98,9 Millionen Franken: Auf diesen Betrag belief sich die Schadenssumme für die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) im vergangenen Jahr. Das sind rund 40 Millionen Franken mehr als im Jahr 2017.

Einen Grossteil der Schadenssumme machten Umweltereignisse aus: Allein der Sturm «Burglind» im Januar 2018 kostete die GVZ 15 Millionen Franken. Die Überschwemmungen infolge von Unwettern Ende Mai letzten Jahres, die besonders die Bezirke Dietikon, Dielsdorf und Bülach trafen, schlugen mit 25 Millionen Franken zu Buche. Hinzu kamen ein Grossbrand nahe beim Hauptbahnhof Zürich Ende August – und ein schlechtes Börsenjahr. Insgesamt resultierte für die Gebäudeversicherung ein Defizit von 34,6 Millionen Franken.

Videointerview mit Lars Mülli, Direktor der Gebäudeversicherung Kanton Zürich.

Videointerview mit Lars Mülli, Direktor der Gebäudeversicherung Kanton Zürich.

GVZ-Direktor Lars Mülli geht davon aus, dass unwetterbedingte Schäden in Zukunft zunehmen werden, wie er am Rande der gestrigen Kantonsratssitzung im Gespräch mit dieser Zeitung sagte. Der Trend sei eindeutig – und der Klimawandel eine Tatsache. Schweizweit hätten unwetterbedingte Schäden punkto Schadenssumme die Feuerschäden bereits überholt. Im Kanton Zürich ist dies laut Mülli noch nicht der Fall, wenn man den Mehrjahresschnitt betrachtet.

Anlagestrategie überdenken

Das letzte Jahr macht jetzt auch die Politik hellhörig: «Erstmals in den letzten acht Jahren verzeichnete die Gebäudeversicherung ein negatives Jahresergebnis», sagte Astrid Furrer (FDP, Wädenswil) im Rahmen der Kantonsratsdebatte zum GVZ-Geschäftsbericht. Das sei zwar nicht besorgniserregend, da die GVZ genügend Reserven angehäuft habe. Höhere Prämien stehen laut GVZ-Direktor denn auch gegenwärtig nicht zur Debatte. Sorgen bereitet jedoch aus FDP-Sicht die Tatsache, dass die GVZ mehr als ein Drittel ihrer Mittel in Aktien angelegt hat – und diese an Wert verloren haben. Furrer forderte die GVZ daher auf, ihre Anlagestrategie zu überdenken.

«Wir sollten die Folgen des Klimawandels nicht auf die leichte Schulter nehmen», sagte Daniel Heierli (Grüne, Zürich). Bei den Elementarschäden sei eine Zunahme zu verzeichnen. «Das sollte uns eine Warnung sein.» Angesichts des Anlagevermögens der GVZ von knapp zwei Milliarden Franken seien die letztjährigen Schwankungen allerdings nicht so riesig.

Dennoch sprach sich der Kantonsrat für eine Änderung des Gebäudeversicherungsgesetzes aus: Er legalisierte die seit Jahren gängige Praxis, wonach die GVZ Präventionsmassnahmen gegen Unwetterschäden finanziell unterstützt. Schon 2007 hatte der GVZ-Verwaltungsrat dafür einen Kredit von 15 Millionen Franken bewilligt. Die entsprechende gesetzliche Grundlage sollte die Politik nachreichen, sobald aussagekräftige Resultate vorlägen, hiess es damals. Doch die gesetzte Zehnjahresfrist verstrich, ohne dass das Gesetz angepasst wurde.

Erst als die Finanzkontrolle des Kantons Zürich Druck machte, reichte der Regierungsrat vergangenen August den Antrag zur längst fälligen Gesetzesänderung ein. Demnach kann die GVZ Beiträge an Massnahmen bezahlen, die die Risiken von Unwetterschäden erheblich senken. Zudem kann sie Private und Gemeinden präventiv beraten, um sie für die durch Naturgefahren drohenden Schäden zu sensibilisieren. Der Kantonsrat stimmte dem zu.

Oft sind es laut GVZ-Chef Mülli ganz einfache Massnahmen, mit denen sich etwa Hochwasserschäden verhindern lassen: Hauseingänge sollten erhöht platziert sein, Lichtschächte ebenfalls nicht ebenerdig – und Garagenzufahrten nicht von der Strasse direkt abwärts führen, sondern über eine Kuppe.

Eine andere Art von Schadensprävention empfahl Hanspeter Göldi (SP, Meilen): Die GVZ solle ihre Gelder noch mehr in Firmen anlegen, die auf umweltverträgliche Forschung und Prävention setzen, konkret: auf eine Abkehr von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger. «Damit kann die GVZ ihren Beitrag zur Senkung oder mindestens Stabilisierung von Umweltrisiken leisten, die letztlich auch wieder über Prämien gedeckt werden müssen.» Mülli zeigt sich dafür offen.