Oberengstringen

Die Gemeinde setzt bei der Aufwertung des Dorfplatzes auf Studenten

Gemeindepräsident André Bender (SVP) auf dem Dorfplatz in Oberengstringen.

Nächsten Sommer will die Gemeinde den Bewohnern am Jubiläums-Dorfplatzfest aufzeigen, wie der Platz sich verändern wird. Bei der Umsetzung sollen Studierende aus Rapperswil den möglichen Weg aufzeigen, sagt Gemeindepräsident André Bender (SVP).

«Der Dorfplatz hat einen ganz eigenen Charakter und verkörpert eine typische Agglomerations-Gemeinde», sagte Regisseurin Katalin Gödrös über das Oberengstringer Zentrum. Deshalb wird der Platz in der bald erscheinenden SRF-Komödie «Amen Saleikum – Eine Weihnachtskomödie» als Schauplatz eine heimliche Hauptrolle übernehmen.
Was sich bei der Suche nach einem Film-Set als Glücksall entpuppte, sorgt im Alltag schon seit vielen Jahren für Diskussionen im Dorf. Zu abgeschottet, nicht belebt, sperrig oder gar hässlich: Die Kritik am Dorfplatz ist vielfältig. Aber eigentlich sind sich alle einig, dass eine Umgestaltung und Aufwertung gar nicht schnell genug kommen kann.

Bereits vor knapp zehn Jahren diskutierten Oberengstringerinnen und Oberengstringer an der Zukunftskonferenz über die Notwendigkeit, den Dorfplatz zu beleben und attraktiver zu gestalten (siehe Text oben rechts). Im «Masterplan Zentrum» hielt der Gemeinderat im Mai 2014 fest, dass der Platz neugestaltet und aufgewertet werden soll. Jetzt bringen Studierende der Hochschule für Technik Rapperswil neuen Schwung in die Umsetzung.

Studierende haben Anforderungskatalog erhalten

Im Auftrag der Gemeinde erarbeiten die Studierenden in Zweiergruppen konkrete Varianten für die Dorfplatz-Umgestaltung (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Idee dafür hatte die eigens für die Dorfplatz-Sanierung ins Leben gerufene Arbeitsgruppe, sagt Gemeindepräsident André Bender (SVP). Bis Ende Jahr sollen die insgesamt 15 Konzepte im Gemeindehaus auf dem Tisch liegen. «Bis Mitte 2020 wollen wir der Bevölkerung zeigen, in welche Richtung die Veränderung gehen soll», sagt er. Realitätsferne Visionen befürchtet er nicht. Denn die Gemeinde hat den Studierenden einen detaillierten Anforderungskatalog mit ungefährem Budgetrahmen zugestellt. Die Planer in Ausbildung sollen also konkrete Problemstellungen lösen und die Vorstellungen der Gemeinde einfliessen lassen. Dabei sollen möglichst viele verschiedene Bedürfnisse berücksichtigt werden.

«Sie sollen sich in den Platz hineinfühlen», sagt Bender. Deshalb werden bis Ende Oktober auch immer wieder Studierende im Zentrum anzutreffen sein, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen. Zudem werden die Projektteilnehmenden sich Ende Monat mit ihren Dozenten und Liegenschaftenvorstand Jean-Fritz Weber (SVP) zu einer Zwischenbesprechung treffen. «Wir werden sicher viele clevere Inputs und kreative Ideen erhalten», sagt Gemeindeschreiber Ebnöther. Ein solcher Wettbewerb fördere mehr Kreativität zutage, als einfach auf eine Planungsfirma zu setzen.

Öffnung soll auch Anlässe sichtbarer machen

Unbestritten ist der Wunsch, den Dorfplatz nach aussen zu öffnen und mehr Zugänge für Fussgänger und Velofahrer zu schaffen. Wer heute nicht vom Velo absteigt, muss einen komplizierten Umweg nehmen, um von der Zürcherstrasse auf den Platz zu gelangen. Überhaupt nimmt man den Platz von der Strasse aus kaum wahr. Das sei auch für die Sichtbarkeit von Anlässen problematisch, sagt Bender. Seit der Gründung der Kommission Dorfplatzbelebung, die aus der Zukunftskonferenz vor zehn Jahren entstanden ist, habe die Anzahl Anlässe auf dem Platz klar zugenommen, sagt Bender und ergänzt. «Die Öffnung des Dorfplatzes ist wichtig.» Die Wand mit dem farbigen Graffito zwischen Zentrumsbau und Gemeindehaus wird die Umgestaltung des Dorfplatzes also voraussichtlich nicht überleben.
Das gilt auch für den Brunnen: «Wir wollen Wasserelemente, aber der Brunnen soll nicht mitten auf dem Platz stehen», so Bender. So sind etwa die Platzverhältnisse für die Eisfläche beim «OE on Ice» wegen des Brunnens jeweils eher knapp. Und weil der Platz eine leichte Neigung Richtung Gemeindehaus aufweist, muss diese beim Aufbau der Eisfläche oder grösserer Zelte jeweils ausgeglichen werden. Deshalb steht auch eine Begradigung im Raum. Die Multifunktionalität sei wichtig, der Platz soll für Anlässe aller Art gut nutzbar sein, ergänzt Ebnöther.

Dazu zählt auch, dass öffentliche WCs rund um die Uhr zugänglich sind. Die bisherigen WCs in den Gebäuden sind von Öffnungszeiten abhängig. Ein Bedürfnis der Gemeinde sind zudem Abstellräume, um Material oder Stühle zwischenzulagern. Nicht alles dreht sich nur um praktische oder organisatorische Fragen. «Auch die Idee einer Pétanque-Bahn wurde angebracht», sagt Bender. Ein Thema ist auch der barrierefreie Zugang zum Dorfplatz. Aus der Tiefgarage erreicht man per Lift nur das Zentrumsgebäude, ausserhalb der Öffnungszeiten bleiben nur Treppen. «Es besteht sogar extra ein Schacht beim Platz, dieser wurde aber nie mit einem Lift ausgebaut», sagt Bender.

Obwohl der Platz möglichst flexibel nutzbar sein soll, seien gut platzierte Bäume als Schattenspender wichtig, so Ebnöther. Insgesamt seien die klimatischen Bedingungen zu berücksichtigen, damit der Platz nicht zur Hitzeinsel wird.

Gemeinde will nicht auf Zentrumskreuzung warten

Bei der Umgestaltung gibt es auch Berührungspunkte mit der angrenzenden Zentrumskreuzung, die ebenfalls schon seit vielen Jahren saniert und umgestaltet werden soll. Aber weil der Kanton nach aktuellen Plänen erst etwa 2026 mit den Arbeiten beginnen wird, will die Gemeinde nicht warten. Für die Aufwertung des Dorfplatzes plant sie im Budget mit Ausgaben von 650 000 Franken. Läuft alles nach Plan und stimmt die Gemeindeversammlung dem ausgearbeiteten Bauprojekt zu, rechnet Bender mit einem Baubeginn im Jahr 2021. Wenn die Gemeinde im kommenden August am Dorfplatzfest ihren 1150. Geburtstag feiert, will der Gemeinderat bereits vor Ort erste geplante Veränderungen optisch darstellen. Aber auch der Gegenwart soll am Fest gehuldigt werden: Der Gemeinderat plant, den SRF-Weihnachtsfilm zu zeigen, indem der Dorfplatz als visuelles Denkmal verewigt ist.

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