Eine Schar Oetwilerinnen und Oetwiler wartete am Donnerstagabend gespannt unter der Autobahnbrücke beim Binzerliweiher. Nach und nach wurden sie von den Dietiker Pontonieren abgeholt. Auf kleinen Booten, sogenannten Weidlingen, brachten die Pontoniere die Oetwiler ein Stück die Limmat hinunter, nämlich bis zur Ortsgrenze zu Würenlos.

Die Grenzfahrt wird seit 2006 jährlich durchgeführt und erfreut sich in Oetwil grosser Beliebtheit. Jedes Jahr nehmen etwa 200 Leute daran teil. Die Grenzfahrt basiert auf einer alten Tradition, bei der man mit Neuzuzügern der Ortsgrenze entlanglief. «Der Grenze mit Weidlingen entlangzufahren ist nicht nur angenehmer, sondern auch aufregender, als den Weg zu laufen», sagt der Oetwiler Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini zur Idee hinter dem Anlass. Die Grenzfahrt findet jedoch nur bei schönem Wetter statt. Bei schlechtem Wetter wird jeweils auf ein Ersatzdatum ausgewichen. Wetterbedingt ausgefallen sei sie aber erst zweimal.
Dieses Jahr zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite. Schon vor der Fahrt auf der Limmat machte sich eine ausgelassene Stimmung breit. Getränke wurden verteilt und die Teilnehmenden plauderten miteinander. Lachende Gesichter und Gespräche überall machten klar, dass die Leute sich kennen.

Stets unfallfrei: Sicherheit geht vor

Nach einigen Minuten legten die Pontoniere an und verteilten Schwimmwesten. Aus Sicherheitsgründen herrschte strikte Schwimmwestenpflicht. «Zu einem schlimmen Unfall ist es an der Grenzfahrt zum Glück noch nie gekommen», versichert der Gemeindeschreiber. Aber Sicherheit geht bekanntlich vor. Während die Leute sich ungeduldig um die Weidlinge versammelten, riet ein Pontonier zur Geduld und zur Vorsicht beim Einsteigen. Einige Minuten später waren die kleinen Boote bereit zur Abfahrt.

Beim Ablegen schaukelten die Weidlinge zunächst, fanden dann jedoch ins Gleichgewicht. Die Fahrt war ruhig und bot die Möglichkeit, die ruhige Limmat und deren Ufer genauer zu betrachten. Einzig für die Pontoniere, die in der prallen Abendsonne rudern mussten, schien die Fahrt nicht allzu entspannend zu sein.

Eine andere Perspektive auf die Umgebung

Langsam zog Oetwil vorbei. Von der Limmat aus boten sich ein eindrücklicher Blick und eine ungewohnte Perspektive auf das Dorf. Durch die Bäume und die dichten Büsche war die Sicht jedoch teilweise versperrt. «Dort müsste unser Haus sein», meinte jemand auf dem Boot. «Dort ist der Tennisplatz», bemerkte jemand anderes. Kurze Zeit später legten die Weidlinge bei der Ortsgrenze an.

Am Zielort offerierten Gemeinderäte und Verwaltungsangestellte Würste vom Grill, Brot mit Käse und Getränke. Die Festbänke und die malerische Landschaft direkt an der Limmat luden zum Verweilen ein. Beim Getränkeausschank befand sich auch der Gemeindeschreiber, der sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden zeigte. Eine Sache bedauere er allerdings: «Da ich hier jeweils helfe, konnte ich noch nie mit den Weidlingen fahren.»