Dietikon

Die Fussballer vom Kronenplatz: «Wir sind mit dem Sport aufgewachsen»

Drei Brüder, eine Leidenschaft: Aaron, Gideon und Desmond (von rechts) sind fussballbegeistert durch und durch.

Drei Brüder, eine Leidenschaft: Aaron, Gideon und Desmond (von rechts) sind fussballbegeistert durch und durch.

Viele Jahre belebten Walter und Elisabeth Hedinger mit ihrer Velowerkstatt am Kronenplatz das Dietiker Zentrum. Die sportbegeisterten Enkel nutzen den Ort aber lieber als Fussballplatz.

«Stundenlang, aber wirklich stundenlang haben ich und mein Mann mit unserem Enkelkind Desmond vor dem Hauseingang Fussball gespielt», erzählt Elisabeth Hedinger und schwelgt in Erinnerung an die Zeiten, als sie zusammen mit ihrem Mann Walter die gemeinsame Velowerkstatt auf dem Kronenplatz in Dietikon führte. Mittlerweile ist Desmond 13 Jahre alt und stolzer Bruder von Aaron und Gideon. Sie alle teilen die Begeisterung für denselben Sport: Fussball.

Aaron, Gideon und Desmond (von links) mit ihrer Grossmutter.

Aaron, Gideon und Desmond (von links) mit ihrer Grossmutter.

«Ich bin mit dem Sport aufgewachsen und kann mich gut an meinen Grossvater erinnern und auch mein Vater ist ein grosser Fan», sagt Desmond. Fussball sei in der ganzen Familie wichtig: «Unser Cousin Noah Okafor spielt im Nachwuchskader beim FC Basel». Mit ihm tauschen sich die drei Jungs gerne aus. Aber auch die Brüder haben nicht nur Freude am Spiel, sondern sind talentiert. Als sie kürzlich bei einem Turnier im Einsatz waren, hörten sie von der Seitenlinie: «Auf diese beiden müsst ihr aufpassen!»

Gemeint waren die beiden jüngeren Brüder Aaron und Gideon. Diese Anekdote, welche die beiden dank dem siegreichen Spiel mit einem Lächeln erzählen, zeigt das Potenzial der Jungs auf. Aaron beispielsweise habe einen starken Zug zum Goal und suche aktiv den Abschluss, sagt Elias Lehmann, sein Trainer beim SV Würenlos. «Er ist agil, schnell und technisch versiert, aber auch ein Schlitzohr».

Hat einer der Brüder sogar das Zeug für eine grosse Karriere? Lehmann verweist darauf, wie steil der Weg zum Profifussballer ist: «Es spielen so viele Faktoren mit, da sind Prognosen schwierig. Gut sind sie alle drei und sie zeichnen sich durch unterschiedliche Positionen aus. Das Potenzial ist beim Jüngsten sicher noch vorhanden», meint er.

Von Anfang an fussballbegeistert

Gabriela Okafor, die Tochter der Hedingers und Mutter der drei Jungs, erinnert sich, dass die Begeisterung für das runde Leder ihren Kindern quasi in die Wiege gelegt wurde: «Kaum konnte er laufen, wollte Desmond Fussball spielen und das war bei seinen Brüdern nicht anders».

Für alle drei sei klar gewesen, dass sie so schnell wie möglich einem Verein beitreten wollen. Kein Wunder also, spielen sie alle bereits seit dem Kindergartenalter organisiert Fussball. «Wir werden sehen, wohin der Weg führt. Wenn Aaron auf den Sport setzen möchte und die Möglichkeit hat, dann begleiten wir ihn sicher. Wenn nicht, ist das aber auch in Ordnung», sagt sie.

Er müsse hart trainieren, sagt der neunjährige Aaron. Nur schon, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen: «Ich kann schon wütend werden, wenn wir verlieren.» Gedanklich ist er gleich wieder bei seiner Lieblingsbeschäftigung und beschreibt, wie er am liebsten seine Tore erzielt: «Den Ball in die Ecke treffen, ein Kopfball, oder über den Goalie heben.» Der zehnjährige Gideon ergänzt: «Oder nur vortäuschen.» Der mittlere Bruder zeichnet sich auf dem Feld durch seine Polyvalenz aus: «Gideon kann überall spielen und geht stark in die Zweikämpfe, um einen Ball zurückzuerobern», sagt Trainer Lehmann. Für Gideon ist die Schule neben dem Sport wichtig: «Man muss schauen, dass es mit der Schule zusammenpasst», sagt er.

Bald auch Schiedsrichter

Desmond spielte eine Zeit lang für das Team Limmattal, einem Zusammenschluss von sechs Fussballclubs aus der Region Baden für talentierte Nachwuchsspieler. Er musste aber schon im jungen Alter einige Rückschläge aufgrund von Knieproblemen hinnehmen, die ihn bis zuletzt gebremst haben, erzählt Gabriela Okafor. Die Freude am Sport liess er sich aber nicht nehmen: «Ich wurde im letzten Jahr gefragt, ob ich bei den Jüngsten als Schiedsrichter wirken möchte. Ich fange nun langsam an, wieder selbst zu spielen, habe den Kurs gemacht und werde im Frühling als Schiedsrichter auf dem Platz stehen – darauf freue ich mich», sagt er.

Trotz Ambitionen steht bei allen drei Brüdern der Spass am Sport im Vordergrund. Ein Spass, der sich zeitintensiv auf das Familienleben auswirkt: «Auf jeden Fall ist es mit Aufwand verbunden, aber seit dieser Saison spielen die beiden Jüngeren in derselben Mannschaft.» Das mache die Organisation einfacher, sagt Okafor. Aber obwohl ein Match nur 90 Minuten dauere, sei mit Hinfahren und Umziehen gerne ein halber Tag an einem Wochenende verplant. Langeweile herrscht bei den Okafors auf dem Fussballplatz aber selten, wie Anekdoten aus dem Fussballleben zeigen: «Einmal ist ein Schiedsrichter einfach auf dem Platz umgefallen und bei meinem ersten Match wurde einem der Eltern im Publikum eine geflattert, weil sie so reingerufen haben.», erzählt Gideon.

Spielverbot auf dem Kronenplatz

«Manchmal spielen sie noch heute im Gang in meiner Wohnung. Auf dem Kronenplatz vor der Tür habe ich es vor kurzem verboten – zu viele Fensterscheiben und mittlerweile ein zu starker Schuss in den Beinen», sagt Elisabeth Hedinger. Wer weiss, vielleicht tritt Aaron irgendwann in die Fussstapfen seines Cousins Noah. Dann würde die Velowerkstatt der Hedingers am Kronenplatz viele Jahre nach ihrer Schliessung ein weiteres Kapitel schreiben. Steht sie doch mit am Ursprung der Fussballbegeisterung der drei Enkelkinder.

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