Ständeratswahlen

EVP-Ständeratskandidat Nik Gugger: «Ich bin durch eine tragische Geschichte zur EVP gestossen»

In seiner Heimatstadt Winterthur ist Nik Gugger viel mit dem Velo unterwegs.

Der Kandidat sagt, sein politisches Erfolgsrezept sei die «Liebe zu den Menschen». Ganz am Anfang seiner politischen Karriere stand jedoch ein Terroranschlag.

Sie sind 2017 als Nachfolger von Maja Ingold in den Nationalrat nachgerückt. Jetzt kandidieren Sie für den Ständerat – bestenfalls mit Aussenseiterchancen. Was ist Ihre Motivation?

Nik Gugger: Kleinparteien müssen Präsenz zeigen. Aber es geht auch um die Vielfalt. Die Leute sollen eine echte Auswahl haben.

Dient Ihre Ständeratskandidatur nicht vor allem dem Erhalt Ihres Sitzes im Nationalrat?

Nein. Politik ist nicht logisch. Momentan gilt ja wieder «grün gewinnt». Das hatten wir 2011 schon einmal. 2015 war es dann eher «grün verliert» und «nationalkonservativ gewinnt». Das ist wie ein Pendelschlag, es geht hin und her. Ich als Mittepolitiker bin von solchen Ausschlägen weniger stark betroffen. Zudem braucht der Kanton Zürich als Wirtschaftskanton einen Vertreter im Ständerat mit interkulturellen Managementfähigkeiten.

Nik Gugger, EVP - Ständeratskandidat: «Die Trinkwasser-initiative ist mir sehr wichtig.»

Nik Gugger, EVP - Ständeratskandidat: «Die Trinkwasser-initiative ist mir sehr wichtig.»

Sie haben schon für fast jedes Amt kandidiert. Stadtrat von Winterthur, Regierungsrat, ...

..und das teilweise überraschend erfolgreich! In der Stadtratswahl habe ich das Absolute Mehr erreicht und bin als überzählig ausgeschieden. Bei der Regierungsratswahl habe ich den Kandidaten der BDP überholt.

Die EVP ist eine Kleinpartei, die sich längerfristig betrachtet stabil halten kann. Warum?

Sie ist die älteste Volkspartei der Schweiz, wir konnten kürzlich das 100-Jahr-Jubiläum feiern. Unser Wähleranteil ist stabil, schweizweit bei 2 Prozent, in Zürich aktuell bei 3,1 Prozent. Unsere Partei ist keine alte, kirchengraue Maus. Schauen sie unsere Listen für den Nationalrat an. Da sind viele junge Gesichter drauf, wir haben einen Frauenanteil von weit über 50 Prozent.

Die EVP mag stabil sein, aber seien wir ehrlich: Wer politisch Karriere machen will, tritt in eine der grösseren Parteien ein.

Die Leute machen in der EVP mit oder wählen sie aus Überzeugung. Es ist die Liebe zum Menschen, die uns ausmacht.

Das tönt ein wenig kitschig.

Aber es stimmt! Ich zum Beispiel bin durch eine tragische Geschichte zur EVP gestossen. Beim Attentat in Luxor im Herbst 1997 ist auch ein Mann aus Winterthur ums Leben gekommen. Damals standen in Winterthur Wahlen an, und der Verstorbene kandidierte auf einem der hintersten Plätze auf der EVP-Liste für das Stadtparlament. Die Wahlwerbung, auf der auch sein Foto drauf war, sollte bald in Druck gehen. In dieser Situation ist Walter Kienast von der EVP auf mich zugekommen, ob ich nicht anstelle des Mannes kandidieren könne. Mein Vater sei ja schliesslich ein bekannter EVP-Politiker gewesen.

Wie der Vater, so der Sohn?

Als Junger hatte ich lange Haare und habe meinem Vater immer angedroht, der stramm linken POCH beizutreten (lacht). Jedenfalls bin ich bei der damaligen Wahl von Listenplatz 56 aus auf den achten Platz hochkatapultiert worden. Bei den nächsten Wahlen bin ich dann mit einem Topresultat gewählt worden, Maja Ingold gleichzeitig in den Stadtrat.

Und was hat das alles mit der vorhin erwähnten Liebe zu den Menschen zu tun?

Als ich in den 1990er-Jahren nach Winterthur gekommen bin, habe ich mich als Werkstudent in der Jugendarbeit engagiert und konnte so viele Menschen kennenlernen. Dass man mich kennt, und mir vertraut, hat mir später sicher etliche Stimmen beschert, als ich für verschiedene Ämter kandidiert habe.

Welche Rollen spielen das Christliche und der Glauben?

Wir sind geprägt von der christlichen, abendländischen Kultur, deshalb sind wir im Nationalrat ja auch in der CVP-Fraktion. Mir ist der christliche Wertekompass wichtig.

Zum Beispiel?

Ein Beispiel ist, dass uns die Familie wichtig ist. Ich bin mit 33 Jahren Vater geworden, und es gibt wahrscheinlich nichts, das mich für meinen weiteren Weg stärker geprägt hat. Dieser Fokus auf die Familie ist einer unserer Werte.

Zur Zeit läuft in Bern die letzte Session vor den Wahlen. Welches ist Ihrer Meinung nach das wichtigste Geschäft, das im Nationalrat behandelt wird?

Die Behandlung meines Postulats «Geht es den Kindern gut, geht es der Schweiz besser». Wir müssen bei der frühen Förderung ansetzen, und zwar auf allen Ebenen: Sicher bei den Eltern, die die Hauptverantwortung tragen, aber beispielsweise auch bei den Auszubildenden in den Kindertagesstätten oder den Kinderärzten. Durch die frühe Förderung in allen Bereichen lassen sich hohe Folgekosten vermeiden. Da geht es um Milliarden.

Wie ist ihre Haltung zum Rahmenabkommen mit der EU?

Ich bin klar gegen einen EU-Beitritt. Zum Rahmenabkommen sage ich «ja, aber». Ich bin betrübt, dass wir uns da innenpolitisch selber blockieren, konkret vonseiten der SP und der SVP. Das ist eine unheilige Allianz, diese Blockade führt nirgends hin. Wir müssen den Knoten lösen, offene Fragen zum Lohnschutz klären und dann das Abkommen unterzeichnen.

Braucht die Schweiz eine CO2-Steuer?

Ja, weil wir nur Eine Welt haben. Wir müssen uns überlegen, welche Klimaziele wir setzen wollen, wir können nicht nach dem Motto «nach uns die Sintflut» leben. Ich habe Kinder, ich muss mir doch die Frage stellen, was für eine Welt wir ihnen hinterlassen.

Aber was ein kleines Land wie die Schweiz an CO2-Emmissionen einsparen kann, blasen grosse Länder wie China, Indien oder Brasilien gleich mehrfach zusätzlich hinaus. Ist es da sinnvoll, bei uns den Hebel anzusetzen?

Wir dürfen nicht vergessen, dass der CO2-Ausstoss pro Kopf in Indien viel tiefer ist als bei uns. Natürlich steigt er. Aber auch das Umweltbewusstsein steigt dort, die Nutzung von Solarstrom beispielsweise wird ausgebaut oder es wird in die Bahn investiert.

Trotzdem: Der CO2-Ausstoss in vielen Ländern wird steigen, egal was wir tun oder lassen.

Nichts tun ist für mich keine Option, die Schweiz soll Vorbild sein. Wäre ich so pessimistisch, zu glauben, dass sowieso alles nichts nützt, dann wäre ich in der Politik am falschen Ort. Ich bin aber unverbesserlicher Optimist.

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