Thomas Vogel unterbrach extra seine Ferien im Tessin, um in Uitikon die 1.-August-Rede zu halten. Im Ortsteil Ringlikon auf dem Bauernhof von Brigitte und Ernst Bosshard traf er volle Festbänke an. Mitgebracht hatte der FDP-Kantonsrat zwei Wünsche.

«Halten wir den Kompromiss hoch», lautete sein erster Wunsch. Als Politiker erfülle ihn «unser raffiniertes, geradezu geniales politisches System» mit Stolz. «Dieses System baut darauf, dass man sich zusammenraufen und eine Lösung für ein Problem finden muss, indem alle massgebenden Kräfte in die Lösungsfindung miteinbezogen werden. Es funktioniert nur, wenn wir es weiterhin schaffen, aufeinander zuzugehen», sagte der Effretiker.

«Der Rütlischwur war der erste schweizerische Kompromiss»

Der Jurist fuhr fort: «Was der Legende nach am 1. August 1291 auf dem Rütli passiert und im Bundesbrief besiegelt worden ist, war ja rechtsgeschichtlich betrachtet nicht die Gründung der Eidgenossenschaft, sondern der Abschluss eines sogenannten Landfriedens.» Die zerstrittenen Familien und Sippen hätten beschlossen, sich zusammenzutun und sich gegen Dritte zu wehren, sich gegenseitig nicht mehr zu bekämpfen, sondern die Gegend zu befrieden. Friedliches Zusammenleben und bäuerliches Prosperieren sei das Ziel gewesen. «Dafür waren alle Seiten bereit, gewisse territoriale Abstriche zu machen und auf erhobene Ansprüche oder auch Blutrache zu verzichten. Der Rütlischwur war demnach der erste schweizerische Kompromiss.»

Eine klare Meinung und die Bereitschaft zum Kompromiss stünden nicht im Widerspruch zueinander. «Im Gegenteil: Nur wer genau weiss, was er im Maximalfall möchte, kann einen sinnvollen Kompromiss eingehen, um das unter den gegebenen Umständen Optimalste zu erzielen. Nicht umsonst sagt der Volksmund: ‹Das Beste ist der grösste Feind des Guten.›» Es werde immer schwieriger den Fünfer und das Weggli zu haben. «Genau deshalb wird der gute alte Kompromiss wieder zunehmend an Bedeutung gewinnen», sagte Vogel.

«Je mehr Menschen, desto grösser wird das Konfliktpotential»

Als eine grosse Herausforderung, die es zu meistern gelte, erwähnte Vogel das Bevölkerungswachstum. «Je mehr Menschen auf immer gleichbleibendem Raum zusammenleben müssen, desto grösser wird das Konfliktpotential.» Vogel warnte: «Die räumliche Enge birgt die Gefahr in sich, eine geistige Enge zu provozieren.»

Dieser Kleinkariertheit tritt Vogel entschieden entgegen. «Lassen wir es nicht zu, dass wir engstirniger und intoleranter werden. Bleiben wir positiv, optimistisch, konstruktiv und offen. Dann wird es so gut bleiben, wie es bisher gewesen ist», sagte Vogel zum Schluss. «Dass es uns in der Schweiz extrem gut geht, zeigt allein schon Ihre heutige Anwesenheit. Sie zeigen Zugehörigkeit und Verbundenheit zu unserem Gemeinwesen. Und dafür bin ich Ihnen dankbar», hatte Vogel zuvor in seiner Rede gesagt.

Begleitet von der Harmonie Birmensdorf sang die Festgemeinde die Nationalhymne, ehe sie verköstigt wurde und mit dem gemeindeeigenen Gätterewy auf eine gelungene Bundesfeier anstiess.

Gemeindepräsident Chris Linder (FDP) bedankte sich bei allen Beteiligten. Neben der Familie Bosshard waren das die Feuerwehr, der Feuerwehrwehrverein, die Pfanne-Manne, Edi’s Metzgerei und der Werkhof. Zudem versprach Linder, dass nächstes Mal neben der Ringliker, Zürcher und Schweizer Fahne auch eine Uitiker Fahne aufgehängt wird.