Uitikon

«Es war eine Herzensangelegenheit»: Die Uitikerin Jacqueline Noa gestaltete den Waldeggplatz

Die Landschaftsarchitektin Jacqueline Noa aus Uitikon trug mit der Gestaltung des Waldeggplatzes zur Verschönerung ihres Wohnorts bei.

Ursprünglich hätte der Waldeggplatz im Leuen-Quartier in Uitikon ganz anders aussehen sollen. Denn 2017 suchte die Gemeinde mit einem Wettbewerb nach dem besten Gestaltungsvorschlag für eine Erholungszone mit gedeckten Parkmöglichkeiten. Da der Siegerbeitrag die finanziellen Vorstellungen der Gemeinde überschritt, entschied man sich gegen die Umsetzung des Projekts.

Stattdessen wollte man eine schlichtere – und günstigere – Lösung. Keine Parkiermöglichkeiten, dafür aber einen schönen Quartierplatz mit einladendem Ambiente. Für die Umsetzung wandte sich die Gemeinde an das Ingenieurbüro EWP. Für die Gestaltung wurde Jacqueline Noa engagiert. Die Landschaftsarchitektin, die selbst in Uitikon wohnt, war sofort interessiert. Schliesslich kann sie so ihren Wohnort mitgestalten. «Es war eine Herzensangelegenheit. Vom Platz aus sieht man sogar unser Haus», sagt die 47-Jährige.

Für die Gestaltung des Waldeggplatzes stellte die Gemeinde ein Budget von 880 000 Franken zur Verfügung. Zudem sollte der Platz über einen flachen, erhöhten Teil verfügen, auf dem Anlässe veranstaltet werden können und zu einem tiefer gelegenen Teil mit Grillstelle abfallen. Ansonsten hatte Noa gestalterische Freiheit. «Ich habe allem auf dem Platz eine geschwungene Form gegeben.» Auch dem Brunnen, der das zentrale Element des Waldeggplatzes bildet, verlieh sie eine elegante und verspielte Form. Der 80 000 Franken teure Brunnen ist gleichzeitig Sitz- und Spielelement.

Um den Brunnen werden noch mehr Bäume gesetzt

Jetzt ist der Platz in seiner Grundstruktur fertiggestellt. «Ein Teil der Bäume kann erst im Herbst gepflanzt werden. Zudem werden noch Rundbänke aufgestellt», sagt Noa. Vor allem um den Brunnen herum werden weitere Bäume gesetzt, sodass eine naturnahe, einladende Atmosphäre entsteht. An einer Stelle zog sie den erhöhten Teil des Platzes weiter zum Platzrand hin. «Mir war die Inszenierung der schönen Aussicht sehr wichtig.» An dieser Stelle kann man gut an den umliegenden Gebäuden vorbei- und in die Weite sehen.

Bei der Gestaltung des Platzes war auch der Uitiker Natur- und Vogelschutzverein Gartenrötel involviert. Dieser setzte sich dafür ein, dass der Platz so naturnah wie möglich wird. Auf den Wiesenflächen bei den grossen Stufen liess Noa Schweizer Wildblumen ansäen und Obstbäume pflanzen. Und am Rand des Wegs, der am Platz vorbeiführt, wurde eine Wildhecke aus Rosenbüschen angelegt.

Von den Blumen und Rosen ist zurzeit aber nur wenig zu sehen. «Das ist der Nachteil, wenn man Landschaftsarchitektin ist. Es dauert immer eine Weile, bis alles gewachsen ist», sagt die Uitikerin. Trotzdem findet sie ihren Beruf perfekt: «Ich kann kreativ sein, habe viel mit Pflanzen zu tun und ich kann meine organisatorischen Fähigkeiten und mein technisches Wissen gut einsetzen.» Zudem könne sie verschiedenste Projekte verwirklichen – vom Privatgarten bis zu grossen Plätzen wie dem Waldeggplatz.

Eigentlich wollte sie Architektin werden

Landschaftsarchitektin zu werden, war allerdings nicht ihre erste Wahl. Als Noa 1990 mit einer abgeschlossenen Berufslehre als Tiefbauzeichnerin aus Deutschland in die Schweiz zog, wollte sie eigentlich Architektin werden. Doch da ihr Lehrabschluss in der Schweiz für den Architektenberuf nicht anerkannt war, entschloss sie sich für ein Landschaftsarchitektur-Studium an der Fachhochschule in Rapperswil. «Rückblickend war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.» Ihr heutiger Beruf gefalle ihr noch besser als der ursprüngliche Berufswunsch, da er technisches Know-how mit der Liebe zu den Pflanzen und zur Natur verbindet. Schliesslich wollte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Zürich verlegen, wo sie 2006 auch ihr eigenes Landschaftsarchitekturbüro gründete. Auf der Suche nach einem geeigneten Wohnort, von dem aus Zürich gut erreichbar ist, stiess Noa auf Uitikon. «Ich kannte Uitikon vorher gar nicht. Doch da es sowohl auf dem Land als auch nahe an Zürich liegt, war ich sofort verliebt.» Insbesondere der Dorfkern und die umliegende Landschaft haben es ihr angetan.

Dass sie den Waldeggplatz gestalten durfte, kam überraschend. Als Noa im «Gemeindekurier» las, dass das ursprüngliche Projekt verworfen worden war, fragte sie bei der Baukommission nach, ob man Unterstützung benötige. Zwar hatte die Uitikerin 2017 als Jurorin die beim Wettbewerb eingereichten Vorschläge bewertet, sie war aber seither nicht mehr involviert. Und jetzt geht die Gestaltung ihres Wohnorts sogar noch weiter: Noa ist bereits in eine weitere Überbauung im gleichen Quartier involviert.

Autor

Manuel Reisinger

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