Als Peter Dällenbach in den 1970er-Jahren die Bienenhäuser seines Schwiegervaters übernahm, ahnte er noch nichts von den Herausforderungen, vor die die Imkerei ihn stellen würde. Kurz darauf wurde bei seinem Sohn eine Insektengiftallergie festgestellt.

Der Birmensdorfer Imker Peter Dällenbach vor seinem mobilen Bienenhaus - Online Redaktion ausgeschnitten

Der Birmensdorfer Imker Peter Dällenbach vor seinem mobilen Bienenhaus.

Die Leidenschaft für die Bienen war damals aber bereits so gross, dass der Jungimker nicht auf sie verzichten wollte. Er baute einen Baustellenwagen zum mobilen Bienenhäuschen um, dass nun seit vielen Jahren an der Waldgrenze zu Lieli parkiert ist. Hier betreibt er seine Honigproduktion auf engstem Raum. Für die Honigernte muss er die Waben nach Hause zum Ausschleudern transportieren.

Die Arbeit mit den Bienen ist eine Berufung

Sein Imkerkollege Hermann Dubs kennt solche Mühen nicht. Auf seinem Hof in der Lehrbreite steht eines der modernsten Bienenhäuser der Gegend. Wer jedoch denkt, Honigproduktion sei ein ertragreiches Geschäft, der irrt. Die Imkerei müsse man als Hobby betreiben, so Dällenbach. Nur in guten Jahren sei der Ertrag grösser als der Aufwand, weshalb ein Imker seinen Honig nicht als Nebenerwerb produziere, sondern aus Liebe zur Natur und den Bienen.

Peter Dällenbach sucht und findet die Bienenkönigin – der Stumpen ist dabei nicht Genuss, sondern Selbstschutz.

Hermann Dubs sucht und findet die Bienenkönigin – der Stumpen ist dabei nicht Genuss, sondern Selbstschutz.

Kein Imker würde die Bienenzucht allein wegen der Honigernte betreiben, sagt Hermann Dubs. «Meine 34 Bienenvölker bestäuben bei der Nektarsuche die Blüten meiner Bäume und Felder.» Und dann sei diese Arbeit nicht zuletzt gut fürs Gemüt: «Wer mit Bienen arbeitet, der ist ein anderer Mensch.» Hört man Peter Dällenbach und Hermann Dubs über ihr Handwerk sprechen, so wird klar: Die Arbeit mit den Bienen ist eine Berufung.

Eine, in die grosser Zeitaufwand gesteckt, wegen der das Wohnhaus mit Imkermaterial gefüllt und viel Schmerz in Form von Bienenstichen ausgehalten wird. «Eine Imkerweisheit besagt, dass der Imker nicht zu viel Zeit in sein Metier investieren darf, sonst schwärmt am Ende selbst die eigene Frau aus», sagt Dällenbach.

Die besten Lagen für Bienen

Zehn Bienenhäuser gibt es auf Birmensdorfer Terrain. In ihren an Chalets erinnernden Unterkünften auf Aussichtspunkten wie dem Altenberg, dem Häderliberg oder dem Hafnerberg angesiedelt, geniessen die Bienen attraktive Wohnlagen. Das Zürcher Veterinärsamt spricht von einer hohen Bienendichte im Kanton. So seien im letzten Jahr 150 Bienenbestände mehr gezählt worden als 2014.

Das mobile Bienenhaus von Peter Dällenbach steht an der Grenze zu Oberwil-Lieli.

Das mobile Bienenhaus von Peter Dällenbach steht an der Grenze zu Oberwil-Lieli.

Zwei Kilometer sollten die Bienenhäuser voneinander entfernt stehen, sagt Dällenbach. Wird etwa bei einem Bienenvolk Milbenbefall entdeckt, so verdächtigt der Halter schnell einmal abtrünnige Bienen des Nachbarimkers. Die meisten Bienenhäuser in Birmensdorf sind von Bäumen derart gut getarnt, dass nur Eingeweihte sie finden. Früher seien die Häuschen deutlich sichtbarer platziert gewesen, erzählt Hermann Dubs. Heute würden die Menschen mit zunehmender Panik auf Bienen reagieren und die Verdrängung von Bienenhäusern auf dem Rechtsweg bewirken.

Nicht nur romantische Idylle

Trotz aller Leidenschaft ist das Imkertum nicht nur romantische Idylle. Die Bienen hätten in den letzten Wochen mehr ausfliegen sollen, um Nektar von Blüten zu sammeln, anstatt im Bienenhäuschen auf das Ende des Regenwetters warten zu müssen, so Dällenbach. Nun, da fast alles verblüht sei, müssten sie den Grundstoff für Honig vom Honigtau der Blätter und der Waldbäume einsammeln. «Dazu muss aber die Natur und vor allem das Wetter mitspielen.»

Nicht nur die Natur birgt für den Imker Tücken, auch die Bienen selber sind nicht ganz pflegeleicht. Sie stechen Imker Dällenbach bis zu 30-mal in einer Saison. «Die Bienen bestrafen jeden unserer Fehler sofort», sagt er. Ja, die Stiche würden auch heute, nach
35 Jahren, noch schmerzen. Man gewöhne sich gezwungenermassen daran und wisse mit der Zeit, wann man die Bienen besser nicht störe. Etwa bei grosser Hitze oder kurz vor einem Gewitter. Auch müsse sich in Selbstbeherrschung üben, wer mit Bienen arbeite. Liesse man etwa nach einem Stich aus Schreck eine mit Bienen besetzte Wabe fallen, sei die Bescherung programmiert.

Arbeit nach Schmerzempfinden

Die Gebrüder Dubs haben gar ihre Arbeitsteilung gemäss ihrem Schmerzempfinden geregelt. Walter Dubs, der einen Stich noch drei Tage lang spürt, ist der Techniker des Teams. Er stellt Wabenrahmen aus Holz her, kümmert sich um das Rezyklieren des Bienenwachses und tüftelt an Verbesserungen in der Königinnenzucht. Beim direkten Kontakt mit den Bienen kommt Bruder Hermann zum Zuge. «Nach zehn Minuten merke ich vom Stich nichts mehr», sagt er.

Gerne lässt sich jedoch auch Hermann Dubs nicht stechen. Dem Bienenstock, den er eben geöffnet hat, bläst er, der eigentlich Nichtraucher ist, eine kräftige Portion Zigarrenrauch entgegen. «Die Bienen haben Rauch ebenso ungern wie wir und fliegen darum beim Öffnen nicht raus», sagt er. Im offenen Stock sucht Dubs nach der Königin, um sie von Bruder Walter markieren zu lassen.

Wabe für Wabe wird aus dem Stock genommen, bis der Imker auf eine mit einer besonders hohen Konzentration Bienen stösst. Die Königin wird von der Wabe genommen, mit einem weissen Punkt versehen und darf zu ihrem Hofstaat zurück. Die Operation ist gelungen. Und ganz ohne Stiche.