Weil die Tennis-Meisterschaft in der höchsten Spielklasse in den Sommerferien ausgetragen wird, müssen Limmattaler Tennisfans sich dieses Jahr für den sportlichen Höhepunkt noch etwas gedulden. Ab Ende Juli kämpfen die Damen des Tennisclub (TC) Weihermatt aus Urdorf um die nationale Krone.

Aber bereits seit einigen Wochen messen sich die Limmattaler Tennisclubs in der traditionell im Mai und Juni stattfindenden Interclub-Saison mit anderen Vereinen. So bevölkern junge und alte Tennisbegeisterte derzeit an den Wochenenden die vielen rötlichen Plätze in der Region – wenn ihnen nicht der regnerische Mai einen Strich durch die Rechnung macht. Das Tennisjahr begann mit einer guten Nachricht. Erstmals seit fast einem Jahrzehnt wird hierzulande wieder mehr Tennis gespielt, wie Swiss Tennis kürzlich mitteilte.

Seit 2010 verzeichnete der Schweizer Tennisverband bei den Lizenzzahlen einen langsamen aber stetigen Rückgang. 51'485 Wettkampfspieler zählte der Verband 2018, 91 mehr als noch im Vorjahr. Das Turnier-Angebot für Spieler hat im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent zugenommen. 3539 offizielle Swiss-Tennis-Turniere wurden 2018 ausgetragen und über 3000 klassierungsrelevante Matches mehr als im Vorjahr wurden gespielt.

Zulauf von Fussballspielern

Doch bekommen auch die Limmattaler Vereine den nationalen Aufwind zu spüren? Grundsätzlich steht es gut um die Tennisclubs in der Region. Bei einigen stagnieren die Mitgliederzahlen zwar, aber der grosse Aderlass ist ausgeblieben, obwohl im Limmattal neun Clubs auf engem Raum um Spieler buhlen. Der TC Engstringen, der TC Langacker Dietikon, der TC Sanapark (Birmensdorf), der TC Schlieren und der TC Uitikon haben indes bei den Mitgliedern zugelegt. «Unsere grossen Bemühungen haben gefruchtet», sagt Jack Hagmann, Präsident des TC Langacker Dietikon. Beim Tennis- und Padelclub Unterengstringen sind zumindest die externen Buchungen gestiegen. Der TC Dietikon konnte bei den Plauschspielern zulegen, hat aber einige Wettkampfspieler verloren. Das spürt man auch in Schlieren: «Bei der älteren Generation merken wir, dass sich einige vom aktiven Turniersport abwenden», sagt der Kommunikationsverantwortliche Marco Lier.

«Wir haben viel Zulauf von ehemaligen Fussballspielern», sagt Werner Kälin, Präsident des TC Engstringen. Der TC Uitikon konnte im vergangenen Jahr besonders viele Junioren dazugewinnen. «Weil wir im letzten Winter erstmals eine Traglufthalle angeboten haben», erklärt Präsident Martin Tschudi. Auch beim TC Dietikon, TC Schlieren, TC Weihermatt und TC Sanapark werden im Winter Spielmöglichkeiten geboten. Der TC Langacker Dietikon ist eine Kooperation mit Spreitenbach eingegangen, damit die Junioren auch in der kalten Jahreszeit in der Nachbargemeinde trainieren können.

Das zeigt: Die Clubs stellen längst nicht nur ein paar Sandplätze zum Spielen bereit, sondern bieten Mehrwert. Der Ganzjahresbetrieb kann ein Standortvorteil sein. Und nicht alle Vereine haben die gleichen Möglichkeiten. «Im Naturschutzgebiet haben wir keinen Spielraum für bauliche Massnahmen», sagt Hans-Ulrich Härtsch, Vizepräsident des TC Geroldswil. Dafür betreibt in der idyllischen Natur an der Limmat ein Wirtepaar auf der Anlage ein Restaurant. Das ist kein Einzelfall: Auch in Oberengstringen, Schlieren, Unterengstringen, Urdorf und Uitikon locken öffentliche Restaurants auf den Anlagen nicht nur Tennisspieler an.

