«Place-Jardin» – so lautet der Titel des Siegerprojekts aus einem Studienauftrag für den Zürcher Heimplatz. Stadtrat Richard Wolff (AL) hat ihn am Mittwoch präsentiert. Er sprach von einem bestmöglichen Kompromiss. Man werde sich jetzt an die Projektierung machen. Möglich sei ein Baubeginn 2023. Die Kosten dürften zwischen 20 und 30 Millionen Franken betragen.

Was zuerst auffällt am vorgeschlagenen neuen Heimplatz, sind die vielen Bäume in seiner Mitte. Der Kiosk bleibt, die Taxistandplätze und die vier Parkplätze werden aufgehoben. Der Boden wird mit Marmor belegt, passend zum Trottoirvorplatz beim entstehenden Erweiterungsbau des Kunsthauses.

Mehr Trottoir fürs Theater

Unter den Bäumen soll ein Ort zum Verweilen eingerichtet werden mit Tischen, Stühlen und einer Espressobar. Um das Heim-Denkmal herum ist eine Sitztreppe vorgesehen. Dank Verlegung der Tramhaltestelle vom Schauspielhaus bergwärts auf Höhe des früheren Jecklin-Geschäftes wird die dreieckige Platzmitte sogar etwas breiter zum Schauspielhaus hin. Vor diesem, auf der anderen Strassenseite, gibt es ebenfalls mehr Platz. Wo sich die Theaterbesucherinnen und -besucher heute auf zwei Meter Trottoir drängeln, können sie sich neu auf 5,5 Meter verteilen.

Der zusätzliche Platz vor dem Schauspielhaus entsteht auch dadurch, dass die Autofahrer sich die Strasse bergaufwärts mit dem Tram teilen müssen. Zudem können sie auf der Hottingerstrasse vom Klusplatz herkommend nicht mehr nach links in die Rämistrasse zum Bellevue abbiegen; dafür müssen sie weiter geradeaus bis zum Obergericht fahren und dort abzweigen.

Es ist dies eine von mehreren wegfallenden «Linksabbiegebeziehungen des motorisierten Individualverkehrs», wie es in der Medienmitteilung heisst. So kann auch bergabwärts von der Rämistrasse nicht mehr in den Zeltweg zum Kreuzplatz abgebogen werden. Vom Central her kommend hinauf in die Kantonsschulstrasse einbiegen geht auch nicht mehr; womit es auch die dortige zweite, dem Einspuren dienende Fahrspur nicht mehr braucht.

Diese Entflechtung der Verkehrsströme ist das eigentliche Kernstück der gestern präsentierten Studie des Teams Metron Verkehrsplanung AG, Roland Müller Küsnacht AG, Schmid Landschaftsarchitekten und Kuhn Landschaftsarchitekten. So werde Platz freigespielt für Fussgänger und Velos, erklärte Wolff. Für die regionalen Velorouten auf der Rämistrasse sowie auf der Achse Heim-/Hottingerstrasse können damit durchgehend Velostreifen markiert werden (ausser auf der Hottingerstrasse stadtauswärts).

Der Autoverkehr werde teilweise auf Umfahrungsrouten via Bellevue, Kreuzplatz, Römerhof und Central oder über den Hirschengraben verlegt, hiess es. Die SVP reagierte darauf mit einem Communiqué und beklagte, es drohten massive Beeinträchtigungen für Individualverkehr und Gewerbe. Nicht nur die wegfallenden Abbiegemöglichkeiten stören sie. So wird sich die Haltestelle des Bus 31 vor dem Kunsthaus direkt an der Strasse befinden; die Autos hinter dem Bus müssen warten, bis er weiterfährt. Die neue Tramhaltestelle auf der Rämistrasse bergabwärts zwischen Jecklin und Kunsthaus-Neubau funktioniert als sogenannte Zeitinsel: Ein- und Aussteigen erfolgen über die Strasse. Eine Ampel stoppt dafür den Verkehr.

Kanton muss zustimmen

Da es sich um überregionale Strassen handelt, ist die Zustimmung des Kantons beziehungsweise der Direktion von Carmen Walker Späh (FDP) nötig. Punkto Verkehr seien noch Abklärungen im Detail nötig, sagte dazu Wolff. Der Kanton sei aber in die Studie einbezogen gewesen. Er geht davon aus, dass sich die Verlagerungseffekte in Grenzen halten. Die wegfallenden Abbiegemöglichkeiten kappten nur Neben- und keine Hauptverkehrsströme.

Gemeinderat Markus Knauss (Grüne, VCS) lobt das Ergebnis als das Optimum angesichts der schwierigen Bedingungen vor Ort. Die Studie geht auf eine Motion der Grünen von 2012 zurück. Die stadträtliche Antwort darauf, dass kaum Verbesserungen für Fussgänger und Velofahrer möglich seien, hat das Stadtparlament nicht akzeptieren wollen. 2017 hat es den Stadtrat beauftragt, nach den amtsintern erstellten abschlägigen Studien eine extern auszuschreiben.