Die direkte Lage am Bahnhof Dietikon scheint wie für ein Kulturzentrum gemacht. Interessierte aus dem ganzen Limmattal könnten künftig bequem anreisen, um die Veranstaltungen im Gleis 21, dem ehemaligen Brocki Atelier 23, zu besuchen. Inzwischen steht das Gebäude seit über drei Jahren leer. Noch in diesem Jahr soll das Lokal aber zu einem kulturellen Quartiertreffpunkt inklusive Bistro umgestaltet werden. Am Samstagabend zeigte sich das erste Mal, wie solche oder ähnliche Veranstaltungen in Zukunft aussehen könnten.

Da sich die Sanierung des Gebäudes noch verzögert, hat sich der Verein Gleis 21 entschieden, Interim-Aktionen durchzuführen. «So kann das Gebäude zwischendurch trotzdem belebt werden», sagt Vorstandspräsidentin Kerstin Camenisch und schenkt ein weiteres lokales Darkwolf-Bier aus Dietikon aus. Am 26. September werde die Baubewilligung eingereicht, fügt sie hinzu. Deshalb sei dieser Abend mit dem Konzert der Soulmaniacs ein Probeabend, um herauszufinden, wie alle auf einen Kulturbetrieb reagieren.

Alle – damit meint Camenisch vor allem die Anwohner des Quartiers, die direkt hinter dem Lokal wohnen. Christian Höhener, Kassier des Vereins Gleis 21 und Teil des Komikerduos Lapsus, gibt ehrlich zu: «Wir haben uns nicht nur Freunde gemacht.» Es gehe nun darum, zu spüren, was drin liege und wo die Schwierigkeiten lägen. «Ohne Fehler wird das Ganze nicht über die Bühne gehen», meint er. Höhener wohnt selbst im besagten Quartier und weiss deshalb um die Ängste und Sorgen der Anwohner. Viele seien etwa bereits von den Lärmimmissionen durch die nahe Nötzliwiese vorbelastet. Sie hätten Angst, dass es auch hier im Gleis 21 abends zu laut werden könnte.

Vorfreude auf neuen Treffpunkt

Während die Vorstandsmitglieder über solche und ähnliche Fragen eifrig mit den gekommenen Gästen diskutieren, stimmen die Soulmaniacs das erste Lied an. Die fünf Musiker gibt es sowohl als Bühnen- wie auch als Strassenformation. An diesem Abend treten sie in letzterer Konstellation auf. Die Trommel des Schlagzeugs ist dafür mit einem Tuch bedeckt worden. «Den Nachbarn zu liebe», erklärt Höhener.

Während sich der Vorstand durchaus auch den Schwierigkeiten des neuen Kulturstandorts bewusst ist, freuen sich die Gäste schon jetzt auf einen neuen Treffpunkt. Matthias Müller, der selbst jahrelang in Dietikon gewohnt hat und jetzt in Zürich lebt, begrüsst das Gleis 21. «Ich vergleiche es gerne mit den Gemeinschaftszentren in Zürich», sagt er. In Dietikon fehle ein solches Angebot leider. Er hoffe sehr, dass das Zentrum eine Chance bekomme, ähnlich tolle Events auf die Beine zu stellen.

Die Einsprachefrist läuft

Geplant wäre, dass das Gleis 21 zu Beginn des neuen Jahres definitiv seine Pforten öffnen kann. Nun gilt es aber, zuerst die 30 Tage abzuwarten, in denen die Bevölkerung noch Zeit hat, Einsprache zu erheben. Camenisch sensibilisiert nicht zuletzt deswegen alle Gäste jetzt schon. «Seid bitte alle so ruhig wie möglich, wenn ihr euch zu später Stunde vor dem Lokal aufhaltet», sagt sie. Ideen für die Nutzung der Räumlichkeiten seien nämlich schon zahlreich vorhanden.

Zahlreiche Dietiker hätten ihre Ideen eingereicht, man dürfe also gespannt sein, so Camenisch. Dass die Vorfreude auf das neue Lokal die Sorgen über mögliche Einsprachen tilgt, dafür ist an diesem Abend die Musik der Soulmaniacs zuständig. Schon nach wenigen Minuten schaffen sie es mit ihren groovigen Liedern von Funk bis Soul, das Publikum mitzuziehen und zum Tanzen zu animieren. Und der Text des ersten Liedes, der könnte auch nicht passender sein. «Why don’t you do this, why ain’t you do that thing», singt Frontmann Philippe Häfliger und die Zuhörer nicken im Takt mit.