Wettkampffreudige Junioren

Ein besonderes Augenmerk legen viele Vereine auf die Jugend. Eine gute Nachwuchsarbeit ist nicht nur nötig, um sportlich so erfolgreich wie die Urdorfer Damen zu sein. Für alle Clubs ist genügend motivierter Nachwuchs für das langfristige Überleben unentbehrlich. Auch bei der Jugend im Schweizer Tennis hat Swiss Tennis kürzlich über eine positive Entwicklung informiert. So hat die Anzahl lizenzierter Spieler 2018 bei den bis zu 10-Jährigen um 6,1 Prozent auf 1020 zugenommen.

Auch die Wettkampffreudigkeit der Kleinsten ist gestiegen. Der Junior Cup, eine Turnierserie für Spieler bis 12 Jahre, hat 40 Prozent mehr Teilnahmen registriert als im Vorjahr und auch beim Junioren Interclub sind die Teilnehmerzahlen gestiegen. Als Grund dafür führt Swiss Tennis Förderbemühungen wie die Einführung der «Kids Tennis High School» ins Feld. Dieses Trainingssystem will den Nachwuchs spielerischer in die Sportart einführen. Zwischen fünf und zwölf Jahren durchlaufen die Kinder drei Stufen mit spezifischen Lernzielen, bevor sie in den normalen Jugendbetrieb übergehen. Auf einem Spielerpass können die Jungtalente Sticker für Gelerntes sammeln und so ihren eigenen Fortschritt mitverfolgen.

Kinder sammeln Sticker

Auch die Limmattaler Clubs haben das Trainingssystem in den letzten Jahren eingeführt und sind sich einig, dass das Modell ein Erfolg ist. «Die Idee mit dem Spielerpass ist sehr gut bei den Junioren angekommen. Sie sammeln fleissig die Sticker und tauschen sich untereinander aus», sagt Damir Simic, Sportchef des Tennis- und Padelclub Unterengstringen. Wichtiger als das Konzept sei allerdings die praktische Umsetzung und damit die Qualität der Tennistrainer, sagen die Verantwortlichen mehrerer Vereine. «Wichtig ist, dass die Kinder spielorientiert unterrichtet werden und nicht bewegungsorientiert», sagt Francisco Bastias Studer, Juniorenobmann des TC Dietikon.

Als Juniorenclub setzt der TC Sanapark in Birmensdorf voll auf den Nachwuchs. Entstanden ist der Verein aus einer Zusammenarbeit des ehemaligen TC Birmensdorf und der Tennisschule im angrenzenden Sportzentrum Sanapark. Auch dank dieser sei die Nachwuchsentwicklung sehr positiv, sagt Präsident René Schneider.

Am meisten Sorgen bereiten den Tennisvereinen vor allem Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. In dieser Altersspanne ist die Zahl der Tennis-Aussteiger am höchsten. Deshalb arbeiten die Vereine daran, gerade Jugendliche intensiver in den Verein einzubinden. «Wir versuchen, die jungen Spieler zu motivieren, Ausbildungen im Bereich ‹Jugend & Sport› zu machen, um dann als Leiter in der Tennisschule eingesetzt werden zu können», sagt Thomas Bosshart, Präsident des TC Weihermatt. Ähnlich ist es in Unterengstringen, wo sich drei Junioren nach einem Assistentenkurs jetzt am Erstellen des Spielplans beteiligen. In Uitikon arbeiten die Verantwortlichen auch daran, dass die Jugendlichen sich mit dem Club als «Tennisfamilie» identifizieren, wie Präsident Martin Tschudi erklärt: «Dann bedeutet eine Abkehr vom Tennisport nicht zwingend einen Austritt aus dem Club.»