will er für eine vernünftige Politik einstehen, die sich weniger auf zwischenparteiliche Grabenkämpfe konzentriert. Inhaltlich interessiere er sich von Berufes wegen für das Gesundheitssystem: «Es muss etwas passieren, damit die Krankenkassenprämien nicht weiter explodieren», so der junge Zürcher.

Auch wenn seine Wahlchancen nicht allzu gross sein dürften, seien sie dennoch vorhanden, gibt sich Zeyer optimistisch. Sein eigentliches Ziel ist denn auch nicht der Zürcher Gemeinderat, sondern 2019 der Einzug in den Nationalrat. Den Slogan dafür hat Zeyer bereits: «Die Vernunftpartei ist weder links noch rechts, sondern vernünftig.»

Für bedingungsloses Grundeinkommen

Der zweite Einzelkämpfer ist der 55-jährige Altenpfleger Anthony E. Monn, der sich als «Der Unabhängige» für den Wahlkreis 1 und 2 sowie die Wahl in den Zürcher Stadtrat aufgestellt hat. Bereits 2014 versuchte Monn als Einzelperson mit dem Listennamen «Aktion für humanen Städtebau» (AHS) in den Gemeinderat gewählt zu werden – ohne Erfolg. Monn verfehlte mit seiner Liste AHS mit damals 685 Stimmen das 5-Prozent-Quorum.

Anthony Monn ist "Der Unabhängige".

Anthony Monn ist "Der Unabhängige".

zvg

In der Vergangenheit setzte sich der Zürcher gegen den Bau der Wohnsiedlung Sihlbogen im Stadtteil Leimbach ein, bekämpfte die Erweiterung des Landesmuseums bis vors Bundesgericht, rekurrierte gegen den Neubau des Zürcher Kunsthauses und unterstützte den Erhalt eines naturnahen Üetlibergs als Vorstandsmitglied des Vereins «Pro Üetliberg».

Mehr Mitspracherechte der Bevölkerung, wenn es um städtebauliche Fragen geht, prägen auch bei den diesjährigen Erneuerungswahlen Monns politische Anliegen. Wird er am 4. März gewählt, will er sich für das bedingungslose Grundeinkommen in Zürich, für eine Verbesserung des Gesundheitswesens, gegen den Bau des Hochschulgebietes Zentrum Zürich und für den Erhalt von Gartensiedlungen einsetzen.

An früher anknüpfen

Die kommunistische Partei der Arbeit tritt in acht Stadtkreisen zur Wahl an – ausgenommen sind die Kreise 7 und 8. Ob die Partei, die seit 1982 nicht mehr im Gemeinderat vertreten war, an ihre goldenen Zeiten von 1922 respektive 1946 anknüpfen kann – damals waren die Kommunisten mit 13 respektive 19 Sitzen im Parlament vertreten –, bleibt abzuwarten. Ob die EDU als Mitte-rechts Partei, die sich in allen Stadtzürcher Wahlkreisen für christliche Werte einsetzt, den Einzug ins Parlament schafft, ist ebenso ungewiss.

Die EVP, die bei den letzten Erneuerungswahlen nach 60 Jahren im Parlament ihre Sitze verloren hat, sucht das Bündnis. Sie hat mit der BDP über alle Wahlkreise hinweg gemeinsame Listen aufgestellt. Ob sich damit die Wahl schaffen lässt, darüber entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten in gut drei Wochen.

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