Die an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung der Katholiken von Sonntag, 6. Februar 2011, erfolgte Wahl von Pfarrer Max Kroiss wird vom Bezirksrat aufsichtsbeschwerdlich für ungültig erklärt und aufgehoben, wie dieser in seinem Beschluss festhält. Die Kirchenpflege wird vom Bezirksrat weiter angewiesen, spätestens an der nächsten Kirchgemeindeversammlung die Wahl eines neuen Pfarrers vorzunehmen.

Geheime Wahl notwendig

Das Problem war das Wahlverfahren. Die Kirchenpflege ging damals davon aus, dass die Wahl an der Versammlung offen durchgeführt werden könne. Sie übersah dabei die Verordnung der römisch-katholischen Zentralkommission über die Neuwahl von Pfarrern vom 9. September 1964. Dort steht geschrieben: «Die Wahl des Pfarrers wird von der Kirchgemeinde in geschlossener Versammlung im geheimen Verfahren vorgenommen.»

Im Februar darauf angesprochen, hoffte die Urdorfer Kirchenpflege auf einen guten Ausgang der Sache. Vom Leiter der Kommunikation der katholischen Kirche, Aschi Rutz, wurde dies bedingt bestätigt. Zwar sei das Verfahren nicht korrekt durchgeführt worden, doch ziehe es nicht automatisch Konsequenzen mit sich. Er bestätigte, dass eine Person, die an der Kirchgemeindeversammlung anwesend war, Beschwerde beim Bezirksrat hätte einreichen müssen. Dies ist damals nicht erfolgt.

Klage wegen Wahlprotokolls

Allerdings reichte Pia Murer-Zuber am 17. Februar 2011 an die Rekurskommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ein Begehren um Berichtigung des Protokolls der Versammlung ein. Ihr Vorwurf: Die im Protokoll genannten Zahlen der Ja- und Nein-Stimmen sowie der Enthaltungen seien nicht zutreffend. Ausserdem sei während des ganzen Wahlvorgangs der vorgeschlagene Kandidat in der Versammlung anwesend gewesen, was wohl Befangenheit ausgelöst habe.

Zuständigkeitshalber hat die Rekurskommission das Begehren am 24. Februar dem Bezirksrat Dietikon überwiesen. Dieser hält fest, dass sich der Rekurs von Pia Murer-Zuber nur gegen das Protokoll der Kirchgemeindeversammlung, nicht aber gegen das Ergebnis richte, dass Max Kroiss als neuer Pfarrer der Kirchgemeinde gewählt wurde. Die Krux ist nun: Der Bezirksrat kam zur Ansicht, dass losgelöst vom Protokollberichtigungsbegehren aufsichtsrechtlich zu prüfen sei, ob es überhaupt zulässig war, die Wahl des neuen Pfarrers in einem offenen Verfahren durchzuführen.
Ob die Wahl eines Pfarrers an der Urne oder an der Kirchgemeindeversammlung vorgenommen werde, könne die Kirchgemeinde Urdorf gemäss Kirchenordnung in eigener Kompetenz bestimmen. Wenn die Wahl eines Pfarrers an der Kirchgemeindeversammlung vorgenommen werde, habe diese «in einem geheimen Verfahren zu erfolgen», teilt der Bezirksrat mit. Diese Verordnung sei Bestandteil des Rechts der römisch-katholischen Körperschaft, weshalb sie der kommunalen Kirchgemeindeordnung vorgehe. Das Fazit: Urdorfs Katholiken hätten geheim abstimmen müssen.

Bedauern der Kirchenpflege

Für die Kirchenpflege der Urdorfer Katholiken erklärt Präsident Christian Tomasi in einer Stellungnahme, der Beschluss des Bezirksrats beziehe sich auf einen Formfehler im Wahlverfahren. Am 6. Februar sei der Pflege nichts bekannt gewesen von einem 1964 erlassenen Reglement der Kantonalkirche zur Pfarrwahl. Die Kirchenpflege habe diesen unabsichtlichen Formfehler sofort nach der Wahl öffentlich bekannt gegeben und sich dafür in aller Form entschuldigt.

Die Kirchenpflege ist zudem der Ansicht, das Wahlprotokoll sei unmittelbar nach der Wahl an den Bezirksrat Dietikon, an das Generalvikariat Zürich und an das bischöfliche Ordinariat in Chur gegangen. Nach Ablauf der Rekursfrist habe der Bischof am 3. April 2011 den Gewählten formgerecht zum Pfarrer von Urdorf ernannt.
«Die Kirchenpflege nimmt diesen späten Entscheid des Bezirksrats zur Kenntnis und bedauert ihn. Sie wird sich in der Sache vom Synodalrat der Kantonalkirche Zürich juristisch beraten lassen und behält sich alle Rechte vor», teilt Tomasi abschliessend mit.

«Betrifft Arbeit von Pfarrer nicht»

Robert Eigenmann, Vizepräsident und Personalverantwortlicher erklärt auf Anfrage, man habe bis 20. August Zeit, sich einen Rekurs zu überlegen. Man sei mit Recht davon ausgegangen, dass die Wahl in Ordnung gewesen sei, zumal kein Einwand dagegen erhoben wurde und dem Bezirksrat der Fehler bekannt gewesen sei: «Es ist erstaunlich, dass erst so spät etwas kommt.»
Laut Eigenmann betreffe die Angelegenheit die Arbeit von Pfarrer Kroiss nicht. «Grundsätzlich ist er vom Bischof ernannt worden.» Die Kirchenpflege wolle sich auf jeden Fall an die demokratischen Regeln im Kanton halten.